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Dienstag, 2. Juni 2020

Halde Lydia am 29. Mai 2020

[Dieser Beitrag enthält Werbung durch Firmenerwähnung und  indirekte Firmenerwähnung, Fotos und Produktnennung, die ohne Auftrag, ohne Sponsoring, ohne Vergünstigung und ohne Bezahlung erfolgt]

Die Halde Grühlingstraße zu begehen war ja schon wunderschön, aber sie ist wohl fast nur ein "Pickel" gegenüber der Halde Lydia, die ganz andere Dimensionen hat.

Bei der Halde Grühlingstraße ist ein kleiner Minuspunkt (der aber durch die 360-Grad-Rundumsicht aufgewogen wird), dass man die nahegelegene Autobahn hört, die Lydia ist allerdings so groß, dass sie eine total stille Seite hat, auf der man sich wie alleine auf der Welt fühlen kann.

Dazu zuerst mal ein paar Fakten:

- an ihrer Basis übergreift sie eine Fläche von 100 Fußballfeldern, nämlich 660.000 m², Höhe bis zu 120 Meter

- sie wurde zunächst als 2 Kegel angelegt und später dann auch der Zwischenraum verfüllt zwischen 1979 und 1982, sodass ein Tafelberg entstand. Die Fläche obendrauf umfasst satte 17 Fußballfelder und man kann gar nicht von einer auf die andere Seite schauen, da sie so eine große Ausdehung hat und da es bucklige Aufschüttungen gibt

- 2005 wurde diese Riesenfläche von 2 Landschaftsarchitekten gestaltet, und ihr Ziel war nicht, eine Pseudo-Natur anzulegen, sondern sie wollten eine Art mystischen Garten schaffen.

- dazu wurden in der Mitte drei Senken angelegt und mit Lehmschichten verfüllt, damit Regenwasser nicht mehr in den Schlacken versickern kann, daraus entstanden belebte Biotope, und sie wurden "Himmelsspiegel" genannt.

- warum heißt die Halde überhaupt Lydia? Weil 1924 die Frau des damaligen Grubendirektors so hieß und ein Wetterschacht nach ihr benannt wurde, das hatte man auf die Halde übertragen.


Dies ist nochmal ein fotografierter Zeitungsausschnitt mit einer Drohnenansicht, gut zu erkennen die 3 Himmelsspiegel



Noch ein Kuriosum besonderer Art, bevor ich auf den Weg an sich eingehe:

im Januar dieses Jahr steht in der Zeitung, warum derzeit die Halde nur von der einen Seite begehbar ist, und das gründet auf Folgendem:

Die Halde soll aus der sogenannten Bergaufsicht (d.h. die Grube wird nicht mehr zuständig sein) "entlassen", dazu darf aber von der Halde keinerlei Gefahr ausgehen (welche? Wird nicht präzisiert), sie ist so wie sie jetzt ist zu steil und muss verflacht werden, daran wird an der einen Flanke bereits seit 2 Jahren gearbeitet (davon war bei meinem Gang nichts zu sehen oder zu hören, zum Glück), und dazu müssen paradoxerweise alle Bäume, die sich hier bereits angesiedelt hatten, gefällt und entfernt werden!
Okay, es gibt Ausgleichsmaßnahmen an anderen Stellen (nicht an der Halde selbst), trotzdem finde ich das traurig und ich hoffe, die Bäume auf der Seite, wo ich hochging, dürfen bleiben.

Schlimm: ab Frühsommer 2020 wird die Halde darum für 3 Jahre (!) nicht mehr begehbar sein!

Nun starte ich aber mal, und zwar am Waldeingang wenige Meter hinter dem ADAC Verkehrsübungsplatz. Das Schild hier steht da praktisch nur pro forma, damit die Grube aus der Haftung raus ist. Dasselbe steht auch an Teilstücken am Fuß- und Radweg an der Saar, da kümmert sich seit Generationen niemand drum :-)


Schon nach wenigen Metern kann ich einen Hubbel in der Ferne entdecken, gut schon mal




Pfade liebe ich



Das dürfte ein Gartenlaubkäfer sein






Auch die Herrschaften mit dem Edding haben hierher gefunden...


Ich hoffe, dieses schmale steile Dings ist nicht der Weg!



Nein, es gibt auch einen gut zu gehenden Schotterweg




Dieser Weg führt auf der stillen Seite hoch, unter mir breitet sich der sogenannte Saarkohlenwald aus, ein grünes Meer, seinen Namen trägt er, weil er annähernd der Ausdehnung des erdgeschichtlichen Karbons im Saarland entspricht. Er ist mit 61 km² das größte zusammenhängende Waldgebiet im Saarland.






Nein! Bitte jetzt keine Sperre durch einen Bauzaun kurz vor Erreichen des Plateaus!


Zum Glück nur eine Sperre wegen unsicherem Abhang


Gipfelkreuz!






Hier sind Mountainbiker aktiv, ich war allerdings zum Glück total alleine


Extra angelegte "Biker-Hubbel"




Nun bin ich auf der "lauten" Seite mit Blick auf Dudweiler angelangt



Ob diese weiße Schicht Salz ist? Es könnte der Überrest des dritten und kleinsten Teiches sein..


