Tja, warum habe ich Wochen Anlauf benötigt, um endlich diesen Beitrag zu schreiben?
Mit der schönen Stadt Dresden hat es nichts zu tun, Dresden kann nichts dafür - aber die ganze Reise war für mich eine Ansammlung von Frust, Missgeschicken, Schmerzen und allem Möglichen, das schief ging.
Teils meine eigene Schuld, teils auch irgendwie Schicksal. Weiß der Geier. Es war jedenfalls der Wurm drin.
Eigentlich hatte ich mich das ganze Jahr auf die Fahrt gefreut, die ich schon 2018 im Mai gebucht hatte, ich war wenige Wochen davor zum ersten Mal in DD gewesen, meine Scrapfreundinnen treffen, und das obwohl ich mich schwer tat mit meiner versiegten Kreativität, so hatte ich damals an den Tagen, wo ich mit ihnen in der Jugendherberge schöpferisch tätig war, viel Spaß und schaffte sogar mehrere Layouts, mit denen ich auch froh und zufrieden war. Um dann ein komplettes Jahr gar nichts mehr zu tun.
Ich schätzte aber, sobald ich wieder mit ihnen zusammen bin in dieser Atmosphäre geballter Lust am Tun, würde es mich auch wieder packen.
Dem war nicht so. Ich quälte mich. Von Donnerstag bis Samstag hoffte ich immer noch, es käme Schwung in meine Schaffenslust. Aber: nein. Null.
Daher nahm ich mir samstags ein Herz und sagte der Gruppe, dass ich aufhöre, und dass ich ab sofort aufbreche zum Sightseeing, für das ich eigentlich den Sonntag plus 2 weitere Tage vorgesehen hatte.
Die ganze Misere dieser Fahrt begann schon auf der Hinreise (das ist der Teil mit meiner eigenen Schuld).
Auf dem Bahnhof in Frankfurt war Umstieg, aber mit 20 Minuten Zeit. Kein Problem.
Aber dann hatte der Zug angekündigte 20 Minuten Verspätung. Auch kein Problem. Ich hab ja keinen Termin einzuhalten.
Um meine müden Gelenke etwas in Schwung zu bringen, lief ich also viele Runden auf dem Bahnsteig, immer meinen Rollkoffer hinter mir herziehend.
Dann plötzlich wie aus dem Nichts, fuhr der Zug ein! Vonwegen 20 Minuten Verspätung! Zack war er da!
Allgemeine Hektik brach aus, Leute quollen aus den Türen (die es auch eilig hatten wahrscheinlich wegen Anschlusszügen) - und mir fiel plötzlich nicht mehr meine Sitzplatznummer ein! Vor dem richtigen Wagen stand ich zwar dank dem Plan, aber wohin da drin?
Da ich mit meiner Fernbrille nicht lesen kann, hängte ich sie - so wie ich das immer tue - an den Ausschnitt meines T-Shirts und schaute schnell nochmal auf meine fix herausgekramten Reservierungsdaten.
Alles klar, schnell einsteigen. Ich hatte einen Tischplatz gebucht, Fensterplatz.
Nachdem ich mich auf den Sitz plumpsen ließ, griff ich gewohnheitsmäßig an meinen Ausschnitt nach der Brille.
Nicht da. Hm. Also Tasche und Rucksack durchwühlen, nix.
Ich bitte die anderen 3 Passagiere: "Könnten bitte so lieb sein, alle mal kurz aufstehen? Ich fürchte, mir ist meine Brille hier auf den Boden gefallen!"
Die Frau mir gegenüber ruft aus: "Oh SIE haben Ihre Brille verloren! Da hob nämlich eben jemand draußen auf dem Bahnsteig eine Brille hoch, und da sich niemand meldete, legte er sie irgendwo oben drauf - das hab ich noch gesehen!"
Der Zug fuhr bereits. No Chance...
Und so fuhr ich weitere 450 km mit schwummriger Sicht von Frankfurt bis Dresden. Was für eine Freude.
Den von mir informierten Schaffner (nee: Zugbegleiter!) konnte ich mit etwas Mühe davon überzeugen, doch bitte in Ffm anzurufen, ob man meine Brille wenigstens einsammeln könne.
Der Anruf ergab nichts. Da wäre keine Brille.
Ich glaub allerdings mittlerweile nicht mehr, dass da wirklich jemand schauen war, denn:
auf meine online-Suchmeldung beim Fundbüro der Bahn habe ich bis heute - mehr als 5 Wochen später - keine Antwort erhalten.
