Sonntag, 13. November 2016

Biberexkursion mit Naturwacht-Ranger Michael Keßler 13. Nov. 2016


Treffpunkt war in Bliesdalheim an der Brücke über die Blies, gegenüber vom Ranger-Auto diese Infotafel:







Wir sind eine Gruppe von vielleicht 25 Personen, die kleine Wanderung beginnt auf dem Radweg, der parallel zur Blies verläuft, nach wenigen Metern allerdings (es hätte mich ja auch gewundert, wenn es „zivilisiert“ weitergegangen wäre :-) schwenkt der Ranger nach links auf eine Wiese in Richtung Blies, und von da in ein kleines Wäldchen, wo unser erster Halt ist, wir stehen zwischen hohen Bäumen, die mit Efeu bewachsen sind.



Wir hören interessante Informationen über Biber und das Biosphärenreservat Bliesgau, ich kann diese natürlich nicht alle wiedergeben, hängengeblieben ist, dass Herr Keßler als Ranger ein Gebiet von 38-40.000 Hektar betreut, was ja wirklich enorm ist.

1999 wurden durch den Nabu (Naturschutzbund) die ersten Biber an der Blies ausgewildert. Das ist nun 22 Jahre her und mittlerweile leben an der Blies 80 Tiere, im gesamten Saarland etwa 600.



Hier frage ich Herrn Keßler auch, ob er auch dieses Mal wie bei der letzten Exkursion ständig und überraschend Anschauungsmaterial aus rätselhaften Quellen hervorzaubern wird, denn er trägt weder Tasche noch Rucksack, wie schon bei der naturkundlichen Wanderung Mitte Oktober …. ich soll mal abwarten.....



Es geht ein kleines Stück weiter querfeldein 



bis zu einem alten Apfelbaum, auch in Ufernähe (wir halten uns sowieso natürlich die ganze Zeit über nahe der Blies, die sehr ruhig dahinfließt, auf), dieser ist zum Schutz gegen den Biber mit Sackleinen und Schnur umwickelt.




Wir werden aufgefordert, uns mal umzudrehen – und Überraschung, dort steht ein Baum, für den diese Maßnahme allerdings zu spät kommt, er hat schon die „Sanduhrform“ und ist rundum benagt.





Hier an dieser Stelle wird auch mit meinem ersten Irrtum über die Gründe, warum Biber an Bäumen nagen, aufgeräumt: ich glaubte bisher, sie täten das, um Dämme und Burgen zu bauen, aber nein, das wäre an einem Fluß wie der Blies, der tief genug ist für die Baubedürfnisse der Biber, gar nicht nötig, nein, sie wollen an das Obst, das auf den Bäumen wächst, so fällen sie die Bäume und „ernten“ dann.

Die reinen Pflanzenfresser nehmen aber auch gerne die Blätter und Triebe der Bäume und fressen auch mal komplette Äste, aber auch Gras und krautige Pflanzen.



Übrigens haben die Baumbesitzer keine Regreßansprüche bei beschädigten Bäumen (ist halt so, wie wenn die Amseln die Kirschen fressen).



Herr Keßler lässt ein Foto vom Staudamm eines einzelnen, am Rohrbach lebenden Bibers herumgehen. An der Blies, wie gesagt, müssen die Biber nicht stauen oder bauen.





Es geht nun wieder zurück Richtung Brücke und dann zwischen Radweg und Flussufer bis zum nächsten „Infostopp“. Wir erhalten eine kleine Ortskunde, z.B. war dort, wo heute der Radweg verläuft, eine Bahnlinie, und dahinter stehen die Häuser der Hauptstraße, deren Gärten zum Flussufer hin waren durch die Bahnlinie geteilt, heute sind diese Gärten verwildert bzw. brachgefallen.
 

Wir staksen nach rechts ins Gebüsch, es geht im Gänsemarsch, weil der „Weg“ schmal ist, wir kommen zu einem ersten vom Biber gefällten Baum.





Und wie sollte es anders sein, MK zaubert ein Bibergebiss hervor sowie ein Glas mit zwei Biberzähnen, die bei den Teilnehmern rundgehen dürfen.

So hat man wirklich einen Eindruck, mit welchem Werkzeug sozusagen der Biber arbeitet.






Ein Kind bekommt ein Beil und darf versuchen, von dem gefällten Baum einen Span abzuhaken, was nur mit Mühe gelingt und die Leistung dieses Tiers verdeutlicht. Die Zähne des Bibers wachsen immer wieder nach.



Feinde des Bibers sind vor allem der Straßenverkehr, aber auch z.B. Hochwasser, wenn Jungtiere im Bau ertrinken.

Biber sind monogam und können 10 bis 17 Jahre alt werden.



