Treffpunkt war in Bliesdalheim an der
Brücke über die Blies, gegenüber vom Ranger-Auto diese Infotafel:
Wir sind eine Gruppe von vielleicht 25
Personen, die kleine Wanderung beginnt auf dem Radweg, der parallel
zur Blies verläuft, nach wenigen Metern allerdings (es hätte mich
ja auch gewundert, wenn es „zivilisiert“ weitergegangen wäre :-)
schwenkt der Ranger nach links auf eine Wiese in Richtung Blies, und
von da in ein kleines Wäldchen, wo unser erster Halt ist, wir stehen
zwischen hohen Bäumen, die mit Efeu bewachsen sind.
Wir hören interessante Informationen
über Biber und das Biosphärenreservat Bliesgau, ich kann diese
natürlich nicht alle wiedergeben, hängengeblieben ist, dass Herr
Keßler als Ranger ein Gebiet von 38-40.000 Hektar betreut, was ja
wirklich enorm ist.
1999 wurden durch den Nabu
(Naturschutzbund) die ersten Biber an der Blies ausgewildert. Das ist
nun 22 Jahre her und mittlerweile leben an der Blies 80 Tiere, im
gesamten Saarland etwa 600.
Hier frage ich Herrn Keßler auch, ob
er auch dieses Mal wie bei der letzten Exkursion ständig und
überraschend Anschauungsmaterial aus rätselhaften Quellen
hervorzaubern wird, denn er trägt weder Tasche noch Rucksack, wie
schon bei der naturkundlichen Wanderung Mitte Oktober …. ich soll
mal abwarten.....
Es geht ein kleines Stück weiter
querfeldein
bis zu einem alten Apfelbaum, auch in Ufernähe (wir
halten uns sowieso natürlich die ganze Zeit über nahe der Blies,
die sehr ruhig dahinfließt, auf), dieser ist zum Schutz gegen den
Biber mit Sackleinen und Schnur umwickelt.
Wir werden aufgefordert, uns mal
umzudrehen – und Überraschung, dort steht ein Baum, für den diese
Maßnahme allerdings zu spät kommt, er hat schon die „Sanduhrform“
und ist rundum benagt.
Hier an dieser Stelle wird auch mit
meinem ersten Irrtum über die Gründe, warum Biber an Bäumen nagen,
aufgeräumt: ich glaubte bisher, sie täten das, um Dämme und Burgen
zu bauen, aber nein, das wäre an einem Fluß wie der Blies, der tief
genug ist für die Baubedürfnisse der Biber, gar nicht nötig, nein,
sie wollen an das Obst, das auf den Bäumen wächst, so fällen sie
die Bäume und „ernten“ dann.
Die reinen Pflanzenfresser nehmen aber
auch gerne die Blätter und Triebe der Bäume und fressen auch mal
komplette Äste, aber auch Gras und krautige Pflanzen.
Übrigens haben die Baumbesitzer keine
Regreßansprüche bei beschädigten Bäumen (ist halt so, wie wenn die Amseln die Kirschen fressen).
Herr Keßler lässt ein Foto vom
Staudamm eines einzelnen, am Rohrbach lebenden Bibers herumgehen. An der Blies, wie gesagt, müssen die Biber nicht stauen oder bauen.
Es geht nun wieder zurück Richtung
Brücke und dann zwischen Radweg und Flussufer bis zum nächsten
„Infostopp“. Wir erhalten eine kleine Ortskunde, z.B. war dort,
wo heute der Radweg verläuft, eine Bahnlinie, und dahinter stehen
die Häuser der Hauptstraße, deren Gärten zum Flussufer hin waren
durch die Bahnlinie geteilt, heute sind diese Gärten verwildert bzw.
brachgefallen.
Wir staksen nach rechts ins Gebüsch,
es geht im Gänsemarsch, weil der „Weg“ schmal ist, wir kommen zu
einem ersten vom Biber gefällten Baum.
Und wie sollte es anders sein, MK
zaubert ein Bibergebiss hervor sowie ein Glas mit zwei Biberzähnen,
die bei den Teilnehmern rundgehen dürfen.
So hat man wirklich einen Eindruck, mit
welchem Werkzeug sozusagen der Biber arbeitet.
Ein Kind bekommt ein Beil und darf
versuchen, von dem gefällten Baum einen Span abzuhaken, was nur mit
Mühe gelingt und die Leistung dieses Tiers verdeutlicht. Die Zähne
des Bibers wachsen immer wieder nach.
Feinde des Bibers sind vor allem der
Straßenverkehr, aber auch z.B. Hochwasser, wenn Jungtiere im Bau
ertrinken.
Biber sind monogam und können 10 bis
17 Jahre alt werden.
Wir erfahren nun weiter an dieser
Stelle, dass die Biber früher nicht nur wegen ihres Fells, sondern
auch als Fastenspeise gejagt wurden, denn die Klöster legten fest,
wer wie der Biber im Wasser lebt und schwimmt, der kann ja kein Tier
sein, sondern wurde einfach als Fisch deklariert und verzehrt.
