Montag, 30. September 2019

"Saarbrooklyn" und "Über die Treppen von Alt-Saarbrücken" am 21.8.2019

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Achtung langes Vorwort, ist mir aber wichtig:



Es ist jetzt schon gut 2 Monate her, da habe nicht nur ich mich über eine "Doku" (man muss es definitiv in Anführungsstriche setzen!) von Spiegel TV - auf die ich bis dato große Stücke hielt - mächtig aufgeregt!


Das Wort "Saarbrooklyn" wurde schon vor Jahren von der jungen Saarbrücker Künstlerszene erfunden, z.B. wohl auch im Zusammenhang mit den vielen von der Stadt legalisierten Graffiti-Flächen und den Graffiti-Wettbewerben an den Wandflächen der Saaranlagen. Hier sind dann überregionale und sogar internationale Künstler am Werk.


Nun wurde das Wort hier journalistisch missbraucht, indem ein einziger Wohnblock von Saarbrücken, die Folsterhöhe, herausgepickt und runtergemacht wurde. Als Dreckloch, als Drogenpfuhl. Und man ließ es so erscheinen, als wäre das symbolisch für ganz Saarbrücken so, was für ein Käse!

Mittlerweile musste sogar zugegeben werden, dass man Drogensüchtigen zwischen 20 und 100 Euro gab, um sie beim Konsum zu filmen. Anschließend überließ man sie sich selbst...



Als ob nicht letztlich jede größere Stadt mit ganz wenigen Ausnahmen so eine Ecke hätte, und dabei wurde auch noch maßlos übertrieben. Dort ist weitestgehend alles frisch saniert bis auf den einen Block, den sie sich vorgenommen hatten.



Und dann auch noch saarländisch falsch übersetzen...haha..."hucken" heißt sitzen, nicht "gucken"! Sauber sauber.

Übrigens: das originale Brooklyn, früher wohl als gefährliche Gegend verrufen, ist mittlerweile ein hipper Stadtteil...und hat gar nicht mehr das negative Image, das man Saarbrücken hier verpassen wollte.



Ich arbeite seit Jahren nur wenige hundert Meter von dort entfernt und noch niemals ist dort irgendetwas auffällig gewesen, ich kaufe fast täglich dort in 2 naheliegenden Supermärkten ein. Da wohnen überwiegend anständige und als normal zu bezeichnende Menschen, die jetzt irgendwie gebranntmarkt wurden.



Warum wurde das gemacht? Vielleicht, um AKK zu schaden, die ja von hier stammt? Ich kann es nicht nachvollziehen...armes Saarbrücken, das hast du nicht verdient, okay, es gibt hier viel Mischbebauung seit nach dem 2. Weltkrieg, was für eine unmittelbar an der Grenze liegende Stadt ja schließlich leider normal ist. Aber warum eine ganze Stadt quasi als asozial und heruntergekommen hinstellen?



Mein Bericht hier über die Treppen von Alt-Saarbrücken stammt vom 21.8. dieses Jahres, also von einem Monat danach, aber ich habe diesen Gang nicht deshalb getan, weil ich einen Kontrapunkt zu obiger Sendung setzen wollte, sondern weil ich das schon seit 2015 mal machen will! 
Trotzdem soll er auch die echte Seite von Saarbrücken zeigen, und ich glaube, die hat man auch schon bei meinem Stadtrundwanderweg 2017 gesehen.



Anlass für diese Stadtwanderung war vielmehr ein Zeitungsartikel von 2015, und nun habe ich das endlich mal umgesetzt.



Alt-Saarbrücken liegt an einem Buntsandsteinhang, und wenn ich von der Arbeit aus nicht über Frankreich, sondern über Deutschland heimfahre, sehe ich immer mindestens eine dieser langen Treppen, die irgendwo oben im Grünen verschwinden und habe mich schon oft gefragt, wohin die führen und wie lange sie sind, denn das Ende kann man von unten aus nicht sehen.