Amphibienzäune in der Umgegend um die Teiche herum



dies ist die Seite, an der herumgebuddelt wird, unten an der Basis, von hier nicht einsehbar


Wirklich spiegelt sich der Himmel , ein schönes Bild und lädt zum Verweilen ein, die Wolken ziehen über die Wasserfläche


Dieses Bild und dieser Platz neben dem Schilf hat es mir besonders angetan - ich stehe da und höre, die wie Schilfblätter sich leise im Wind aneinander reiben, wie es wogt und sich biegt, und rundum diese grauschwarze Mondlandschaft, einzigartig
ich verrate: als Einschlafbild ist diese Situation derzeit mein Favorit :-)






ob diese krausen "Holzdämme" Gestaltungselemente der Herren Landschaftsarchitekten sind? Oder provisorische Krötenzäune? Sie ziehen sich in Bögen über die ganze Halde




Am Ende genieße ich noch eine Zeitlang auf der Sinnenbank, dass die Halde mir ganz elitär zur Verfügung steht
































Donnerstag, 28. Mai 2020

Halde Grühlingstraße "Der Elefant an der Autobahn" - erster und zweiter Versuch - war voll die Mühe wert!

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1. Versuch (gescheitert, aus 3,5 km wurden 10 und mehr...)

Diese fantastische Aufnahme (ganz offenbar von einer Drohne gemacht, denn sonst sieht man die Halde so nicht, bloß gerade mal knapp das Gipfelkreuz), betitelt mit "Der Elefant an der Autobahn", hat mich inspiriert, das in diesem Urlaub in Angriff zu nehmen. Die Entfernung ist ja nicht das Problem, das Problem ist das Finden des Zugangs!

In keinem Artikel und auf keiner Website steht, wie man durch den Wald dorthin gelangt, ich habe darum über Google Maps, wo sie unter der Bezeichung "Halde Grühlingstraße" zu finden ist, einen Weg hinter dem Ortsteil Rußhütte ausfindig gemacht und am 24. Mai losgegangen, laut der Karte sollte es etwa nur 1,7 km zur Halde sein
(dieses Bild habe ich aus der Zeitung abfotografiert)


hier war ich schon mal … während des Stadtrundwegs Saarbrücken war das eine Etappe, gegenüber sollte es dann in den Wald gehen


ein miefender Bach … ich sagte mir, das könne ja gut sein, denn aus dem Abraumgestein der Bergehalde kann ja durchaus miefiges Sickerwasser kommen, ich fühlte mich auf dem rechten Weg


ha! Das könnte doch gut ein Symbol für einen Weg zu einer Halde sein! Allerdings wurde ich über die Bildersuche auch mit Eingabe von diversen Schlagwörtern nicht fündig, also einfach weiter, das Symbol kam allerdings nur dieses eine einzige Mal!


Es geht immer tiefer in den Wald, Himmel wo bin ich denn?? Weit und breit nichts von einer Halde zu sehen!


Ich stehe mitten im Wald als ich erneut einen Versuch mit der App Komoot mache … an der ich schon mal gescheitert bin.
Erstmal runterladen, dauert lange hier, kein gutes Netz - zack, ich hab sie. Aber sie verlangt meine Anmeldedaten, aber ich weiß die nicht mehr. Also "Passwort vergessen" - und mail an eine meiner Mailadressen...von der ich aber nicht genau weiß, welches PW ich dafür vergeben hatte (ich mache das immer nur am PC, ist nicht im Handy gespeichert). Endlich kann ich mich einloggen, melde mich dann bei komoot an und suche "Halde Grühlingstraße" - aber was Google Maps kennt, kennt komoot noch lange nicht, es gibt mir nur diverse "Frühlingstraßen" in anderen Bundesländern an...na gut, also einfach mal tapfer weitergehen.

Da kommt mir wie gerufen eine junge Frau mit Hund entgegen! Ich spreche sie an ob sie weiß, wie ich zur Halde komme. Sie schildert mir den Weg, einmal links, und an der nächsten Kreuzung wieder links.

Also weiter, gefühlt 2-3 km später (ich sehe immer noch keine Halde) kommt sie mir doch glatt nochmal entgegen!!!

"Bin ich verkehrt gelaufen?" "Nein, sie sind schon richtig, ich bin halt eine Schleife gegangen, von hier aus nun noch ca. 2 km immer geradeaus, dann kommen sie an den ADAC Verkehrsübungsplatz".

