Sonntag, 11. April 2021

Spaziergang Nr. 11 in Saarbrücken: die "Siwwe Weire" Saarbrücken-Gersweiler (Sieben Weiher)

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6 Tage nicht gegangen - wildes Aprilwetter (inklusive Schneesturm!) und einige Termine machten es unmöglich, ob es daran liegt, dass ich seit gestern abend wieder "Rücken hab" oder weil ich einen 15 Kilo schweren Fernseher auf dem Wertstoffhof aus dem Auto gehievt hab?

Jedenfalls musste ich dringend Bewegung haben, und obwohl es regnete, mutete ich mir tapfer einen 5-km-Weg zu, und es hat tatsächlich auch Besserung gebracht.

Schöne Bilder bei so einem Wetter sind leider unmöglich, es ist morgens 11 Uhr aber trotzdem duster - aber der Vollständigkeit halber will ich den Weg doch beschreiben. Ich werde ihn bei "mehr Grün" und schönem Wetter natürlich nochmal gehen, zumal er bei mir um die Ecke liegt.

Dies ist die Planung, einen Teil, etwa 1/3,  muss man hin- und zurückgehen, gibt keine Alternative über Waldwege.

So, also die 7 Weiher - auch auf maps stehen sie in saarländischer Mundart - sie liegen wie an einer Kette aufgereiht, sehen kann man 6 davon, einer liegt komplett verborgen auf einem Privatgrundstück.

An der Straße, die durch ein kleines Waldstück zwischen Gersweiler und Klarenthal führt, ist eine kleine Parkgelegenheit für 2-3 Autos, direkt oberhalb vom ersten Weiher. Dort stelle ich den Benz ab und steige hinunter zum Aschbachweiher. Er ist der größte der 7 - aber nicht wirklich schön, und er müffelt auch leicht, das will ich nicht verhehlen. In einer Ecke hat sich sogar etwas Plastikmüll angesammelt, schuld sind natürlich doofe Menschen.

Links oberhalb des Ufers vorbei Richtung Wiese/Wald. Die Wiese ist - wie sollte es anders sein - von Wildschweinen komplett umgeackert.

Von einem Seitenweg links kommt eine laut labernde Wandergruppe herunter und folgt mir. Nee, das mag ich net, ich sehe seitlich Richtung Bach verlockend Grünes schimmern und gehe nachschauen, Blatt abreißen und zerreiben: Knoblauchgeruch! Bärlauch! So nahe von daheim! Da weiß ich ja künftig, wo ich den hole!

Die Gruppe rauscht vorbei und ich höre wieder nur Vogelgezwitscher.

Schön, dass der Aschbach so unbegradigt mäandern darf, und auch kaum zu glauben, dass er tatsächlich 7 Weiher füllt, ist aber so.

Am Ende kommt man auf eine Straße, die man überquert, schräg gegenüber geht es weiter, es gibt auch ein Hinweisschild (diese Dreispitzhütte, die da aufgeführt ist, kenn ich nicht, wäre ja auch mal noch eine Zielmöglichkeit, scheint aber nur eine Grillhütte zu sein).

Hier sieht man ein wenig vom Weiher Nr. 2, aber nur über einen Zaun, Weiher Nr. 3 bleibt unsichtbar.

Gegenüber von Weiher Nr. 2 steht dieses Kreuz von 1956, es gedenkt an "den untergegangenen Hof Aschbach und das verschwundene Dorf Aschbach". 

Die vom Dorf übrig gebliebene kleine Kirche wurde danach als Pestlazarett benutzt, ich zitiere von dieser Seite:

Im 30-jährigen Krieg wurde das Land von der Pest heimgesucht und man bestimmt die alte, nun einsam gelegene Aschbachkirche zum Pestlazarett. Hierfür wurde das Gebäude im Jahr 1624 umgebaut, auch mit Materialien der damals noch bestehenden Aschbachziegelei. Besonders heftig wütete die Pest 1626, 1628 und 1634. Während dieser Zeit musste das Lazarett erweitert werden. Noch viele Jahre nach Schließung des Pestlazaretts mied man diesen Bau, der von da an den Namen 'Pestkirche' oder 'Pestburg' trug.

