Freitag, 22. April 2016

Premiumwanderweg "Schauinslandweg" Hangard - in jeder Beziehung total unterschätzt!

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Gewandert am Mittwoch, 20.04.2016
 
meine persönlichen Einschätzungen:
Schwierigkeitsgrad: mittelschwer, aber ein Traum von einem Weg!!!
Länge: ca 10 km
Streckenart: viele Steigungen, viele Abstiege, ein richtiger Knie- und Beinmuskelherausforderer, aber jede Mühe wert! Ich wäre den Weg auch jetzt nicht gegangen (Gedanke: "was soll da schon Tolles sein, so nahe bei einer ehemaligen Industriestadt wie Neunkirchen), wenn ich nicht in Zeitdruck gewesen wäre, und das wäre echt schade gewesen. 
Er bietet:
 
11 (!!!) Aussichtspunkte, jeweils auch immer mit Bänken zum Rasten und Schauen
2 Brunnen
2 interessante Schluchten/Kerbtäler
und das coolste Highlight: ein (fast) nagelneuer Aussichtsturm!
Viele schmale, verschlungene Pfade, kleiner Anteil an Asphaltwegen zwischen Pferdekoppeln hindurch, Wiesenwege, Waldwege anfangs durch Tannen-, später dann durch Laubwälder


Dankenswerterweise hat die Stadt Ottweiler mitten im Ort diese braunweißen Hinweisschilder aufgestellt, denn ich hatte mein Navi nicht finden können....

An einem Penny Markt vorbei geht es aus dem Ort hinaus, bis man kurz nach Ortsende links in einen Parkplatz einbiegt, hinter dem dann schon der Startpunkt, ein Angelweiher mit Hütte, liegt.

Ich hatte gleitzeitfrei, aber auch einen Termin am Nachmittag, und da für Mittwoch schönes, regenfreies Wetter angekündigt war, für das Wochenende aber Regen, stand ich halt "einfach" um 5 Uhr auf und war um 7 Uhr vor Ort. Eine große Infotafel steht direkt am Parkplatz.

Die Wegmarkierung ist hier allerdings nicht dieses weiß-magentafarbene Traumschleifenlogo, sondern ein grün-blaues Motiv, was sich ehrlich gesagt nicht so gut aus der Natur abhebt.  Aber bis auf zwei Ausnahmen (Startpunkt und dann oben am 3. Aussichtspunkt "Schauinsland") ist die Markierung durchaus gut.


Hier liegt noch der Frühnebel auf dem Angelteich, weit hinten sieht man die Holzbrücke, über die der Weg führt


Nach ca. 1 km ständigem Aufstieg (hätte ich nie gedacht...wir sind doch hier nicht im Voralpenland???), aber lohnend, denn da kommt schon der 1. Aussichtspunkt mit Bank


Es ist immer noch sehr früh, die aufgehende Sonne wirft noch sehr lange Schatten


der erste Brunnen - es steht noch nicht mal das obligatorische "kein Trinkwasser" dran, aber ich habe eigenes Wasser dabei


bald schon kommt Aussicht Nr. 2 mit einem 180-Grad-Blick




Und weiter geht es bergauf, zum Aussichtspunkt, der wohl dem Weg seinen Namen gab, den ich aber fast am unspektakulärsten fand, vor allem auch wegen der Stromleitungen etc.

An diesem Punkt wäre ich auch ins Trudeln gekommen, hätte ich mir nicht vorher bei Outdooractiv die Wegbeschreibung ausgedruckt und mitgenommen, denn von der Bank aus (im Hintergrund steht ein Wochenendhäuschen oder eine Hütte) sieht man keinerlei Wegezeichen mehr, aber wenn man die Bank im Rücken hat, muss man sich nach rechts wenden und einfach über eine mehrere hundert Meter lange Wiese laufen, nach einiger Zeit trifft man dann auch wieder auf Markierungen und hölzerne Übertritte an feuchten Stellen




Nach gefühlten 1,5 km dann der Aussichtspunkt Rohn, und kurz dahinter wieder ein Brunnen




Nach Wegstücken mit Waldanteil, aber auch an weiteren Wiesen, Weiden und Wochenendhäuschen vorbei ist dieser Aussichtspunkt nun leider etwas zugewachsen:



einige Zeit danach geht es bergab, autsch meine Knie....aber belohnt wird man durch den Eintritt in das Kerbtal/die Schlucht "Kerbacher Loch"


man geht viele hundert Meter ein Stück oberhalb eines rauschenden Baches, ein schmaler Hangpfad, ehrlich wunderschön, selbst jetzt, wo im Vorfrühling nur wenig Grün zu sehen ist. Vor allem sind Strecke und Schlucht sehr gepflegt, nirgendwo Müll, das hatte mir in der Oppig-Grät-Schlucht nicht so gefallen, dort lag einiges, sogar eine alte Badewanne...




Eine fast unleserliche Tafel, die ich knipste und dann erst zuhause am PC entziffern konnte, schildert anschaulich, wie es zur Entstehung dieses Kerbtals und einem weiteren am Ende des Weges kam, ich habe es abgeschrieben, weil es sehr besonders ist!