Ein Biber-Kochrezept macht die Runde.
Wenn ein Biber aus dem Wasser steigt,
ist er sofort wieder trocken, denn er besitzt eine Drüse, mit der er
sein Fell wasserabweisend einfettet, und auch wegen dieses Sekrets, dem sogenannten Bibergeil,
dem man Heilwirkung nachsagte, wurde er verfolgt.
Es geht nun weiter durch Gestrüpp auf
einem Trampelpfad, wir sehen mehrere sogenannte Biberrutschen, das
sind Stellen, an denen der Biber aus dem Wasser kommt.
Wir bleiben an riesigen, dicken
Schwarzpappeln stehen, die stark mit Efeu bewachsen sind, wie MK uns
erläutert, schadet der Efeu ihnen jedoch nicht, da er die Bäume
lediglich als Klettergerüst benutzt, nur wenn er die Baumkrone
verschattet, beeinträchtigt er den Baum.
Der Baum auf diesen Fotos ist etwa 100
Jahre alt, er stand also wohl schon vor oder zu Zeiten des 1.
Weltkrieges hier.
Wir gehen weiter und sehen auch noch
mehr Nagestellen des Bibers,
treten dann auf eine Wiese, wo ein
einzeln stehender Baum ein wirklich beeindruckendes Beispiel für
Biberaktivität abgibt.
Und da es äußerst unwahrscheinlich
ist, dass wir bei einer solch großen Gruppe einen lebenden Biber
antreffen werden, wer hätte es nicht geahnt? Hat MK natürlich auch
einen Ausstellungsbiber parat, wo er diesen hergeholt hat, wird an
dieser Stelle nicht verraten ;-)
Wir dürfen das überraschend weiche
Fell des Bibers streicheln, er hat übrigens pro Quadratzentimeter
12-14.000 Haare, am Bauch sogar bis zu 20.000 – während wir
Menschen lediglich 500 pro Quadratzentimeter aufzuweisen haben.
In dem breiten Schwanz kann er übrigens
im Sommer Fett speichern als Wintervorrat.
Und beim Tauchen (2-3 Minuten, im
Extremfall auch bis zu 20 Minuten) kann er die Augen offenlassen, da
er eine Nickhaut besitzt – also quasi immer mit einer Taucherbrille
ausgerüstet ist.
Hier ein schöner, herbstlich gelber Spitzahorn und eine Herbstimpression:
Wir machen wieder einen Infostopp und
staunen über das Foto eines „Bibers in Rage“, dieser hatte einen
Baum gefällt, aber er blieb mit der Krone in einem anderen Baum
hängen, und so waren Früchte und Blätter unerreichbar, das muss
den Biber offenbar in rasende Wut versetzt haben, wie man hier
unschwer erkennen kann, er hat gehaust wie ein Berserker, bei dem Anblick muss man allerdings doch etwas grinsen:
Außerdem eine grafische Darstellung einer Biberburg (eine solche sollen wir zumindest von oben betrachtet (anders ist es ja nicht möglich) später noch in Natura sehen
Es geht weiter querfeldein, im Sommer
wäre hier schon alleine aufgrund der Brennesseln kein Durchkommen - und auch hier leider überall der invasive Neophyt "drüsiges Springkraut", dem ich auf meinen Wanderung seit einiger Zeit auch überall dort begegne, wo es feucht ist, damit müssen wir uns wohl leider abfinden:
Erneuter Halt am Bliesufer, Blick auf
Totholz am gegenüberliegenden Ufer, diese Schwarzpappel war bei
einem Sturm in den neunziger Jahren abgebrochen, früher wäre er
radikal gefällt worden, heute bietet er vielen Tieren Unterschlupf
und kann u.a. als „Spechtübungsplatz“ dienen.
Und warum eigentlich ist der Biber so
wichtig? Weil er ein Landschaftsgestalter ist, er ermöglicht anderen
Tierarten und vielen Pflanzenarten die Ausbreitung, er schafft
Laichhabitate etc. und ist ein Wegbereiter in Auen- und
Flusslandschaften.
Und hier blicken wir auf das Zuhause des hiesigen Bibers, zwar unscheinbar, aber doch imposant, was das Tier da angehäuft hat, und das ist ja nur der sichtbare Teil:
Fast am Ende der Exkursion horcht MK
auf und weist uns, die wir in seiner Nähe unterwegs sind, darauf
hin, dass man Kraniche hören kann.
Und fast wie bestellt sehen wir dann
quasi als Dessert zu all den bisherigen Eindrücken noch mehrere
Zugketten von Hunderten von Kranichen zwischen den Baumkronen
vorbeiziehen!
(sorry, besser sind mir die Bilder davon nicht gelungen, es fing ja auch schon an zu dämmern, aber zeigen wollte ich sie doch)
Ein gelungener Abschluss dieser wieder
hochinteressanten Exkursion und ein dickes Dankeschön an die wie
immer mit Humor und Überraschungen gespickten Erläuterungen des
Naturwacht-Rangers!