Wir erfahren nun weiter an dieser Stelle, dass die Biber früher nicht nur wegen ihres Fells, sondern auch als Fastenspeise gejagt wurden, denn die Klöster legten fest, wer wie der Biber im Wasser lebt und schwimmt, der kann ja kein Tier sein, sondern wurde einfach als Fisch deklariert und verzehrt.

Ein Biber-Kochrezept macht die Runde.




Wenn ein Biber aus dem Wasser steigt, ist er sofort wieder trocken, denn er besitzt eine Drüse, mit der er sein Fell wasserabweisend einfettet, und auch wegen dieses Sekrets, dem sogenannten Bibergeil, dem man Heilwirkung nachsagte, wurde er verfolgt.




Es geht nun weiter durch Gestrüpp auf einem Trampelpfad, wir sehen mehrere sogenannte Biberrutschen, das sind Stellen, an denen der Biber aus dem Wasser kommt.






Wir bleiben an riesigen, dicken Schwarzpappeln stehen, die stark mit Efeu bewachsen sind, wie MK uns erläutert, schadet der Efeu ihnen jedoch nicht, da er die Bäume lediglich als Klettergerüst benutzt, nur wenn er die Baumkrone verschattet, beeinträchtigt er den Baum.

Der Baum auf diesen Fotos ist etwa 100 Jahre alt, er stand also wohl schon vor oder zu Zeiten des 1. Weltkrieges hier.





Wir gehen weiter und sehen auch noch mehr Nagestellen des Bibers,







treten dann auf eine Wiese, wo ein einzeln stehender Baum ein wirklich beeindruckendes Beispiel für Biberaktivität abgibt.






Und da es äußerst unwahrscheinlich ist, dass wir bei einer solch großen Gruppe einen lebenden Biber antreffen werden, wer hätte es nicht geahnt? Hat MK natürlich auch einen Ausstellungsbiber parat, wo er diesen hergeholt hat, wird an dieser Stelle nicht verraten ;-)







Wir dürfen das überraschend weiche Fell des Bibers streicheln, er hat übrigens pro Quadratzentimeter 12-14.000 Haare, am Bauch sogar bis zu 20.000 – während wir Menschen lediglich 500 pro Quadratzentimeter aufzuweisen haben.

In dem breiten Schwanz kann er übrigens im Sommer Fett speichern als Wintervorrat.

Und beim Tauchen (2-3 Minuten, im Extremfall auch bis zu 20 Minuten) kann er die Augen offenlassen, da er eine Nickhaut besitzt – also quasi immer mit einer Taucherbrille ausgerüstet ist.




Hier ein schöner, herbstlich gelber Spitzahorn und eine Herbstimpression:







Wir machen wieder einen Infostopp und staunen über das Foto eines „Bibers in Rage“, dieser hatte einen Baum gefällt, aber er blieb mit der Krone in einem anderen Baum hängen, und so waren Früchte und Blätter unerreichbar, das muss den Biber offenbar in rasende Wut versetzt haben, wie man hier unschwer erkennen kann, er hat gehaust wie ein Berserker, bei dem Anblick muss man allerdings doch etwas grinsen:




Außerdem eine grafische Darstellung einer Biberburg (eine solche sollen wir zumindest von oben betrachtet (anders ist es ja nicht möglich) später noch in Natura sehen






Es geht weiter querfeldein, im Sommer wäre hier schon alleine aufgrund der Brennesseln kein Durchkommen - und auch hier leider überall der invasive Neophyt "drüsiges Springkraut", dem ich auf meinen Wanderung seit einiger Zeit auch überall dort begegne, wo es feucht ist, damit müssen wir uns wohl leider abfinden:





Erneuter Halt am Bliesufer, Blick auf Totholz am gegenüberliegenden Ufer, diese Schwarzpappel war bei einem Sturm in den neunziger Jahren abgebrochen, früher wäre er radikal gefällt worden, heute bietet er vielen Tieren Unterschlupf und kann u.a. als „Spechtübungsplatz“ dienen.




Und warum eigentlich ist der Biber so wichtig? Weil er ein Landschaftsgestalter ist, er ermöglicht anderen Tierarten und vielen Pflanzenarten die Ausbreitung, er schafft Laichhabitate etc. und ist ein Wegbereiter in Auen- und Flusslandschaften.

Und hier blicken wir auf das Zuhause des hiesigen Bibers, zwar unscheinbar, aber doch imposant, was das Tier da angehäuft hat, und das ist ja nur der sichtbare Teil:



 



Fast am Ende der Exkursion horcht MK auf und weist uns, die wir in seiner Nähe unterwegs sind, darauf hin, dass man Kraniche hören kann.



