Der 21.04.2013 war für mich ein denkwürdiger Tag. Da endete nämlich mein quasi lebenslanger Hass auf Wanderungen.
Als Kind und später auch als junge Erwachsene bin ich natürlich den Eltern zuliebe mitgelaufen, meine Eltern liebten wandern und spazierengehen, aber wir Kinder fanden es überwiegend ätzend langweilig und viel zu anstrengend, und das schon zu Zeiten, wo es weder Kinderfernsehen noch sonstige mediale Ablenkungen gab. Auf jeden Fall wären wir lieber zuhause geblieben als öde Waldwege hin- und zurückzulaufen.
Am ehesten gefiel mir noch, wenn wir zum sogenannten "Brünnchen", in Saarländisch "Brünnje", gingen. Da hatte die Wanderung wenigstens ein Highlight!
Später dann, als das Gehen schon auf österreichischem Grund stattfand, maulten wir über die ständigen Steigungen, okay, den Gipfel zu erreichen oder einen See war ja ganz schön, aber die Anstrengung, dorthin zu kommen - oh nein! Denkwürdig der mantramäßig wiederholte - unwahre - Satz meiner Eltern: "Es ist nur noch ein kleines Stück und FAST EBEN". Solche Betrugsversuche *gack* führten nicht gerade zur Euphorie, wenn das kleine Stück sich dann als 7 - 8 km entpuppte und die Steigung keineswegs ohne und außerdem dauerhaft war....
Nun, am 20.4.2013 machte ich mit dem Fahrrad einen kleinen Ausflug von zuhause aus in den Deutsch-Französischen Garten in Saarbrücken und drehte dort meine Runden.
Dabei kam ich wiederholt an kleinen Gruppen von Menschen in Wanderkleidung und teils mit Rucksäcken vorbei, sowie an einem Tisch mit einem Riesenkanister Tee, Plastikbechern, einem Stempelkissen und Stempeln, an dem immer wieder welche von diesen Wanderern einen Halt machten.
Nachdem ich zum dritten Mal dort vorbei kam, hielt ich doch mal an und erkundigte mich, worum es denn hier eigentlich ginge.
Zwei sehr nette, auskunftsfreudige Männer informierten mich über das Thema "Volkswanderung", - ein Begriff, der eigentlich zum Gähnen und Augenrollen herausfordert -, aber ich ließ mich überzeugen, dass das doch eine feine Sache sein könnte. Am nächsten Tag, dem Sonntag, würde die gleiche Wanderung wieder stattfinden mit 2 Strecken zur Auswahl, einmal 5 und einmal 12 km.
Ich sollte doch mal probeweise mitmachen, das würde süchtig machen (was sich als wahr herausstellte).
Was soll ich sagen? Sonntags stand ich dann wieder vor diesem Tisch, wurde gleich mit Hurra und "das ist doch die Frau mit dem Fahrrad!" begrüßt und marschierte 12 km durch den wohl teils auch französischen Wald, am Ende konnte ich kaum noch die Füße heben, war aber auf merkwürdige Weise fasziniert.
Ich stelle fest: Rundwanderwege sind klasse!
Seither bin ich jeden Feiertag und jedes Wochenende auf Wanderschaft, und ich freue mich schon die ganze Woche darauf, wieder losziehen zu können und meine Heimat zu erkunden, immer wieder staunend, was es da alles zu sehen gibt, viel mehr als nur langweilige, eintönige schnurgerade Waldwege, die man einmal hin und einmal zurückläuft.
Da außerdem auch Fotografieren mein Hobby ist, habe ich stets die Kamera schussbereit in der Hosentasche, und kaum eine Wanderung vergeht, ohne dass ich mindestens 20 Bilder gemacht habe.
Und dies ist der Grund für diesen Blog - ich will alle meine Wanderungen hier dokumentieren.