Ich stapfe etwas mutlos weiter, da fällt es mir im Nachhinein wie Schuppen von den Augen! Sie meinte nicht die Halde Grühlingstraße, sondern die Halde Lydia bei Quierschied! Oh mein Gott...ich bin sauweit weg von da wo ich hinwollte, aber was soll ich tun, ich tappe weiter bis zum ADAC (der halt weitab von der Zivilisation liegt) und hocke mich dort auf ein Mäuerchen, und mache einen erneuten Versuch, über Komoot einen kürzeren Waldweg zurück an mein Auto zu finden, nix, ich werde (auch von Maps) immer nur auf die L127 verwiesen, satte 4,5 km von hier entfernt!
Ich hoffe darauf, dass es von da einen seitlichen Abzweig auf einen Waldweg gibt, aber mitnichten...ich laufe in der Sonne Richtung Süden (abend Sonnenbrand auf Nase) immer an dieser Landstraße entlang und meine Gelenke freuen sich...und die Motorradfahrer, die mir entgegen brausen...keine schöne Sache - zwischendrin kleine Pause am Netzbachweiher und der Versuch jemanden zu erreichen, der mich vielleicht abholen kann - Fehlschlag.





Ich hab danach 2 Tage Muskelkater...aber immerhin, ich weiß nun, dass ich sogar gute 10 km, davon die Hälfte auf Asphalt, nochmal laufen kann! Ist ja auch was wert..

2. Versuch (voll gelungen!)

Zuhause am PC beschäftige ich mich erst Mal wieder mit komoot. Ich finde dann tatsächlich über Ausfindigmachen der GPS-Daten über Maps einen Weg! Und der ist tatsächlich kurz! Ich speichere den ab in komoot.

Allerdings muss ich einen ganz anderen Startpunkt wählen, und zwar in der Alten Bergstraße in Rußhütte, die zu meinem leisen Erschrecken suuupersteil ist! Steile Straßen hinaufzufahren machte mir schon als Kind auf dem Rücksitz Angst (das Auto könnte sich nach hinten überschlagen), diese Angst bin ich nie losgeworden und wer dabei gewesen wäre, hätte mich im Auto jammern hören können.
Zum Unglück war dann dort auch keinerlei Parkmöglichkeit, und ich musst es rückwärts in eine Einfahrt laufen lassen zum Drehen, und stand für einen Moment waagerecht am steilen Berg mit dem sicheren Gefühl, die Karre legt sich gleich wie beim Elchtest auf die Seite und dann geht's holterdipolter bergab.
Darum fahre ich wieder nach unten und gehe dann zu Fuß hoch, uiii, die Beine!
Aber hier ist es echt schön! Hätte ich gar nicht gedacht bei dem hässlichen Ortsnamen Rußhütte!

(wie immer sieht man nicht, WIE schrecklich steil das hier ist! Ist es aber!)


Mittels komoot laufe ich dann die ca. 1,5 km, bis tatsächlich aus dem Wald der Elefantenbuckel auftaucht!
Die Landschaft hier erinnert mich glatt an solche Urzeitlandschaften wie in dem Gondwana-Park! Sieht irgendwie surreal aus, und dieser "Teich" ist kupferrot! Ob von Algen oder etwas Giftigem, keine Ahnung, immerhin düsen aber Libellen herum



Und nun bin ich wohl wirklich endlich richtig!

Etwa 150 Meter weiter kommt dann dies, und ich zweifele, ob das wirklich der Fußweg sein kann, denn ich las was von 12 Stufen, an denen sogar Gedichtsprüche stehen sollen, hier sieht man aber keine, und ob das wohl nicht bloß so ein Trail für wildgewordene Biker ist und die kommen mir da herdenweise entgegengerast? Denn das hier ist auch wirklich viel steiler, als es den Anschein auf dem Foto hat!


Zudem sagt komoot unvermittelt (in etwa wie folgt): "Die Streckenführung wurde geändert, kehren Sie um" - Hä? Nee bitte nicht schon wieder in die Irre laufen...
Ich betrete doch mal versuchsweise diesen Abhang


Und da! Die Stufen sind nicht wirklich Stufen, sondern quer eingelassene Metallbänder, auf denen dann auch die erwähnten Gedichtzeilen stehen, ich bin endlich richtig!





Etwas gespenstisch, dass man durch diese Wölbungen des Elefantenbuckels keinen Blick zu Tal hat und auch nicht weiß, wie es dahinter nach unten geht...immer schön auf dem Weg bleiben


Und dann bin ich hin und weg und alles hat sich gelohnt! Ein 360-Grad ungestörter Fernblick, einfach wow! Ich turne begeistert auf dieser Holzplattform mit dem Gipfelkreuz drauf herum und kann mich nicht bremsen, zig Fotos zu machen, das muss jetzt hier rein ;-)









Erstaunlich, dass die Birken bis ganz oben hier Halt und Nahrung finden, wo es gar keinen Humus gibt, und das Regenwasser in diesen Rinnen abläuft, die man auch gut auf dem Zeitungsfoto erkennen kann - das wäre eine tolle kleine Wanderung auch mit kleineren Kindern, mit so einem spektakulären Highlight! Wenn ich mal Enkel haben sollte...


Nun habe ich Blut geleckt und werde mich dransetzen, auch den Zugang zur Halde Lydia, die noch größer ist und obendrauf zwei kleine Teiche hat, zu finden, vielleicht sogar in den nächsten Tagen!

Warum allerdings komoot mich am Fuß des korrekten Zugangs zurückschicken wollte, obwohl die blaue Linie ganz eindeutig dort hochlief, das weiß auch nur der Geier...