Heute schreibe ich meinen Blogbeitrag mal wirklich sofort an dem Tag, wo die Tour stattfand 😎
Ich hatte mich zu einer so titulierten Heidschnuckentour inkl. Zuschauen beim Schafescheren angemeldet, die Tour sollte zwar 4-5 Stunden dauern, aber da sie auch für Kinder geeignet bezeichnet wurde, sollten es nur 6,5 km sein.
Treffpunkt war um 9.30 Uhr in Karlsbrunn im Warndt unterhalb des Jagdschlosses.
Ich war pünktlich, verlor aber auf irgendeine schräge Art und Weise IM Auto meine Sonnenbrille! Und das ist eine optische Brille, also mit Gläsern in meiner Stärke. Ich brauch die..
Der Warndt ist übrigens ein ca. 50 km² großes Waldgebiet, nicht weit von Saarbrücken und direkt an der französischen Grenze gelegen, von kleinen Ortschaften durchsetzt.
Der kleine Ort Karlsbrunn wurde "erst" Anfang des 18. Jhd. gegründet, als hier eine Glashütte gegründet wurde und somit weitere Ansiedlungen anzog.
Später am Ende des 18. Jhd. ließ sich der Saarbrücker Fürst hier sein Jagdschlösschen bauen. Ein kleines Wunder im Saarland: es wurde nie zerstört! Das kennen wir hier ja fast gar nicht...
Ich gesellte mich erst mal zu der kleinen wartenden Gruppe, erfuhr dann, dass man noch eine Viertelstunde drauf gibt, weil einige Angemeldete noch nicht aufgetaucht sind. Dafür tauchte ich dann wieder in mein Auto ab, unter den Sitzen, neben den Sitzen, hinter den Sitzen, alle Taschen durchwühlt, den Rucksack ausgekippt...die Sonnenbrille blieb verschwunden. Nun gut, dann muss es halt der Wanderhut tun.
Wir gingen dann los, erst mal an dem mehrere Fußballfelder großen Wiesengelände mitten im Ort halb in Richtung der ehem. Villa Tannenhof von 1920, die leer steht und erworben werden kann. Wir bogen aber vorher ab Richtung Gehege, wo die Kids Ziegen und Rehe beobachten konnten.
Direkt daneben liegt ein historischer Friedhof, hier erfuhr ich, was ich vorher noch nie gewusst hatte, von der Führerin, dass auf diesem Friedhof 1725 ein Kind eines "Pottaschebrenners" der Glashütte beerdigt wurde, und dieser Aschenbrenner hieß Johann Nicol Eisenhauer, er wanderte 16 Jahre später mit Frau und weiteren 7 Kindern nach USA aus, ließ sich in Philadelphia nieder und ist ein Vorfahr des US-Präsidenten Dwigt D. Eisenhower!
Leider wurde der Friedhof nicht besichtigt, ich nahm mir vor, das nach der Tour alleine zu tun (hab ich auch).
Dann ging es durch ein Wohngebiet etwas hügelaufwärts bis zu Feldern und Wiesen, wo sich der Schafzuchtbetrieb befand.
Wir konnten dann zuschauen, wie mehrere Heidschnucken geschoren wurden und erfuhren einiges über die Tiere und den Hof. Verwundert hat uns alle, dass die geschorene Wolle wertlos ist!
Auch warum die Zähne vor dem Scheren kontrolliert wurden und Einträge in eine Liste gemacht wurden erfuhren wir: sind die Zähne nicht in Ordnung oder es fehlen welche, kann das Schaf nicht richtig fressen, hat keine guten Lebensaussichten, und diese verkürzt man ihm dann noch, indem jetzt schon klar ist: im Herbst wird es zu Wurst!
Da ich Wurst und Fleisch ab und zu esse, will ich mir Sentimentalitäten verkneifen, trotzdem tun die Viecher mir leid.
Am 12. August ist hier übrigens Hoffest, wo es von Insidern gepriesenes Lammgulasch mit Spätzle gibt - ich notiere mir das, obwohl ich eigentlich grundsätzlich keine Babytiere essen mag. Hachja, der Mensch ist widersprüchlich.
Einige Teilnehmer nahmen sich beutelweise von der Wolle mit, weil es ein probates Mittel gegen Katzen im Gemüsegarten sei, einfach auslegen, mit Stöckchen am Wegfliegen hindern und der Geruch ist den Katzen zuwider, sie machen dann nicht mehr ihre Geschäfte in Nachbars Salat.
Übrigens: eine Griggelmaus ist eine Grille!
Alles sehr interessant, irgendwann hätte es dann bitte aber auch mal weitergehen dürfen...kurz vor 12 Uhr (schon zweieinhalb Stunden und gerade mal einen Kilometer gegangen!) reißt mir dann doch der Geduldsfaden und ich fragte nach, wann wir denn weitergehen?
