Sonntag, 22. Juni 2014

Premiumwanderweg "Waldsaumweg" bei Losheim am See - Hausbach

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Nach einem Jahr Zwangspause wegen einer unglaublich langwierigen, schmerzhaften Entzündung im Fuß habe ich vor kurzem das Wandern endlich wieder aufnehmen können.

Nun konzentriere ich mich aber auf die saarländischen Premiumwanderwege, herrlich beschrieben in dem Buch "Premiumwandern - 33 Top-Touren im Saarland", weil sich das fast immer ganz besonders lohnt.

Letztes Jahr war ich mit einem meiner Söhne den unglaublich erlebenswerten,  aber auch anstrengenden "Felsenweg" bei Losheim am See gegangen (im Regen! Trotzdem nicht bereut!), dieses Jahr quasi als Test, ob der Fuß mitmacht, den "Kaltensteinpfad" (empfehle ich jetzt nicht so unbedingt) und den wiederum schönen "Mühlenpfad" im Ostertal.

Heute ging ich - mal wieder solo - den Waldsaumweg bei Losheim.
Dieser ist laut Wanderführer 9,9 km lang, führt über 120 Höhenmeter und ist als leicht bis mittelschwer eingestuft.
Er ist mit dem Deutschen Wandersiegel zertifiziert und hat 56 Erlebnispunkte erreicht.

Der Start ist in Losheim-Hausbach unterhalb der Kirche. Geparkt hatte ich am Gemeindehaus, es war gerade kurz vor 9 Uhr.
Dort gegenüber geht der Weg über eine kleine Brücke in den Wald.




Gleich zu Beginn auf den ersten Metern befindet sich - anscheinend nagelneu - nun eine Kneippanlage, was ich mir als Schmankerl für nach der Wanderung gleich mal vormerkte.



Wenn man als Frau alleine diesen Weg geht, kann man sich zu Beginn schon ein bisschen gruseln: ein schmaler Pfad, düster, unübersichtlich, aber auch geheimnisvoll und somit wiederum interessant.

Ein bisschen gespenstisch ist es schon, wenn man da alleine unterwegs ist, diese hier sind jetzt schon mit Blitzlicht fotografiert:







 es bleibt aber nicht so, obwohl es absolut seinen Reiz hat, nach einiger Zeit öffnet sich der Wald und man kommt zu einem Angelweiher, heute war hier gerade ein Fest:





 Aber der Weg führt sofort wieder in einen kleinen, dem Weiher abgewandten Pfad über, man taucht schnell wieder in Natur ein, die man ganz für sich alleine hat.




Mir ist auf meinen Wanderungen immer sehr wichtig, auch das Kleine, das halb Verborgene, das erst auf den zweiten oder dritten Blick Erkennbare zu entdecken, dazu bleibe ich gerne stehen und lasse es auf mich wirken, wie hier Brombeerbüsche, in denen es von Bienen, Wildbienen und Hummeln nur so summte und brummte, außerdem waren die Brombeerblüten in verschiedenen Stadien erblüht, was auch sehr reizvoll wirkte:




 Auf dem kleinen Pfad, der vom Weiher wegführt, entdeckte ich Haselnusssträucher, die voll hingen mit reifenden Nüssen, hier gerade mit Besuch vom Schmetterling "Großer Fuchs":



Einige Zeit später, schon nach dieser Waldtreppe, die weiter oben zu sehen ist, ließ mich diese Ansammlung von Zunderschwämmen an Steinzeitmenschen denken, für die diese ein wertvoller Fund zum Feuermachen gewesen wären, und wahrscheinlich auch noch im Mittelalter hätten sie nicht lange so unbeachtet hier hängen können



Hier hat eine Spinne ein köcherartiges Netz an einer bemoosten Baumwurzel gebaut



 Nach geschätzt oder gefühlt einem Drittel des Weges mache ich die erste Rast, denn ich habe noch nicht gefrühstückt - hier mit dem schönen Ausblick auf die Kirchturmspitze des Dorfes Britten, durch das mein Weg mich früher oder später führen wird, der Stille ringsum, nur erfüllt von Vogelgezwitscher und Insektengebrumm, ist das ein ganz besonderer Genuss.



 hier noch ein etwas besseres Foto, siehst du die Kirchturmspitze in der Ferne, unterhalb der kleinen weißen Wolke? Da will ich hin!



Nachdem man dieses Waldstück hinter sich gelassen hat, führt der Weg über schöne Streuobstwiesen, ob die Äpfel, die hier wachsen, auch für den berühmten Merziger Viez genutzt werden?



Obwohl erst Vormittag, ist es doch schon ordentlich heiß, aber wohl durch die Hanglage geht auch ein frischer Wind, was das Laufen zu einer leichten Sache macht.

Auch hier immer wieder das obligatorische Brombeergestrüpp, hier mit Besuch von einem Schmetterling "Großes Ochsenauge" - überhaupt ist man hier häufig umflattert von Schmetterlingen, meist Kohlweißlinge





Besser hätte ich es mit dem Wetter wohl nicht treffen können! Es ist einfach herrlich hier, egal ob während Waldpassagen oder auf solchen freien Flächen, man ist wie alleine auf der Welt, kein Haus, keine lärmigen Straßen, wirklich wunderbar.




Ich wandere heute zum ersten Mal mit diesen neuen Wanderschuhen, und ich bin überaus zufrieden! Hätte ja auch schiefgehen können...



