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Gibt es das wirklich? Einen Wanderweg, der nirgendwo richtig beschrieben ist? So mit "Start hier" und "Ziel dort" und welche Wegmarkierung etc., was die alleinwandernde Frau gerne vorab hätte?
Wir haben heute Feiertag im Saarland (wie auch in einigen anderen Bundesländern), da es aber Regen- und Gewitterankündigungen gab, wollte ich keine Wanderung wagen.
Ich las aber im Veranstaltungsblättchen von einer Gruppenwanderung (nix für mich) auf dem "Panorama-Höhenweg Beckingen" - noch nie gehört von diesem Weg, das klingt doch mal interessant! - mh, ich bin wirklich gut im googeln, aber nirgendwo war eine detaillierte Wegbeschreibung zu finden, nicht bei outdooractive, nicht bei komoot (wo ich mich extra deswegen erstmals angemeldet hab) und auch sonst nur eine wenig aussagefähige Info auf Gemeinde Beckingen.
Start und Ziel dieses Weges und die Möglichkeit (ist ja kein Rundweg!), da evtl. mit dem Auto hinzufahren, zu wandern und dann mit ÖPNV zurück, das zu recherchieren, dazu war doch dieser Tag gerade richtig!
Ich suchte mir noch ein paar interessante Sehenswürdigkeiten am Wegesrand (ca. 33 km von zuhause weg) aus, damit ich einen lustigen Nachmittag verbringen könne.
Vorab gesagt: es gab kein Tröpfchen Regen - kein Gewitter ...aber was soll's.
Erstmal also Richtung Beckingen, da ließ ich mich an einer Ampel vom Weg abbringen, weil mir diese Schilder ins Auge sprangen! Hurra! Das ist die Idee! Der Weg heißt sicher gar nicht "Panorama-Höhenweg", sondern "Beckinger Saarblick", und darum konnte ich den nicht finden! Dachte ich...
Ich wollte auf den Parkplatz, aber nein, in meiner Richtung Verbotsschilder, also links schwenken und einmal rumfahren, nein, geht nicht, man muss rechts...so fuhr ich sage und schreibe 3 x die Runde vor dem alten Bahnhof herum, immer halb die Nase am Wegrand um zu erspähen, wo ein Wegehinweis ist! Nix!
Okay, also anders herum, so dass ich dann doch auf den Parkplatz kam, und zu Fuß los. Aber da sind ja direkt die Bahnschienen, keine Brücke, keine Unterführung in Sicht, wie soll das gehen bitte?
Ich biege ratlos zu den Schienen ein, und siehe da, entgegen der Richtung, die man als Autofahrer fahren muss (logisch! ne!), da steht ein Schild!
Ich schau mir das an, und nein, das ist leider doch ein anderer Weg, nicht der Panoramaweg...Mist
Okay, dann halt Navi auf Beckingen-Wendelinusstraße eingestellt, denn dort habe ich auf Maps das Fischerberghaus ausfindig gemacht, das in der obigen Beschreibung immerhin aufgeführt ist.
Auf einer immer schmäler werdenden Straße verlasse ich Saarfels, komme immer höher zwischen Wiesen und Weiden, es ist wunderschön hier. Ich bin überrascht, was sich hier für eine Landschaft verbirgt, wo der Industriestandort Dillingen nicht weit entfernt ist.
Ich fahre auf ein Wäldchen zu
und komme an diesem Ausflugslokal mit ausreichend Parkraum an
und dann endlich entdecke ich einen ersten Hinweis auf den Panoramaweg!
Von hier aus gehen aber auch noch mehrere andere Wanderwege ab, z.B. auch ein "Traumschleifchen"
Das Fischerberghaus ist echt eine Entdeckung, hier ist es ja traumhaft:
Klar, hier will ich einkehren - draußen keine Plätze im Schatten, ich gehe durchs Lokal in Richtung Sonnenschein, und super, da gibt es eine große Veranda mit extratoller Aussicht! Natürlich sieht man die Türme vom Dillinger Stahlbau, aber auch jede Menge Landschaft, auch den Bogen der Saar.
Ich setze mich und bestelle, links von mir ein älteres Paar, als ich in meinem Portemonnaie krame, in dem ich viele 1 und 2 Eurostücke habe wegen des "Waschelefanten" und dem Autostaubsauger, spricht die ältere Dame mich an mit "Sie hatten wohl eine gute Straße!".
Das hatte ich schon eeewig nicht mehr gehört! Meine alten Tanten sagten das auch immer, wenn jemand viel Kleingeld hatte - vonwegen, er ist Straßenmusikant oder Bettler und hatte eben eine gute Straße erwischt. Ich lache und erkläre und wir kommen schön ins Gespräch für geraume Zeit, über das Saarland, das Wandern, Saarbrücken usw.