(Nebenbei: auf der Rückfahrt lief ich doch tatsächlich hoffnungsvoll diesen Bahnsteig ab - eine Woche später. Da war natürlich nichts mehr da.)
Naja, so ging es weiter mit den Problemen, das kleinste davon war noch, dass meine Abholerin, die mich am Bahnhof aufsammeln sollte, plötzlich mit ihrem zusammengeklappten Vater in die Klinik musste, eine andere Freundin erbot sich, mit der S-Bahn zum Bahnhof zu kommen, aber das schaffte ich dann doch auch alleine, von da zur JH zu kommen.
In der Folge verbrannte ich mir schwer die Finger am Backofen der kleinen Wohnung, die ich gemietet hatte, vertrug die Matratze dort nicht so recht und bekam auf beiden Seiten Hüftgelenks-Aua vom Feinsten, das mich dazu zwang, möglichst von S-Bahn zu S-Bahn zu hoppen und bloß nicht mehr als wenige 100 Meter zu laufen.
Und eigentlich war das fast noch das Schlimmste...da hatte ich extra nicht mehr in der JH gebucht, weil die Betten dort für mich (breites Bett gewohnt) zu schmal sind, dann treffe ich in der Wohnung auf eine ziemlich feste Matratze, die anderen sicher gut zupass käme, mich aber nach zwei Nächten total lauflahm machte...schlimmer noch als sowieso schon.
Samstags dann, nachdem ich mich als unkreativ geoutet hatte, packte ich mein Bastelzeug in einen Karton, um ihn von dort nachhause zu schicken.
Der unglaublich arrogante Mann an der Info der JH schickte mich auf meine Frage, wie ich zur nächsten Post komme, an die am weitesten entfernte Haltestelle (und ich hab Geh-Aua!), und als ich das verärgert feststellte, fuhr eine Bahn ein und zack, fuhr ich in die falsche Richtung.
Klar, dass ich - endlich in der richtigen Bahn - feststellen muss: da ist eine große Baustelle, da ist keine Post, die ist irgendwie verlegt worden. Ich irre mit meinem schweren Paket auf dem Arm herum auf der Suche nach Einheimischen, die mir auch nett helfen, am Ende laufe ich fast einen Kilometer und natüüürlich stehen dann 7 Leute vor mir in der Schlange. Und Stehen ist auch ganz klasse mit Untergestell-Weh...
Nachdem das endlich geschafft ist, will ich in die Innenstadt, mir nun endlich paar Sachen anschauen, es ist ja schönstes Wetter.
Aber: überall massiv Polizei. Ich hab echt noch nie so viel Polizisten auf einmal gesehen! Erst denke ich an eine Terrorwarnung - sie stehen in 7er bis 10er Gruppen alle paar Meter - ich frage dann einen und erfahre: Fußballspiel Dynamo Dresden! Und da strömen auch schon Männer mit Bierflaschen in der Hand aus dem Bahnhof.
Ich rufe meinen ältesten Sohn an und frage ihn nach seiner Meinung: "Mama, mach bitte, dass du da weg kommst".
Was ich dann auch tue. Ich fahre mit Bahn und Bus zu den beiden "Berg"bahnen von Dresden, das ist schön außerhalb.
Am nächsten Tag, dann Sonntag, sitze ich entspannt vor einem Café, als auf dem großen Platz gegenüber 22 (ich habe gezählt!) solche Mannschaftsbusse der Polizei auffahren und sich rund um den Platz positionieren! Und mehrere kreisen durch die Straßen oder stehen abseits in der Gegend herum. Ich frage nach: eine Pegida Demo. Ich mach mich wieder mal vom Acker. Das gibt's doch nicht.
Ich war übrigens gleich freitags nach der Ankunft zum Bahnhof und erkundigte mich, was mich eine sofortige Rückfahrt kosten würde...das Dreifache des Preises, den ich für Hin- und Rückfahrt zahlte. Also aushalten und Zähne zusammenbeißen.