Ich habe auch eine Art persönliche Beziehung zu diesem Ort: Praktisch um die Ecke hatten mein erster Mann und ich gebaut, und bei den Ausgrabungen hier 1990 hat mein Mann als Mitglied im Heimatkundlichen Verein mitgeholfen, und ich als junge Mama ging nachmittags dorthin und ließ meinen Jungen da im Sand spielen. Es wurden übrigens auch Skelette gefunden, natürlich nicht da, wo das Kind spielte ;-)

Man vermag sich nicht vorzustellen, wie es im 17. Jahrhundert ohne Medikamente und ohne Intensivmedizin zu einer solchen Seuchenzeit gewesen sein mag - ich ziehe jetzt aber keine Parallele zu Corona...nicht zu vergessen, dass die Menschen damals zusätzlich auch noch unter dem 30jährigen Krieg litten. Dagegen geht es uns doch Gold.

Aber weiter auf dem Weg, der nun zwischen Wiese und Acker, auf dem sich gerade der Raps entwickelt, weitergeht, hinter dem Wald übrigens ist schon Frankreich.

Ein kalter, nasser Wind pfeift hier, ich mache meinen Schal ab und wickele ihn mir um Kopf und Hals, sonst fallen mir die Ohren ab.

Hier könnte man schön sitzen unter diesem mächtigen Baum mit Blick auf die Weiher Nr. 4 und 5, die als Angelweiher genutzt werden.

Auf dem schmalen, buckligen und lehmigen Weg nach unten habe ich etwas Bedenken, auf dem Po zu landen - nicht gut, wenn der Rücken eh schon Probleme macht - ich komme aber unbeschadet unten an.

Nach links (der Weg ist auf google gar nicht zu sehen) gehe ich am 6. Weiher vorbei, nun hat man alle 3 im Blick, Nr. 4 liegt etwas tiefer, man kann ihn gerade noch erkennen

Und das ist Nr. 7 - ich wundere mich, denn vor ein paar Jahren stand da noch ein Schild "Biotopweiher" und es gab Schilfrohr etc., nun ist auch er ein Angelweiher. Hm.

Coronaauswirkungen auch an der Anglerhütte.

Ich gehe nun weiter, lasse die Weiher hinter mir, es geht zurück hinter den Freizeitgrundstücken vorbei, bis man wieder an die zu überquerende Straße kommt.

Und dann denselben Weg zurück.

Der Regen hat sich noch verstärkt, ich versuchte es mit diesem Regentropfen-Blick auf den letzten Weiher zu verdeutlichen.

Laut maps ein Weg von 1 Stunde 7 Minuten, ich war 87 Minuten unterwegs.

Und das hier passiert mir fast jedes Mal: mein "guter" Fotoapparat nimmt keine SD-Karten mehr an, ich hab nur den internen Speicher mit 21 Fotos zur Verfügung, danach knipse ich mit dem Handy (ungern), und oft finde ich dann zu meiner Überraschung anschließend noch so ein Foto vor 😂



Für Sonntag 11.4.21 sagt der Wetterbericht 100% Regenwahrscheinlichkeit voraus - mal sehen, ob ich es trotzdem schaffe, mich zum Rausgehen zu zwingen - hätte ich einen Hund (was ich gerne hätte), müsste ich es ja auch tun....

Sonntag, 4. April 2021

Spaziergang Nr. 10 in Saarbrücken: Der Winterberg und das gesprengte Denkmal - das war etwas knifflig

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Der Winterberg thront über der Stadt und dem Almet, dem Naherholungsgebiet, und oben drauf steht die Klinik. Rundum aber Wald, da wollte ich mich bewegen.

Sicher ist es dilettantisch, sich einen "Wanderplan" auf diese Art und Weise zu erstellen, aber damit kam ich bei den vorherigen Spaziergängen gut zurecht: bei maps über den Routenplan "zu Fuß" einen Weg erstellen, abfotografieren am PC und dann danach laufen. Hier am Winterberg, zu dem ich keine einzige konkrete Wander-/Spazierbeschreibung finden konnte, wären zu den 2,1 km ja noch ein paar Hin- und Her-Wege oben dazu gekommen (man sieht die dünnen Linien der Waldwege) sowie der Rückweg, sodass ich da auf gewünschte Circa-4-km hätte kommen können.


Diese Robert-Koch-Straße, die ich als idealen Ausgangspunkt nahm, weil sie eine Sackgasse ist, die einfach in einen Waldweg mündet, fand ich sehr interessant, die Anwohner haben freien Blick runter auf die Stadt, links ist nur Wald, ich war hier noch nie, da kann man sicher - außer bei Glatteis - richtig gut wohnen.