Ich erfahre: sie ist bald 90, er 86, sie sind beide richtig appetitlich und ich hab meine Freude am Austausch mit ihnen. Als ich gehe, bekomme ich noch einen Wandertipp: ich soll mal in Siersburg an die Nied (ein kleiner Fluss) fahren, die wäre wunderschön, da noch natürlich und man könne dort super entlang des Wassers wandern. Merk ich mir mal!
Ich fahre wieder ins Tal hinunter, will nach Honzrath, mir die zahlreichen Felsenkeller anschauen
zuvor aber schwenke ich noch zum sog. Saar-Garten, der mehr ein Familien-Wiesen-Spielplatz-Garten ist, geschätzt 4 Fußballfelder groß, ganz okay soweit, nicht vergleichbar mit den Gärten ohne Grenzen, aber für einen sonnigen Nachmittag schön, wäre da nicht auf der einen Seite die Autobahn, auf der anderen die Landstraße
In Honzrath, wo ich ja eigentlich nur die Felsenkeller suchte, stieß ich dann per Zufall auf einen weiteren Panoramaweg-Hinweis, der von da aber im Sande verläuft...
In die Sandsteinwand hineingehauen Kühlschränke früherer Zeiten, möglicherweise schon Jahrhundert alt - es gab früher 140, jetzt sind es immerhin noch 100
1944/45 dienten diejenigen Keller, deren Eingang nicht in Richtung des Artilleriebeschusses lag, Teilen der Bevölkerung als Schutz.
Ich gurke von hier aus mal noch auf das nächste Hochplateau, und entdecke diesen Hinweis, Saarblick? Muss ich sehen!
Ein winziger Zuweg, kein Parkplatz, eine geschlossene Hütte, aber extra so eine erhöhte Plattform für besseren Ausblick
hier müsste man mal Sonnenaufgang beobachten
Ich denke spontan: ich will Frühling, Sommer und Herbst in dieser Hütte verbringen! Noch paar Blumen rundum, wunderbar, die wenig befahrene Höhenstraße nicht weit entfernt, ideal für mich!
Okay, man muss halt auch was in Kauf nehmen 😎😎😎
Mal schauen, wann ich hier wieder hinkomme um zu wandern
NACHTRAG:
Eben den Beitrag fertiggestellt, da schaue ich doch mal, was es mit dieser Hütte auf sich hat und finde dies hier - ich muss zwar am Samstag arbeiten, aber das könnte mich noch locken!
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Heute war ich wie schon gestern "mutig" zu einer geführten Wanderung, was in diesem Falle auch sinnvoll war, denn ich bin keine Orchideenkennerin, und die Tour war auch prima, da gab es nichts zu meckern.
Start war um 13.30 Uhr und am Startpunkt zurück waren wir um 17 Uhr, wieviel km das waren, weiß ich nicht.
Es war schwül, es war heiß, bei den Aufstiegen hatte man das Gefühl, egal wie man einatmete, einfach nicht genug Sauerstoff in die Lunge zu bekommen.
Aber immer noch besser als Regen, nicht wahr!
Ich war rechtzeitig abgefahren, in die entgegengesetzte Richtung nach Frankreich wie gestern, eigentlich nur 28 km, aber dann gab es bei Habkirchen eine Riesenumleitung! Ich kam so eine Viertelstunde zu spät und hechtete der ca. 20köpfigen Gruppe hinterher, die gerade losgegangen war.
Der Bliesgau ist eine wundervolle saarländische Wiesen-Wald-Hügellandschaft, auch Toskana des Saarlands genannt und ein sogenanntes Biosphärenreservat.
Zuständig ist für das Gebiet ist auch hier der orginelle Naturwacht-Ranger Herr Keßler, mit dem ich mal 2 unterhaltsame Führungen mitgemacht hatte, eine naturkundliche und eine Biberwanderung.
Die Führung heute hat er aber nicht gemacht, das war jemand von Geographie ohne Grenzen, auch sehr gut und ich habe so viel gesehen und gelernt, davon kann ich nur einen Abriss geben.
Eigentlich sollte man alleine gar nicht in dieses Orchideengebiet, und Führungen müssen angemeldet werden, wenn man sich aber anständig benimmt, wird es kein Problem geben. Aber wir sehen später doch einen Haufen Idioten...aber dazu komme ich noch.
Erster Halt war an einer sog. Fettwiese, so ein Boden ist nichts für Orchideen, sie brauchen Magerwiesen, aber das hohe Gras der Fettwiesen ist auch wichtig für Bodenbrüter und viele Insekten.
Man zeigt uns die wie graue Haare in den Büschen hängenden Gewebe der Gespinstmotten, innendrin bewegen sich munter die lebenden Würmchen! Ist mir noch niemals aufgefallen...eine Teilnehmerin fragt, ob das den Pflanzen schadet: nein, tut es nicht!