Und fast wie bestellt sehen wir dann quasi als Dessert zu all den bisherigen Eindrücken noch mehrere Zugketten von Hunderten von Kranichen zwischen den Baumkronen vorbeiziehen! 
(sorry, besser sind mir die Bilder davon nicht gelungen, es fing ja auch schon an zu dämmern, aber zeigen wollte ich sie doch)



 

Ein gelungener Abschluss dieser wieder hochinteressanten Exkursion und ein dickes Dankeschön an die wie immer mit Humor und Überraschungen gespickten Erläuterungen des Naturwacht-Rangers!


Sonntag, 23. Oktober 2016

Mit dem Naturwacht-Ranger im Bliesgau: Chinesenbart, Flaschenhals, Z- und B-Bäume und Weltkriegssplitter

[Dieser Post enthält durch Links zu externen Seiten, durch Fotos und Firmen- und Produktnennungen Werbung, die ohne Auftrag, ohne Sponsoring und ohne Bezahlung erfolgt]

Sonntag, 16. Oktober 2016

In der Saarbrücker Zeitung las ich eine Notiz über eine pflanzenkundliche Wanderung mit dem Naturwacht-Ranger Michael Keßler ab 14 Uhr, Treffpunkt auf dem Parkplatz des Hartungshofs bei Bliesransbach.

Vom Hartungshof hatte ich zuvor noch nie gehört, es ist ein sehr großes Gehöft, auf Fotos habe ich verzichtet, der Hof ist doch sehr modern gestaltet und außer landwirtschaftlichen Geräten gibt es halt viele Stallungen mit Pferden zu sehen, die auch kein so wirklich schönes Motiv bildeten.

Der Eigentümer vom Hof hielt auf dem Parkplatz vor der recht großen Anzahl von ebenfalls Interessierten (eigentlich hatte man mit 30 Personen gerechnet, es waren jedoch mindestens doppelt so viele) zunächst einen Vortrag über die Geschichte des Hofs im Laufe der Jahrhunderte sowie über die jetzige Bewirtschaftungsform.

Dann stellte sich der Ranger Herr Keßler vor und beschrieb uns kurz, dass die Strecke maximal 3 Kilometer betragen wird, da wir sehr viel stehenbleiben und schauen und zuhören werden.
Ich wusste das schon, weil ich in meiner Mail nach der Streckenlänge gefragt hatte.

Er hatte auch gleich ein Büschel Anschauungsmaterial zur Hand, wie er überhaupt auf der ganzen Wegstrecke - ohne einen Rucksack oder eine Tasche dabeizuhaben! - immer wieder Dinge hervorzauberte und sie der staunenden Menge präsentierte ;-)

(Herr Keßler hat übrigens sein Einverständnis zur Veröffentlichung der Fotos gegeben, andere Personen habe ich unkenntlich gemacht)




 Überhaupt hat er es mit Witz, Humor und großem Sachverstand geschafft, sein Publikum immer wieder aufs Neue zu fesseln und zu überraschen.

Es ging dann zunächst eine Anhöhe hinauf, vorbei an sogenannten wärmeliebenden Gebüschen. Oben angekommen wies er uns darauf hin, dass man von hier aus einen Blick bis zu den Vogesen im Nachbarland Frankreich hatte, der Tag war aber auch wirklich ideal für Oktober, sonnig, warm bis 20 Grad, blauer Himmel.





Das mitgenommene und dann an die Umstehenden verteilte Anschauungsmaterial waren unter anderem Schledorn, Liguster, Hagebutten, Hartriegel, Pfaffenhütchen und Weißdorn.

Ich bereute schnell, dass ich kein Notizblöckchen dabei hatte und machte nur schnell in meinem Handy ein paar rudimentäre Notizen.

Dort wo wir hielten stand auch diese Gedenktafel, die an einen Mord an einem Förster (Jäger?) durch einen Wilderer im Jahr 1932 erinnerte. Der Ermorderte hieß per Zufall genauso wie unser Ranger, nämlich Kessler!
An einer späteren Station fragte dann ein Mitwanderer, ob denn bekannt sei, ob der Mörder jemals gefasst worden war, aber darüber ist nichts bekannt.
Seltsam zu denken, dass in der Gegend ringsum vielleicht die Nachfahren des damaligen Täters leben...




Direkt an dieser Erinnerungstafel führte ein schmaler Pfad ins Dunkel des Waldes, die Temperatur ging gleich um einige Grade zurück.

Wir marschierten eine kleine Strecke und blieben dann unter Bäumen stehen, eine Frau bekam ein Zählgerät, weil wir feststellen wollten, wieviel verschiedene Baumarten wir wohl auf diesem kurzen Gang antreffen würden - ich setze das Ergebnis schon mal vor: es waren immerhin 19!