Entstehung der Schluchten Hiemes und Kerbacher Loch:

Als Folge eines verheerenden Wolkenbruchs am 4. Juli 1875 entstanden die Täler zur "Hiemes" und "Kerbacher Loch". Riesige Schäden in der Landwirtschaft und in den Gärten unseres Dorfes führten zu Nahrungsknappheit. Die Brunnentröge in der Ortsmitte wurden weggeschwemmt und die Wiesen im Ostertal lagen voll mit Geröllmassen. Der entstandene Schaden belief sich auf 100.000 Mark. 
Die bei den Aufräumungsarbeiten eingesetzten Steinbacher Bürger - meist von der Arbeit freigestellte Bergleute - verkonsumierten vom 4. bis zum 20. Juli insgesamt 45 Liter Branntwein, für dessen Kosten die Gemeinde aufkam.


Und hier sieht man auf dem 2. Foto die "Steinerne Wildsau", eine Bildhauerarbeit, die mitten im Bach liegt




Aus der Schlucht steigt man über eine Brücke und Holztreppen bergauf, und dann geht es weiter durch Wald, bis man wieder auf den nächsten Aussichtspunkt trifft, den Hahnenberg



Wenige Meter danach Staunen: da steht, wie ein Weihnachtsbaum geschmückt, ein "Osterbaum" im Wald, aber das nachfolgende Schild zeigt: auch mitten im Wald gibts Idioten!!!



Als ich aus dem Wald herauskomme auf ein weitläufiges Wiesengelände, traue ich meinen Augen nicht: das wusste ich vorher gar nicht, da steht ja ein Riesenaussichtsturm!!! Keine Ahnung, ob die Wegstrecke dort vorbeiführt, aber für mich steht sofort fest, auch wenn ein Umweg erforderlich ist, da muss ich hin und hinauf! So eine geile Überraschung!!!


Aber schnell wird klar: der Turm ist in den Weg integriert, also keine Umwege erforderlich



Der Turm ist 20 Meter hoch! Auf den einzelnen Treppenstufen befinden sich jeweils Namensschilder der Spender, die das möglich gemacht haben



Etwa von der Mitte aus hat man schon einen tollen Blick


Und ich wage mich ganz nach oben, wenn auch zunehmend zögerlicher, je weiter ich nach oben komme, denn der Wind pfeift und tobt echt höllisch, ohne meine Kapuze hätte ich es wohl gar nicht ausgehalten, es ist ja nur zwischen 6-8 Grad so früh am Morgen


Von der überdachten oberen Plattform hat man wirklich einen fantastischen Rundumblick, sehr lohnend! Leider kann ich mich nicht lange aufhalten, es pustet einfach zu stark und ich habe die Handschuhe unten im Rucksack gelassen



auf der zweitobersten Etage, der winkende Schatten, das bin ich :-)


Gleich neben dem Turm ist dann auch eine Bank für den jetzigen Aussichtspunkt, aber der Turm toppt natürlich die Aussichtsmöglichkeit von hier


Gleich ein paar Meter weiter: "Flowtrail"??? Was ist das denn? Nie gehört...ich studiere die Infotafel, aha, das ist eine extra angelegte Rennstrecke bergab durch den Wald für Mountain Biker! Unterwegs sehe ich dann auch Teile der Strecke, die auch über Holzbrücken und enge Kurven den Wanderweg kreuzt, da geht sicher mordsmäßig die Post ab, wenn die da runterrasen


Nun wird es wieder hell und licht, es geht gemütlich über Streuobstwiesen - leider blühen die Obstbäume noch nicht - zu einem weiteren Panoramablick




ein paar hundert Meter weiter gleich der nächste



nun geht es wieder bergauf, später dann gelangt man an diesen Fischweiher, danach geht es weiter zum Aussichtspunkt Meisbach, nun sind zwei Drittel des Weges schon geschafft






Und dann wird es echt wild: eine zugewucherte, enge, tief eingeschnittene Schlucht, in der auch ein Bach rauscht, mehrfach überquert man diesen in einigen Metern Höhe über stabile Metallbrücken, am engen Weg immer wieder Felsformationen, die wie aufgeblätterte Buchseiten aussehen



Nun bin ich wieder am dem Angelweiher angekommen, der um 7 heute morgen noch im Nebel lag, nun ist er sonnig beschienen und es sind auch schon Spaziergänger da

Dieser Weg ist echt ein Knüller und wird von mir sicher noch oft gegangen werden!


Und Baumpilze gab es auch :-)


1 Kommentar:

  1. So viele tolle Ausblicke! Als ich Schauinsland las, dachte ich erst, du wärst bei uns gewesen. Der Freiburger Hausberg heißt doch auch Schauinsland :-D Die Tour würde mir auch gefallen. Sehr abwechslungsreich sieht sie aus. Wald, Wiese, tolle Aussichten und dann sogar Schluchten mit Felsen. Ganz toll!

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