 Ich erreiche das Örtchen Britten, laut Wikipedia 1539 Einwohner, im strahlenden Sonnenschein, einige Leute arbeiten in ihren Gärten und grüßen freundlich.
Das Obst wächst hier aus den Gärten heraus buchstäblich auf die Straße hinaus:

Kirschen - Mirabellen - sogar Walnüsse - Haselnüsse - Pflaumen (die Fotos sind auch in dieser Reihenfolge, falls es interessiert)














 Aha, und hier ist auch die Kirche, von der vorhin nur die Spitze aus den Bäumen herauslugte



diese originelle Haustreppendeko gefällt mir, ob der Hauseigentümer ein besonderer Hundefreund ist oder ob die Hundestatuen sogar Abbildungen seiner eigenen Hunde sind?




Nun bekomme ich aber Probleme, denn ich finde den Einstieg in den Wanderweg nicht mehr, ich bin wohl zu weit gelaufen, schon an der Kirche vorbei; ich stehe noch suchend mit meiner auf einem Bogen ausgedruckten Wegbeschreibung in der Hand da (den kleinen Führer zum mitnehmen habe ich leider irgendwie verloren) und suche vergebens den "Stromkasten, an dem man links abbiegen" soll, da spricht mich eine sehr nette ältere Dame an, ob sie mir helfen kann. Und was ich schon lange nicht mehr gehört habe, sie redet mit mir in der dritten Person: "Von woher kommt Ihr denn?"
Das erinnert mich an meine Kinderzeit, wo ältere Leute sich grundsätzlich mit dieser Art der Anrede ansprachen. Sie geht ein Stück mit mir zusammen eine kleine Straße hinunter, wir unterhalten uns ein wenig und sie weist mir die nächste Wegmarkierung, ich bedanke mich herzlich und ziehe weiter.

Solch einen Garten mit romantischem Häuschen hätte ich auch gerne, und wie man sieht, ist auch hier Fußball-WM-geflaggt



 Weiter geht es, wie schon der Name des Weges sagt, an einem Waldrand vorbei, und wenn die Kirschen, die da so verlockend leuchten, so lecker schmecken, wie sie aus der Ferne aussehen, dann wird es meinerseits aber kein Halten geben!





und oh ja!!! Sie sind klein, sie haben Macken, aber sie sind zart, saftig, süß mit einer leichten Säure, der Rucksack fliegt in die Wiese, das muss genossen werden - ich glaube ja kaum, dass sich jemand die Mühe macht, diese halbwilden kleinen Dinger abzuernten, und den Mundraubparagraphen gibt es doch nicht mehr



ein letzter Blick auf Britten, danke es war nett hier!



und noch einen Großen Fuchs beim Nektarnaschen erwischt



da möchte man doch eigentlich fast mit der Hand drüberstreicheln



und dann steht doch da einfach so am Wegesrand eine Orchidee! Knabenkraut!



der Weg verlässt wieder die Wiesenlandschaft und wendet sich dem Wald zu



 es gibt dann ein wenig Gekraxel einen Steilhang hinauf, aber ein Weg ohne Steigungen ist ja schließlich auch meist langweilig; oben angekommen diese willkommenen Hinweise:



 nicht weit von hier ist dann ein kleiner Rastplatz mit Bank und Tisch, wo ich gerne meine zweite Rast einlege - ich vermute, nun zwei Drittel des Weges hinter mir zu haben



gleich neben diesem Platz gibt es eine Felsformation, vor der dieser seltsame Stein steht, was diese Zeichen wohl bedeuten??? Man könnte alles Mögliche hineininterpretieren



 ein schmaler Weg durch Tannenwald führt nun zum Aussichtspunkt Schönertskopf



die Aussicht dort kann man auf zwei Sinnenbänken genießen









auf, weiter gehts!

Wow, hier wachsen sogar Heidelbeeren! Ich dachte, die gibt es nur im Schwarzwald
(es ist zwar nur eine einzige Beere zu sehen, aber es ist ja auch noch früh im Sommer)



 dann an einem steilen Hang entlang, dankenswerterweise sind hier an feuchten Stelle befestigte Bohlen ausgelegt, die auch noch zur Sicherheit mit Drahtgeflecht überspannt sind, linkerhand hat man eine interessante Felsformation, auch wieder mit einem nicht zu deutenden eingeritzten Zeichen





 Traubenholunder hat sich durch die Brombeeren gekämpft



nun tritt man wieder aus dem Wald heraus, hier steht auch gleich wieder eine Bank (wie ich überhaupt positiv vermerken muss, dass auf diesem Weg häufig Bänke zum Rasten stehen! Und alle sind - sofern das nötig war nach dem Winter - auch sichtbar instandgesetzt), man schaut auf ein sehr langes Wiesental, man geht am Waldrand vorbei, ich schätze, dieses sanfte Tal ist bestimmt knapp einen Kilometer lang, ich weiß nicht, ob das am Ende aufgenommene Foto das überhaupt vermitteln kann



Die Zivilisation hat mich wieder, da vorne schaut schon der Kirchturm von Hausbach heraus, in dessen Nähe die Wanderung (leider) enden wird



dieses kleine Hexenhäuschen hatte es mir noch angetan



wie ich mir anfangs vorgenommen hatte gehe ich noch das kurze Stück zurück zur Kneippanlage, das permanent frisch einlaufende Wasser ist eiskalt, aber sehr erfrischend und wohltuend



ich habe vor, diesen Weg noch mehrmals zu gehen! Hat Spaß gemacht und Erholung gebracht!

*noch ein P.S. für die Anfrage, wie ich denn die Fotos von mir selbst gemacht habe:
meine kleine, alte Nikon hat eine Selbstauslöserfunktion, ich habe sie auf Pfosten und Wurzelstürzen positioniert, oder auch mal mit der Schlaufe an Äste gehängt, dann schnell lossprinten, man hat nur 10 Sekunden bis zum Auslösen, und wenn man Pech hat und nicht schnell genug ist, darf man mehrmals wiederholen ;-)