Erste Ausblicke


Nach links ging es nun allerdings nur zu einer anderen Straße, oben sah ich schon die Klinikgebäude durchschimmern, so wollte ich das ja nicht....


aber eine Alternative zu dieser Treppe hoch zum Klinikgelände gab es nicht




Mir blieb nichts anderes übrig, als hier quer drüber und dann auf der anderen Seite entlang zu laufen, immer auf der Suche nach einem Weg wieder in den Wald zurück





da fand ich ihn dann, ging zwar abwärts, aber egal jetzt





Zu diesem Bild: ich sah erschreckend viele auch riesige Bäume, die hier entwurzelt lagen, manche offensichtlich noch nicht lange, da noch belaubt, ich führe das auf die Trockenheit der letzten Jahre zurück und es ist zum Fürchten... hier entschied ich mich für den Weg nach oben






und was für ein Dusel: da scheine ich doch zufällig die richtige Richtung zum zerstörten Winterbergdenkmal gefunden zu haben


der Baum erinnerte mich an einen Kraken








mehr haben sie nicht übrig gelassen - 1870 erbaut wurde es 1939 von der deutschen Wehrmacht selbst gesprengt, damit es nicht als Orientierungspunkt für die Feinde dienen könnte, es war halt weithin sichtbar und ca. 30 Meter hoch auf einem freien Plateau





Vom Sockel aus schaue ich, in welche Richtung ich wohl sinnvollerweise weitergehen sollte und wähle diesen Weg, gefühlt in die entgegengesetzte Richtung, die Orientierung habe ich längst verloren :-)


Auch hier oben überall Wildschweingewühle - ich glaub, in Saarbrücken müssen riesige Horden davon unterwegs sein, denn praktisch an jedem der bisherigen Wege sah ich mehr oder weniger von ihren "Grabarbeiten"




Vom Weg aus sehe ich eine Art kleine Schlucht, da wollte ich eigentlich hin, aber ist versperrt


hm viel war da wohl eh nicht zu sehen außer einem Hochsitz, also weiter











und dann wurde es witzig:

um nun doch mal zu finden, wohin ich mich wenden soll, um wieder zum Ausgangspunkt zu kommen, stehe ich am Wegrand mit Bllick auf die Stadt und suche am Handy über maps und Standort, wie ich da wohl gehen müsste, es wird mir auch eine Zickzacklinie angezeigt und der Hinweis, ich solle "nach Osten gehen" - da nähert sich ein Nordic-Walker mittleren Alters und fragt, ob er mir behilflich sein kann.

Ich sage ihm, dass ich zurück zur Robert-Koch-Straße möchte, aber unentschlossen bin, was diese Linie bei maps nun von der Richtung her meint.
Soll ich nun nach links oder nach rechts???
Er ist sich sehr sicher, ich müsse unbedingt nach links gehen, allerdings steht da die Sonne sehr tief, wir zitieren fast zeitgleich "Im Osten geht die Sonne auf, im Westen geht sie unter" - also kann links doch nicht Osten sein, wenn da am Spätnachmittag die Sonne steht...
Da er sich aber weiterhin sehr sicher ist, empfiehlt er mir doch, mich nach links zu wenden.

Er selbst stapft nach rechts.
Gut okay, ich also nach links bergab. Immer den Blick aufs Handy. Aus anfänglich 950 Metern und 18 Minuten werden 1000 und 19 Minuten und so weiter...nee, das kann nicht richtig sein.

Ich kehre um und gehe nun doch nach rechts, und siehe da, die Angaben zählen nun auch runter - was lernen wir daraus? Auch mancher Mann hat kein besseres Orientierungsvermögen als ich :-)))





hier heißt es öfter Bücken, denn auch hier liegen viele gestürzte große Bäume


und von hier, schon ziemlich unten, habe ich dann den besten freien Blick bisher auf die Stadt






diese "schöne Trockenmauer" fand ich in einem recherchierten anderen Blogbeitrag, die liefen allerdings die Straßen ab wegen der schönen Häuser, die hier überall stehen, im Sommer ist das sicher Wohnstätte für Reptilien und anderes Getier


nun muss ich noch etwas mehr als einen Kilometer zurück zum Auto, exemplarisch für die vielen herrlichen und alle unterschiedlichen, individuellen Villen diese beiden Fotos - insgesamt war ich 80 Minuten unterwegs