Und das ist noch nicht alles, was mir da widerfuhr, aber ich habe nun keine Lust mehr, über all die Miseren zu berichten. Ich zeig einfach mal endlich die Fotos, die ich dennoch gemacht hatte:
Der Dresdner Bahnhof fasziniert mich jedes Mal:
In der Nähe der JH ist das Dresnder Word Trade Center - natürlich gleich Vergleich - ich weiß auch nicht, ob es nach dem New Yorker benannt ist
So kühl wie es jetzt gerade 5 Wochen später ist, kann ich erneut nur über die 29 Grad in der zweiten Aprilwoche staunen
Der ÖPNV ist DD ist wirklich große Klasse! Mit dieser Linie fuhr in zu den Bergbahnen - alles komfortabel mit Zielanzeige und Minutenangabe. Das gibt es in Saarbrücken nur in der inneren City.
gequetschte Kinder am Engang zur "Schwebebahn"
Blick von oben auf Dresden
Warum hab ich diese Tapeteninfo fotografiert? Weil ich dieses Wort "Lincrusta" schon fast ganz vergessen hatte, es hat eine Kindheitserinnerung hochgebracht
als ich 10 Jahre alt war, kauften meine Eltern ein Haus, innen waren viele Wände mit dieser Lincrusta-Tapete versehen - und es war eine mörderische Arbeit, das dunkle Zeug von den Wänden zu bekommen, auch wir Kinder standen mit Spachteln da und kratzen - es gingen immer nur minimale Stücke ab - unsere Eltern ächzten. Nun lese ich, das ist auf Holz- und Leimbasis - na kein Wunder!
Hätte ich da schon ein Smartphone gehabt, hätte ich dieses Bild einem meiner Söhne geschickt, denn von ihm hörte ich zum ersten Mal, dass kleine Hunde Fußhupen genannt werden
Das war am letzten oder vorletzten Tag, viel Barock Barock Barock! Wovon ich eigentlich kein Fan bin, aber es ist doch sehenswert
zwischendrin mein Lieblingseis, After Eight
nachdem ich hörte, dass sogar die früher massenhaft auftauchenden Spatzen immer weniger werden, gab ich diesem Frechsdachs gerne von meiner Waffel ab
Vor der Frauenkirche stand dieses Glasboot
So sahen die Adventskalender in den 50er und 60er Jahren aus, viel schöner als die mit den Comicfiguren heute..find ich
Die Semperoper
schwierig für mich Lahme: die Straßenbahn fuhr nicht, Baustelle...
leider viel Baustelle an der Brühlschen Terrasse
ich dachte erst, das sei eine ehemalige Kirchturmspitze, nein, es ist der Cholerabrunnen
Hier ist Kunst verborgen! Ich setzte mich auf diese Bank, da erklangen zarte Töne und es kluckerte irgendwie, als ob irgendwo Wasser läuft - mh komisch, dachte ich
erst als ich aufstand entdeckte ich, dass ich auf einem Kunstwerk gesessen hatte: alles, die Bank, der Mülleimer und der Fahrradständer begannen beim Berühren Töne von sich zu geben! Im Gedenken an Bäche, die hier früher verliefen und eine große Bedeutung für die Versorgung der Stadt hatten - damals.
Ich fummele da bisschen herum und wurde von Nichtwissenden sicher für bekloppt gehalten - aber mich kennt da ja keiner 😎
Dann fuhr ich nochmals in den Stadtteil (Namen vergessen), in dem die beiden Bergbahnen stehen, weil ich mir dort noch die sehr alten Häuser und das Flussufer anschauen wollte, diese hier sind natürlich nicht so alt, aber sehr schöne Bürgerhäuser
"Das blaue Wunder" - die Stahlbrücke
Diese eher unscheinbaren Häuschen stammen aus dem 16. Jahrhundert!
Mit dem Bus wieder zurück und nochmals staune ich über die prächtigen Straßen, so wohlerhalten und überwiegend in bestem Zustand - da ist wohl viel investiert worden - allerdings wundere ich mich auch immer wieder, da ich mir Dresden wegen der schlimmen Luftangriffe im 2. Weltkrieg als total zerstört vorgestellt hatte - so wie hier geht es Straßenzug um Straßenzug
Blick aus dem Bus vom blauen Wunder auf die Elbe
hier habe ich exemplarisch einige der schönen alten Wohnhäuser herausgepickt - es waren sicher um die 1000...und alle so individuell
und hier, in der Dresdner Kexerei, habe ich die Mitbringsel für meine Jungs gekauft - und danach fast nicht gewusst, wie ich die möglichst heil nachhause bringe...da gibt es paar hundert Sorten Plätzchen, ich konnte mich kaum entscheiden