Achtung langes Vorwort, ist mir aber wichtig:
Es ist jetzt schon gut 2 Monate her, da habe nicht nur ich mich
über eine "Doku" (man muss es definitiv in Anführungsstriche setzen!)
von Spiegel TV - auf die ich bis dato große Stücke hielt - mächtig aufgeregt!
Das Wort "Saarbrooklyn" wurde schon vor Jahren von der jungen Saarbrücker Künstlerszene erfunden, z.B. wohl auch im Zusammenhang mit den vielen von der Stadt legalisierten Graffiti-Flächen und den Graffiti-Wettbewerben an den Wandflächen der Saaranlagen. Hier sind dann überregionale und sogar internationale Künstler am Werk.
Nun wurde das Wort hier journalistisch missbraucht, indem ein einziger Wohnblock von Saarbrücken, die Folsterhöhe, herausgepickt und runtergemacht wurde. Als Dreckloch, als Drogenpfuhl. Und man ließ es so erscheinen, als wäre das symbolisch für ganz Saarbrücken so, was für ein Käse!
Mittlerweile musste sogar zugegeben werden, dass man
Drogensüchtigen zwischen 20 und 100 Euro gab, um sie beim Konsum zu filmen.
Anschließend überließ man sie sich selbst...
Als ob nicht letztlich jede größere Stadt mit ganz wenigen
Ausnahmen so eine Ecke hätte, und dabei wurde auch noch maßlos übertrieben.
Dort ist weitestgehend alles frisch saniert bis auf den einen Block, den sie
sich vorgenommen hatten.
Und dann auch noch saarländisch falsch übersetzen...haha..."hucken"
heißt sitzen, nicht "gucken"! Sauber sauber.
Übrigens: das originale Brooklyn, früher wohl als gefährliche Gegend verrufen, ist mittlerweile ein hipper Stadtteil...und hat gar nicht mehr das negative Image, das man Saarbrücken hier verpassen wollte.
Ich arbeite seit Jahren nur wenige hundert Meter von dort entfernt
und noch niemals ist dort irgendetwas auffällig gewesen, ich kaufe fast täglich
dort in 2 naheliegenden Supermärkten ein. Da wohnen überwiegend anständige
und als normal zu bezeichnende Menschen, die jetzt irgendwie gebranntmarkt
wurden.
Warum wurde das gemacht? Vielleicht, um AKK zu schaden, die ja von
hier stammt? Ich kann es nicht nachvollziehen...armes Saarbrücken, das hast du
nicht verdient, okay, es gibt hier viel Mischbebauung seit nach dem 2.
Weltkrieg, was für eine unmittelbar an der Grenze liegende Stadt ja schließlich
leider normal ist. Aber warum eine ganze Stadt quasi als asozial und
heruntergekommen hinstellen?
Mein Bericht hier über die Treppen von Alt-Saarbrücken stammt vom
21.8. dieses Jahres, also von einem Monat danach, aber ich habe diesen Gang
nicht deshalb getan, weil ich einen Kontrapunkt zu obiger Sendung setzen
wollte, sondern weil ich das schon seit 2015 mal machen will!
Trotzdem soll er
auch die echte Seite von Saarbrücken zeigen, und ich glaube, die hat man auch
schon bei meinem Stadtrundwanderweg 2017 gesehen.
Anlass für diese Stadtwanderung war vielmehr ein Zeitungsartikel von 2015, und nun habe ich das
endlich mal umgesetzt.
Alt-Saarbrücken liegt an einem Buntsandsteinhang, und wenn ich von
der Arbeit aus nicht über Frankreich, sondern über Deutschland heimfahre, sehe ich immer mindestens eine dieser langen Treppen, die irgendwo oben im Grünen verschwinden und habe mich schon oft gefragt, wohin die
führen und wie lange sie sind, denn das Ende kann man von unten aus nicht
sehen.
Saarbrücken heißt so übrigens nicht wegen Brücken so, sondern siehe
hier:
Der Name Saarbrücken leitet sich vom Keltischen ab. Der älteste,
überlieferte Name der Stadt „Sarabriga“ bedeutet „Flussfels“. Dies bezieht sich
vermutlich auf den großen Felsen gegenüber der Alten Brücke, die von Karl V
errichtet wurde. Auf diesem wurde auch die erste Burg der Stadt erbaut und
darauf dann später das Schloss.
Man findet auch Quellen, die behaupten, der Ortsname käme von einer Brücke, aber ich hänge der obigen Version an! Sie scheint mir die am meisten begründete, und hat auch mit meiner Treppen-Exkursion zu tun (da ich mich kreuz und quer überwiegend auf eben diesem Felsen bewegen werde)
1909 vereinigten sich die nebeneinanderliegenden Orte St. Johann, Burbach und Saarbrücken zur Stadt Saarbrücken, wobei das ursprüngliche Saarbrücken zur Unterscheidung dann in Alt-Saarbrücken umbenannt wurde.
Bei einer Stadtführung lernte ich folgendes:
als man sich darauf einigen musste, wie die neu entstehende Stadt
heißen solle, war man natürlich zuerst uneins, jeder Stadtteil wollte seinen Namen benutzt sehen, vor allem da St. Johann durch
seine Lage im flachen Tal am besten für ein Stadtzentrum geeignet war,
andererseits sich Alt-Saarbrücken an Hängen hinaufzieht, aber Sitz des
Schlosses und somit vorheriges Verwaltungszentrum war.