Saarbrücken heißt so übrigens nicht wegen Brücken so, sondern siehe hier:



Der Name Saarbrücken leitet sich vom Keltischen ab. Der älteste, überlieferte Name der Stadt „Sarabriga“ bedeutet „Flussfels“. Dies bezieht sich vermutlich auf den großen Felsen gegenüber der Alten Brücke, die von Karl V errichtet wurde. Auf diesem wurde auch die erste Burg der Stadt erbaut und darauf dann später das Schloss.


Man findet auch Quellen, die behaupten, der Ortsname käme von einer Brücke, aber ich hänge der obigen Version an! Sie scheint mir die am meisten begründete, und hat auch mit meiner Treppen-Exkursion zu tun (da ich mich kreuz und quer überwiegend auf eben diesem Felsen bewegen werde)


1909 vereinigten sich die nebeneinanderliegenden Orte St. Johann, Burbach und Saarbrücken zur Stadt Saarbrücken, wobei das ursprüngliche Saarbrücken zur Unterscheidung dann in Alt-Saarbrücken umbenannt wurde. 



Bei einer Stadtführung lernte ich folgendes:



als man sich darauf einigen musste, wie die neu entstehende Stadt heißen solle, war man natürlich zuerst uneins, jeder Stadtteil wollte seinen Namen benutzt sehen, vor allem da St. Johann durch seine Lage im flachen Tal am besten für ein Stadtzentrum geeignet war, andererseits sich Alt-Saarbrücken an Hängen hinaufzieht, aber Sitz des Schlosses und somit vorheriges Verwaltungszentrum war.



Um hier einen Ausgleich für den ursprünglichen Ort Saarbrücken zu schaffen und vor allem auch wegen des Alleinstellungsmerkmals (Städte mit Namen St. Johann gibt es wie Sand am Meer...) einigte man sich auf den Gesamtnamen "Saarbrücken".



Nun aber zum Thema "Treppen":



Alt-Saarbrücken ist durchzogen von zum Teil seit der Barockzeit exisitierenden Treppen, die auf die Bergkette oberhalb der im Tal liegenden Straßen führen. 

Viele tragen Namen, viele aber auch nicht, ich habe durchgezählt: es sind insgesamt offenbar 22, die vielen kleinen nicht mitgezählt, einige nicht mehr begehbar.


Die mächtigste ist die "Himmelsleiter" mit 176 Stufen,die kommt aber ganz am Ende.



Ich fange "oben" an und bin zunächst mal begeistert von den vielen schönen Häusern.



So sieht es hier praktisch in jeder der vielen Straßen und Sträßchen aus, und ich beginne, außer Hausansichten auch schöne Details zu knipsen und merke schnell: so komme ich überhaupt nicht voran, da es einfach zu viel ist! Ich gebe das auf und schaue halt nur noch und staune, wie hübsch es hier ist! Und dann immer noch dieser Blick hinunter auf die Stadt! Wow!



Es gibt natürlich, wie überall, auch hier einige moderne Gebäude, die sich aber gut einfügen. Und überall quillt das Grün nur so heraus!



Exemplarisch hier die ersten Detail-Fotos, bevor ich einfach weitermarschierte:

  

Ich bin nicht alle Treppen abgelaufen, weil sie mir zum Teil auch zu weit auseinanderlagen, aber die längsten und bekanntesten habe ich erstiegen und dazwischen auch immer wieder mal ein paar kleine, die nicht extra noch Namen tragen










was verbirgt sich denn hinter dieser ewig langen Mauer?


ein nettes Einfamilienhäuschen...später finde ich heraus, diese Stadtvilla war Wohnung des Nachkriegs-Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann, auch heute offenbar ein Privathaus

 





dann komme ich zu einem Gebäude, von dem ich schon öfter gehört hatte, aber nie wusste wo es steht und wie es aussieht, die sogenannte Notkirche! Ich sah den Namen immer wieder mal bei Veranstaltungshinweisen.