Dann kommen wir an den Zugang zum Orchideengebiet mit einigen Schautafeln, wir hören, dass es jetzt für die angezeigten Schmetterlinge noch zu früh ist, ihre Zeit ist mehr der Juli, dann könne man hier hunderte "Schachbretter" auf den Wiesen sehen. Ich merke mir das mal...
Viele dunkellila Wiesenblumen sehen wir, aber das ist noch keine Orchidee, sondern der Wiesensalbei, er wird uns zusammen mit Margeriten den ganzen Weg begleiten.
Die erste Orchidee, die wir von weitem sehen, wir wollen ja nicht in der Wiese herumtrampeln, ist allerdings ein Orchideenhybrid, d.h. da haben sich zwei Orchideenarten vermischt - und der Orchideenkenner lässt sie links liegen 😎
Dann die erste echte Orchidee, eine Pyramiden-Orchidee!
Und kurz darauf die zweite, wir sprechen aus, die ist ja verblüht, aber nein, die ist so! Wenn man genauer schaut: ja, sie steht in voller Blüte und heißt Bocks-Riemenzunge. Alles knipst.
Zum Teil ist es so grellhell, dass ich auf meinem Display überhaupt nicht erkennen kann, ob meine Fotos was geworden sind! Und manche sind auch nix, leider.
Wir haben etwas Höhe gutgemacht und blicken auf Herbitzheim und darüber der "alte Kirchheimer Hof", der einen Besuch wert wäre, wie ich erfahre. Kommt auch auf meine Liste.
Wir biegen nach links ab, es geht einen Hang entlang, der mit auffälligen Steinmauern durchsetzt ist, zwischendrin immer wieder kleine Treppenaufgänge: ein ehemaliger Weinberg! Die Lage ideal, volle Sonne, Kalkstein, aber die Reblaus hat hier um 1900 alles vernichtet.
Wir streben aus der Hitze dem Wald zu und atmen auf. Und lernen, dass es auch Wald-Orchideenarten gibt, aber eine davon sehen wir erst später.
Wir machen einen Abstecher in Richtung eines Hochmoores, dem "Kalkquellsumpf".
Zuvor kommen wir an einer Bank mit diesem Kurbelding vorbei, wo man sich von verschiedenen Tierarten die Stimmen vorspielen lassen kann, man muss nur ordentlich kurbeln, jetzt weiß ich auch, wie sich ein Grünspecht anhört: lachend!
Wir finden eine weitere Orchidee: eine Hummelragwurz
Dann kommt das Hochmoor, das ein staunasser Quellensumpf ist, und wir sind geschockt: obwohl das von einem massiven Holzgeländer eingezäunt ist, trampeln dort "Naturliebhaber" herum - unglaublich! Sowas sollte 10.000 Euro Strafe kosten...und vielleicht ein paar Schläge auf den Hinterkopf..
Wir schauen böse, aber sie lassen sich nicht beeindrucken.
Wir schauen uns Wollgras - das man früher aus Armut auch zum Stopfen von Kissen verwendete - aus einigen Metern Entfernung an, direkt hinter dem Geländer wächst Kuckuckslichtnelke, eine Wiesenblume, keine Orchidee.
Im weiteren Wegverlauf treffen wir auf mehrere Purpurorchideen,
sowie auf eine unscheinbare Orchidee, die aber gleich zwei auffällige Namen trägt: "Ohnhorn", im Volksmund auch "Hängender Mensch" genannt, weil die Blüte von ganz nah betrachtet tatsächlich wie ein Mensch mit langen, herunterhängenden Armen aussieht.
Und mein Foto ging leider völlig daneben, bloß verwischtes Grün, darum ein "Orchidee Hängender Mensch"
Dann folgt am nächsten Waldrand wieder eine sehr unauffällige Orchidee, die wir alle nicht gesehen hätten, wären wir nicht darauf hingewiesen worden, und selbst dann musste man genau schauen: Das Zweiblatt, eine grüne Orchidee.
Nach einem kleinen hochwillkommenen schattigen Waldstück geht es wieder über offene Wiesen durch die Schwüle, und auch bergauf, oben Rast der Gruppe an einer Bank mit schönem Blick, ein Rotmilan fliegt über uns hinweg, ich erwische kein Foto von ihm.
Aber dafür die Orchidee "Bienenragwurz", mein Foto *räusper*
Dafür dann aber, nach Abstieg und an einem Waldrand: Die Orchidee des Jahres 2017! Das "Kleine Waldvögelein", gleich in mehrfacher Ausfertigung links und rechts des Weges. Mein Foto leider schwach..
Von dieser Bank aus, die mich lockt zu einigen einsamen Minuten, sind es etwa 2 km bis zum Wegende, wie ich erfahre
ich erkundigte mich danach und gebe Bescheid, dass ich zurückbleibe, weil ich eigentlich noch ein wenig für mich sein will in der Natur und gehe den Rest des Weges dann für mich.
Das hat insgesamt richtig Spaß gemacht! Nur weniger schwül hätte es sein dürfen.