Um hier einen Ausgleich für den ursprünglichen Ort Saarbrücken zu
schaffen und vor allem auch wegen des Alleinstellungsmerkmals (Städte mit Namen
St. Johann gibt es wie Sand am Meer...) einigte man sich auf den Gesamtnamen
"Saarbrücken".
Nun aber zum Thema "Treppen":
Alt-Saarbrücken ist durchzogen von zum Teil seit der Barockzeit
exisitierenden Treppen, die auf die Bergkette oberhalb der im Tal liegenden
Straßen führen.
Viele tragen Namen, viele aber auch nicht, ich habe durchgezählt:
es sind insgesamt offenbar 22, die vielen kleinen nicht mitgezählt, einige nicht mehr begehbar.
Die mächtigste ist die "Himmelsleiter" mit 176 Stufen,die kommt aber ganz am Ende.
Ich fange "oben" an und bin zunächst mal begeistert von
den vielen schönen Häusern.
So sieht es hier praktisch in jeder der vielen Straßen und
Sträßchen aus, und ich beginne, außer Hausansichten auch schöne Details zu
knipsen und merke schnell: so komme ich überhaupt nicht voran, da es einfach zu
viel ist! Ich gebe das auf und schaue halt nur noch und staune, wie hübsch es
hier ist! Und dann immer noch dieser Blick hinunter auf die Stadt! Wow!
Es gibt natürlich, wie überall, auch hier einige moderne Gebäude,
die sich aber gut einfügen. Und überall quillt das Grün nur so heraus!
Exemplarisch hier die ersten Detail-Fotos, bevor ich einfach
weitermarschierte:
Ich bin nicht alle Treppen abgelaufen, weil sie mir zum Teil auch
zu weit auseinanderlagen, aber die längsten und bekanntesten habe ich erstiegen
und dazwischen auch immer wieder mal ein paar kleine, die nicht extra noch
Namen tragen
was verbirgt sich denn hinter dieser ewig langen Mauer?
ein nettes Einfamilienhäuschen...später finde ich heraus, diese Stadtvilla war Wohnung des Nachkriegs-Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann, auch heute offenbar ein Privathaus
dann komme ich zu einem Gebäude, von dem ich schon öfter gehört hatte, aber nie wusste wo es steht und wie es aussieht, die sogenannte Notkirche! Ich sah den Namen immer wieder mal bei Veranstaltungshinweisen.
Sie war nach dem Krieg, als alles kaputt war, eine Spende von amerikanischen Christen für die hiesige Gemeinde und wird heute noch genutzt
auch rundum ist alles schön gepflegt
und ich mache hier eine kleine Pause und überlege, was es bedeutet, dass so kurz nach dem Krieg, wo auch amerikanische Familien gefallene Soldaten zu beklagen hatten, so eine Spende möglich war
hinter der Bank ein schöner Gingko biloba, seine besonderen Blätter sehe ich immer wieder gerne, er ist weder Laub- noch Nadelbaum, sondern einfach ein Gingko, die Gingkos bilden eine eigene Baumfamilie und sind "lebende Fossilien", sie waren nachgewiesen schon vor 250 Millionen Jahren auf der Erde verbreitet, unglaublich
diese ist eine der größeren Treppen im Viertel, die Nussbergtreppe
und von hier geht es weiter nach oben - natürlich über eine lange Treppe - zum Nussbergdenkmal
das ich noch nie gesehen habe, das aber auch sehr unspektakulär daherkommt
immerhin bin ich jetzt wohl so ziemlich am höchsten Punkt angekommen und habe von da Aussicht
nun steige ich wieder abwärts über weitere Straßen und Treppen zur offenbar längsten überhaupt, der sogenannten Himmelsleiter, sie ist auch zu lang, um sie in Gänze zu knipsen
etwa in der Mitte der Treppe liegt überraschenderweise linkerhand dieses beschauliche Plätzchen, so mitten in der Stadt mal wieder
dann kommt mir noch eine Idee: ich bin doch jetzt unten in der Talstraße angekommen, und da las ich doch mal einen Artikel, dass auf dem großen Parkhaus dort eine ganze und zwar besondere Wohnanlage errichtet worden sei, das ist doch die Gelegenheit, sich die mal anzuschauen, natürlich wieder über eine Treppe hoch aufs Parkhausdach
oh ja, das ist echt eine Überraschung, richtig hübsch hier
und stimmt, das bedenkt man gar nicht: über die Talstraße hinaus erstreckte sich früher der Schlossgarten, der allerdings leider plattgemacht wurde und dessen Rest nur noch ein Winzling ist gegenüber seiner früheren Ausdehnung (dort wurden meine Hochzeitsfotos gemacht)
von hier aus führt eine Straße bergauf, von der rechts die Laurettentreppe abbiegt
gegenüber der Laurettentreppe regelrecht im grünen Dschungel verborgen liegt eine weitere Treppe, die spare ich mir aber
soll ich die Meraner Treppe auch noch runter und wieder hoch? Nee lass ich jetzt mal
Und? Sehr asozial, dieses Saarbrücken, jaja, und dieses Viertel gehört exakt zum gleichen Stadtteil wie das aus dem Bericht...davon wurde allerdings nichts gezeigt, da krieg ich echt den Hass