Hört sich jetzt großtrabend an, als wäre ich auf zwei Berge gestiegen mit Hüttenbewirtschaftung, nee hihi, aber ich konnte nicht wiederstehen, es so zu formulieren.
Da ich durch mehrere Umstände verhindert war, zum Litermont aufzubrechen (und die Wanderung ist auch nach wie vor in weiter Ferne: ich wollte tatsächlich jetzt am Donnerstag, der mit 40 Grad gemeldet ist, ich aber meinen Ausgleichstag habe, um 4 Uhr hier aufbrechen und den Vormittag für die Wanderung nutzen, nun bekomme ich aber ausgerechnet nur an dem Tag einen Termin in der Wunschwerkstatt für eine Spureinstellung, Schicksal!) - na wo war ich, achso ja, also es musste eine Ersatzplanung her.
Am Vortag hörte ich unterwegs im regionalen Radiosender einen Bericht über die sonntägliche Wiederbewirtschaftung der Stiefelhütte bei St. Ingbert. Der Stiefel ist eine regionale Sehenswürdigkeit, und da er in der Nähe meines Wohnortes zu Kindertagen liegt, häufig besucht worden. Aber ich war bestimmt schon - ähm - vierzig Jahre nicht mehr dort - erinnere mich schwach, mit meinem ersten Mann so mit Anfang 20 mal hochgegangen zu sein.
Und was wäre da noch in der Nähe? Da half mir das Baustellenschild "Neubau der Grumbachtalbrücke" auf die Sprünge: das Grumbachtal!Eine der schönsten Wohnlagen in Saarbrücken, ein schmales Tal, nur eine einzige Straße führt hinein, es gibt Wiesen und Wald und oft nur einseitige Bebauung, man könnte meinen, man wäre wer weiß wo aber nicht mehr im unmittelbaren Stadtgebiet! Auch da war ich öfter mit meinen Eltern als Kind unterwegs.
Beim Googeln fand ich: auch da gibt es eine Hütte! Ich wollte diese dann als zweite Tour an dem Sonntag zu Fuß erreichen, fand was mit "3,6 km" - was sich später als totaler Trugschluss erwies, aber dazu später mehr.
Auf der Suche nach dem Waldparkplatz in Sengscheid schnell fündig geworden:
und ich wusste, dass es zum Stiefel hoch auf schmalem Weg immer bergauf geht, gerade das wollte ich - Maps sagt: es sind ja doch am Ende nur 120 Höhenmeter, also nix wie rauf
meine Schwächen am Berg kenne ich zu gut, also lasse ich dieses flotte Pärchen vorbeimarschieren
an dieser Spitzkehre sieht man gut, dass man praktisch auf Sandsteinboden läuft
nach einigem Geschnaufe ist er plötzlich da, der uralte Stein, der angeblich wie ein umgedrehter Stiefel aussieht:
am löchrigen Fuß, der aus Sandstein besteht, hat die Erosion kräftig genagt
das härtere Felsenstück, das obenaufliegt, wie lange wird es da noch thronen und wo steht die Menschheit an dem Tag, wo der Fuß bröselt und der Stiefel zusammenbricht?
was ich nicht zu hoffen gewagt hatte: es gibt sogar ein wenig Aussicht!