Sie war nach dem Krieg, als alles kaputt war, eine Spende von amerikanischen Christen für die hiesige Gemeinde und wird heute noch genutzt



auch rundum ist alles schön gepflegt

und ich mache hier eine kleine Pause und überlege, was es bedeutet, dass so kurz nach dem Krieg, wo auch amerikanische Familien gefallene Soldaten zu beklagen hatten, so eine Spende möglich war


hinter der Bank ein schöner Gingko biloba, seine besonderen Blätter sehe ich immer wieder gerne, er ist weder Laub- noch Nadelbaum, sondern einfach ein Gingko, die Gingkos bilden eine eigene Baumfamilie und sind "lebende Fossilien", sie waren nachgewiesen schon vor 250 Millionen Jahren auf der Erde verbreitet, unglaublich


diese ist eine der größeren Treppen im Viertel, die Nussbergtreppe







und von hier geht es weiter nach oben - natürlich über eine lange Treppe - zum Nussbergdenkmal



das ich noch nie gesehen habe, das aber auch sehr unspektakulär daherkommt


immerhin bin ich jetzt wohl so ziemlich am höchsten Punkt angekommen und habe von da Aussicht


nun steige ich wieder abwärts über weitere Straßen und Treppen zur offenbar längsten überhaupt, der sogenannten Himmelsleiter, sie ist auch zu lang, um sie in Gänze zu knipsen

etwa in der Mitte der Treppe liegt überraschenderweise linkerhand dieses beschauliche Plätzchen, so mitten in der Stadt mal wieder



dann kommt mir noch eine Idee: ich bin doch jetzt unten in der Talstraße angekommen, und da las ich doch mal einen Artikel, dass auf dem großen Parkhaus dort eine ganze und zwar besondere Wohnanlage errichtet worden sei, das ist doch die Gelegenheit, sich die mal anzuschauen, natürlich wieder über eine Treppe hoch aufs Parkhausdach


oh ja, das ist echt eine Überraschung, richtig hübsch hier


und stimmt, das bedenkt man gar nicht: über die Talstraße hinaus erstreckte sich früher der Schlossgarten, der allerdings leider plattgemacht wurde und dessen Rest nur noch ein Winzling ist gegenüber seiner früheren Ausdehnung (dort wurden meine Hochzeitsfotos gemacht)




von hier aus führt eine Straße bergauf, von der rechts die Laurettentreppe abbiegt




gegenüber der Laurettentreppe regelrecht im grünen Dschungel verborgen liegt eine weitere Treppe, die spare ich mir aber


soll ich die Meraner Treppe auch noch runter und wieder hoch? Nee lass ich jetzt mal


Und? Sehr asozial, dieses Saarbrücken, jaja, und dieses Viertel gehört exakt zum gleichen Stadtteil wie das aus dem Bericht...davon wurde allerdings nichts gezeigt, da krieg ich echt den Hass

Freitag, 27. September 2019

3-teiliger Tagesausflug 25.9.19: eine handgezogene Fähre und Erklimmen des Rheingrafensteins

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Teil 3 Bad Münster am Stein - Fähre und Felsen

Bei meiner Suche, was in der Gegend für mich noch interessant wäre stoße ich auf Bad Münster am Stein, das praktisch noch zu Bad Kreuznach dazu gehört. Hier finde ich Hinweise auf "die einzige noch handgezogene Fähre im ganzen Südwesten" zum Übersetzen über die Nahe und von da aus den hohen Felsen des Rheingrafensteins zu besteigen, das ist genau so was, was mich reizt.

Ich recherchiere, ob sie auch wirklich fahren wird an diesem Tag, und ja, das ist der Fall, die Überfahrt kostet bloß einen Euro.
Ich parke gegenüber der Tourist-Info (ein Zufall! Und da der Ticketautomat nicht funktioniert, auch noch kostenlos) und erkundige mich nach dem Weg dorthin, denn auch hier ist nichts ausgezeichnet, weder der Weg noch die Fähre.