Um zu erfahren, dass die Führerin sich entschieden hatte, dass wir nur noch Hühner und Rinder besichtigen und dann zurückgehen - he hallo wo sind die 6,5 km (ja auch schon wenig) und die restlichen Stunden?
Ich erkundigte mich, wo denn der reguläre Wanderpfad, denn es gibt einen "Heidschnucken-Rundweg", wie ich unterwegs auf Hinweisen las, weitergeht und wie lange der ist.
Genaue Info konnte ich nicht bekommen ("8 oder auch mehr km?" Sie wusste es nicht genau)- daraufhin rief ich jemanden an, der für mich zuhause im Internet nachschauen konnte (ja ich weiß...ich will aber kein Smartphone) wie lang die Strecke ist, denn ich hatte nur noch eine 0,7-Liter-Flasche mit Pfefferminztee und eine Corned-Beef-Stulle - und keine Sonnenbrille.
Es fanden sich keine genauen Angaben (auch jetzt zuhause find ich selber keine, 8 km ist noch die einzige Angabe und kann gut stimmen) und der eigentliche Schäfertrail ist 22 km lang! Unerreichbare Entfernung für mich - der Heidschnucken-Rundweg soll ein Teil davon sein - okay ich wage es! Zu blöd wäre es, jetzt einfach wieder heimzufahren.
Der Anfang ist merkwürdig: es geht an Feldern und Weiden vorbei, das Gras auf dem vermeintlichen Weg steht mir taillenhoch!
Ich stopfe die Hosenbeine in die Socken (Zecken!) und stapfe tapfer hügelan, es gibt tatsächlich auch Wegmarkierungen, aber hier ist schon lange niemand mehr gegangen. Ich gebe der Sache eine halbe Stunde, wenn dann der Weg nicht klar ist, kehre ich um.
Aber nein, nach diesem Wildwuchs komme ich auf einen asphaltierten Weg mit eindeutigen Wegzeichen.
Und dass es 30 Grad werden soll, ist eindeutig spürbar - so heiß bräuchte ich es definitiv nicht und reibe mich ständig mit meinem LF 50 ein.
Dann endlich Wald und Schatten, danach aber ein heißes Stück über Beton und Asphalt im Ort Dorf im Warndt, wo es gefühlt einen Kilometer durch Wohnstraßen geht. Eine Frau klopft ihre Fußmatte aus, ich frage sie, ob ich hier noch richtig bin auf der Heidschnuckentour, aber sie hat noch nie etwas davon gehört - einige Meter weiter ist dann aber ein Hinweis auf eine Abbiegung.
Ich wandere frohgemut durch Wald und rätsele nur ab und zu über die Wegrichtung, weil manchmal nur der Warndtweg ausgezeichnet ist, aber das orange Zeichen, das ich brauche, nicht da ist.
Und der Griggelmausberg hat seinen Namen zu Recht: wo Wiesen sind, zirpt es, dass es eine Freude ist!
Am Ende ging es gefühlt 1 km nur bergab auf einem schmalen Pfad, das ging ganz schön auf die Knie!
Eine Bank gab es auf der ganzen Strecke nicht, und so flüchtete ich am Wegende unter diese Baumgruppe mit 2 Bänken, ließ mich abkühlen,
und spielte dann noch ein wenig "Lost places" an der alten Villa. Aber da ging es dann doch nicht weiter, ich hätte sie gerne auch mal von hinten gesehen.
Dann rüber zu dem Friedhof, dort stehen neben den alten Grabsteinen - ich habe keinen auf "Eisenhauer" finden können, gibt es wohl auch nicht mehr - große imposante Mammutbäume, die gerade Früchte tragen.
Dann noch hinüber zum Jagdschloss, ich will mir vor allem auch den Garten anschauen, der ebenfalls ein Teil von "Jardins sans frontieres" (Gärten ohne Grenzen, wie Saargemünd und Bitche) ist, aber leider ist das Tor verschlossen! Einen alternativen Eingang finde ich nicht, nur eine Warnung vor dem bissigen Hunde. Schade.
So hätte es ausgesehen, wäre offen gewesen.
Schade ich hätte vor allem gerne den sogenannten Forstgarten angeschaut, wo man schon Siebzehnhundertirgendwas anfing, Bäume aus der Neuen Welt testweise anzupflanzen. Aber gut, ich gehe ans hocherhitzte Auto, Klima auf volle Tour und fahre heim, sofort duschen!!!
P.S.: meine Sonnenbrille habe ich nicht mehr wiedergefunden! Echt übel jetzt bei so viel Sonne. Und wo ich morgen auch nochmal los will.