leider ist der ganze Berg auch ein Eldorado für die Herrschaften Mountainbiker, man muss immer ein wenig auf der Hut sein, dieser hier ist mir wenigstens ausgewichen, und husch war er auch schon um die Kurve
obwohl ich mich geraume Zeit am Stiefelstein aufhielt, hatte mich das flotte Pärchen doch nicht unendlich weit abgehängt, da war ich recht zufrieden, die 11 Kilo weniger machen schon was aus, merke ich
und da ist die Hütte - allerdings verweile ich hier nicht, das Essenangebot (Wiener etc.) lockt mich überhaupt nicht und ich hab ja noch einen weiteren Plan
für den Rückweg wähle ich den langen, gewundenen Weg, der aber auch etwas langweiliger ist
überall Abzweige der PUR - der MB-Strecke, zuhause fand ich heraus, dass der Name für die 116-km-Strecke einfach darum "pur" lautet, weil es keine künstlichen Aufbauten gibt, die Wege sind alle Natur pur, aha
und hier an diesem wasserlosen Brunnen habe ich meine Rast inkl. des wandermäßigen Standard-Salats gemacht
als ich nochmals an eine der Stellen kam, wo ich hätte auf das Steilstück abbiegen können, entschied ich mich dagegen, weil ich mich ein wenig dafür fürchtete, bergab auf steilem Grund, da bin ich nicht so trittfest, wie ich es gerne wäre;
das sollte ich danach noch bitter bereuen: das letzte Stück führte über einen Betonweg, direkt neben der lauten Autobahn, durch die pralle Sonne und leicht ansteigend, oh ich hab vor mich hingejammert und gewünscht, ich wäre mutiger gewesen!
Nun war mein anschließender Plan folgender:
ins nahegelegene Grumbachtal fahren und von dort den Aufstieg zur Dorndorfhütte suchen, ich hab mir zwar komoot auf das neue Handy geladen, aber mein Passwort wurde nicht akzeptiert, nach mehreren Versuchen gab ich auf und wollte es "einfach so" finden, da müsste es doch Wegweiser geben oder?
Leider habe ich bei der Sucherei versäumt, Fotos vom schönen Tal und dem märchenhaft wirkenden Grumbachhof zu machen, da wo weiterfahren nicht erlaubt war, kehrte ich um und parkte am Wegesrand vor einer offenen Schranke, überlegend was ich jetzt tun solle, einfach diesen beschrankten Weg hochlaufen?
Da kam ein Auto dort herunter, am Steuer eine Frau, und sie hielt an. Ich ging zu ihr und fragte, ob sie den Weg zur Dorndorfhütte kennen würde, denn nirgendwo fand sich ein Hinweis.
Sie lachte und sagte, die hätte sie auch gesucht und wäre 13 (!) km mit dem Auto durch den Wald und auf der Höhenstraße gefahren - waaas??? Und welche Höhenstraße??? Nie davon gehört, dabei bin ich doch immer noch im unmittelbaren Stadtgebiet und nicht etwa irgendwo in der Pampa.
Sie meint, wenn die Schranke offen sei, dürfe man auch da hochfahren, laufen würde echt keinen Sinn machen, ich zögere kurz und starte dann auch in den Wald, ein Verbotsschild gibt es ja auch tatsächlich nicht.
Schon nach wenigen hundert Metern wird mir mulmig: wenn mir DA jetzt einer entgegenkommt! Weg zu schmal für 2, kein Ausweich, gewundener Waldweg, da rückwärts, nee ich geh kaputt...aber ich muss nun vorwärts und bete, dass da niemand runter will.
und dann endlich nach vielleicht 3 km komme ich auf die Höhe, freie Sicht auf Felder und Wiesen, ich staune Bauklötze, das gibt es doch nicht? Mitten im Stadtgebiet? Wieso wusste ich bisher nichts davon?
(und das nach all dem Ärger über den total entstellenden Spiegel-Bericht vonwegen "SaarBrooklyn" von letzter Woche...sowas von verleumderisch, mein armes Saarbrücken...aber das ist ja ein anderes Thema)
dann ein erster Hinweis:
und weiter auf schmaler Straße, beunruhigend ein mit weißer Farbe riesig auf den Weg gemalter Hinweis: LKW nur rückwärts reinfahren!
Und da bin ich dann angekommen, Idylle pur
der Boden war hier übrigens dicht bedeckt mit der "Watte" von Gespinstmotten, sah erst aus wie Schnee
An dieser Hütte habe ich mich sauwohl gefühlt, ich glaube, das kann in Zukunft eine Art Wald-Stammkneipe für mich werden.