Wir lernten nun viel über Baumarten und Waldwirtschaft, über Astigkeit und Baumkronen, die Platz benötigen, leider wie gesagt hatte ich nichts zum Notieren dabei, in Erinnerung blieb mir aber vor allem dieses:

wir standen neben einer Buche, Herr Keßler wies uns auf die schmalen Querlinien hin, die sich in fast regelmäßigen Abständen quer über den Stamm zogen, aber in einer Höhe von einigen Meter plötzlich nicht mehr waagerecht waren, sondern sich an den seitlichen Ende nach unten zogen und so an einen Chinesenbart erinnerten, das hatte ich zuvor noch nie gehört und es war mir auch noch nie aufgefallen!

Diese Linien zeigen, dass hier früher Äste am Stamm saßen und je höher der Baum wächst, desto stärker ziehen sich die "Bartenden" nach unten.
 

An einer weiteren Station gab es dann "Blätterkunde" und weitere Waldinformationen, die ich leider nicht mehr mitteilenswert zusammenbekomme.


Von hier aus brachen wir förmlich durchs Gebüsch auf einen Trampelpfad mitten hinein in die Wildnis sozusagen, und machten dann wieder Halt an dieser Fichte, die sozusagen dem Tode geweiht ist, da der Boden hier für sie nicht ideal ist, sie hat eine Krankheit namens Rotfäule, man sieht es deutlich am Fuß, und um sich zu stützen hat sie dort eine Verdickung gebildet, einen sogenannten Flaschenhals, dieser erinnert an die Verdickung am Ende einer Glasflasche-
Zudem haben sich hier auch noch Wildschweine zu schaffen gemacht und sich gerieben, Herr Keßler hatte dann auch noch Wildschweinanschauungsmaterial für uns parat, auch das zauberte er plötzlich von irgendwoher ;-)
(seine Hose hat allerdings auch einige aufgesetzte Taschen...)







Und warum hab ich kein Foto gemacht von dem, was er uns anschließend noch zeigte und durch die Reihen gehen ließ? Ich weiß es nicht, vielleicht weil ich so berührt war....

Auch hier hatte der 2. Weltkrieg intensiv getobt und das Gebiet war stark beschossen worden, Grenznähe halt, und in den Bäumen, also in den Stämmen, findet man nach wie vor Granatsplitter und sonstige Munitionsbestandteile, ich fand das erschütternd, nicht deswegen, weil es die Bäume als Verkaufsobjekte praktisch unbrauchbar macht, sondern wegen der Idiotie des Menschen und all dem Leid, dass durch solche Metallgegenstände entstand und leider auch bis zum heutigen Tag noch entsteht.
Die jungen Männer, die diesen Krieg führten/führen mussten, waren sicher im Alter meiner drei Söhne (19 bis 30), und so etwas trifft mich immer ins Mark.

Aber weiter mit erfreulicheren Themen: uns allen sind sicher schon öfter die Markierungen an Bäumen aufgefallen, für Nichtwissende immer ein Rätsel, das nun zumindest zum Teil seine Auflösung fand.



Hier stehen wir an einem B-markierten Baum, Herr Keßler ließ uns erst mal raten, wofür dieser Buchstabe steht, die Ideen waren von "Baum" bis zu "Buche" zwar kreativ :-) aber dennoch nicht richtig:

das B steht für Biotopbaum und zeigt den Holzfällern, dass dieser Baum nicht geschlagen werden darf, weil er in irgendeiner Weise ein Biotop darstellt, hier in diesem Fall vermutete Herr Keßler, dass er eine Spechthöhle enthält.

Und hier gleich ein weiterer B-Baum, der höhlenbewohnenden Tieren Platz bietet und sich dekorativ mit einem roten Pilz ziert:


Und das hier ist nun ein Z-Baum, kein Zombiebaum, sondern ein Zukunftsbaum, einer, der vom forstwirtschaftlichen Gesichtspunkt Großes erwarten lässt und dem darum besondere Aufmerksamkeit zukommt, den man rundum "freistellt", damit er Platz und Licht hat um weiter zu wachsen und ungehindert Kronen- und Stammwachstum ausbilden kann. Außerdem beachtet man hier auch die gewünschte Baumvielfalt in einem Waldgebiet, es sollen ja nicht nur wenige Baumarten wachsen.

(Er ist zu groß, um ihn ganz aufs Bild zu bekommen)


Und dann öffnete sich wie ein Tor dieser Blick, als wir auf den Waldrand zutraten und hinaus in die Sonne und die freie Landschaft des Bliesgaus mit sehr weitem Blick traten






Auf jeden Fall war das nicht meine letzte naturkundliche Wanderung! Einen großen Dank an Herrn Keßler für einen lehrreichen, fröhlichen und stimmungsvollen Nachmittag im schönen Bliesgau!