Es ist nicht weit bis dorthin, gerade mal paar Hundert Meter, die mich an den Gradierwerken, auch Salinen genannt, vorbeiführen, wo Salzwasser über diese Anlagen, gefüllt mit Schwarzdornreisig, läuft und eine gesunde Kur-Luft verbreitet.
Ich fange ein Tröpfchen auf und schmecke: ja, wirklich salzig.
Diese Wände sind 10 Meter hoch und haben insgesamt eine Länge von über 100 Metern und das Wasser kommt aus einer 500 Meter tiefen Quelle.




und das ist der Rheingrafenstein auf der anderen Uferseite der Nahe - und man versteht nun auch, warum der Ort "am Stein" heißt


bitte mal genauer hinschauen: auf dem linken Felsen ist ein Geländer, und dort steht jemand, und dort will ich auch hin!



Teile des Kurparks und Kurgebäude





und da ist sie tatsächlich! Ein älterer Herr steht aufrecht im Boot und zieht an einer Kette die Fähre über den Fluss hin und her
es herrscht Stille bis auf das Rasseln der Kette, sehr beschaulich und wie aus einem früheren Jahrhundert


Während ich auf ihn warte - ich bin der einzige Fährgast, oder heißt es Fährgästin? - schaue ich mir die Karten in diesem Ständer am Fährhäuschen an, obendrüber steht, dass der Fährmann sie selbst gezeichnet und gemalt hat - Stück ein Euro, ich kauf mir eine!
Der jetzige Fährmann sagt mir aber, dass sein Chef sie gemacht hat, der Chef-Fährmann sozusagen



diese hab ich mir gekauft als Andenken





Nun geht es los mit sinnvollem Bergauf - nicht wie neulich bei dem Wanderweg in Merzig - so macht mir das auch nicht so viel aus



ein kurzer Schreck: muss ich etwa wieder durch Felsenlöcher? Nein, der Weg führt links vorbei


ganz schön steil, auch wenn man das nicht so sieht


ein erster Wachturm taucht auf, und dieses untere Schild führt mich nun in die Irre


ich laufe und laufe und komme nicht auf den gewünschten Felsen, sondern immer weiter weg, dahinten sieht man ihn


das kann doch nicht richtig sein? So komm ich doch selbst in einem Bogen nicht mehr dorthin...ich habe aber doch im Fotoapparat eindeutig den Hinweis "rechts rum"



nein, das kann nicht sein, hier geht es immer weiter weg von den beiden Felsen, ich kehre um!




hier geht es nun wirklich hoch zur Burg, und mir wird klar: dieses Hinweisschild bezeichnet einen Wanderweg (!), der halt "Rheingrafenstein" heißt, und ist kein Hinweis auf die Besteigung der Burg!

Aber nun bin ich richtig


Gespannt nähere ich mich der Burgmauer, ob denn das Hochsteigen sich gelohnt hat - der Moment VOR der Aussicht ist auch ein besonderer Moment


Aber sowas von! Ich sehe da unten die Boote vom Bootsverleih, neben dem die Fähre liegt, sie selber sieht man leider nicht, aber dieser Ausblick ist klasse

der Nachbarfelsen

Ich bin aber noch nicht ganz oben, es geht noch weiter hinauf




huaah, tief, da nähere ich mich ganz vorsichtig, mit leichter Höhenangst behaftet bin ich ja weiterhin, aber ich tu was dagegen


Und übrigens: hier oben schaue ich dann mal auf die Uhr - ich bin um 15.58 Uhr losgegangen, und habe nur für mich sagenhafte 28 Minuten gebraucht, trotz des Umweges! Ich bin geplättet, das hätte ich nicht gedacht...ich hab mit mindestens einer Stunde und häufigem Stehenbleiben gerechnet, da zahlen sich die mittlerweile fehlenden mehr als 60 Butterpäckchen doch aus!




ohne Geländer könnte ich hier nur hilflos auf dem Bauch liegen und müsste mich retten lassen ;-)))


Es wird windig, Zeit für den Abstieg, in diesem Treppenschacht zieht es wie Hölle


Nun fällt mir auch der Brunnen auf



wieder unten an der Anlegestelle brauche ich ein wenig Zeit, bis der Groschen fällt


dass ich natürlich an dieser Glocke bimmeln muss, damit der Fährmann rüberkommt


Und so findet ein weiterer schöner Ausflugstag seinen krönenden Abschluss!