Montag, 23. Juli 2018

Flashback: Dinge, die man in 5 (oder 10) Minuten erledigen kann

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Neulich, als ich wegen Rücken-Aua nach einer Putzaktion ein paar Sitzminuten brauchte und dabei wild im Web surfte, was springt mich da von einem blog an?

"10 Dinge, die du in 10 Minuten erledigen kannst"

Schlagartig war ich ans Ende der 90er Jahre zurückversetzt, sah mich selber im Flur meines damaligen Hauses stehen und auf mindestens einen meiner 3 Jungen warten, eigentlich waren alle schon fertig zum Abflug, als dann eine dieser Verzögerungen eintrat, mit denen bei Kindern immer gerechnet werden muss: noch schnell doch wieder auf die Toilette, ein Spiel/Kuscheltier mitnehmen, ein Schulbuch vergessen, nach oben eilen, wo gerade der Bruder die Treppe runterkommt und sich an ihm für eine erlittene Schmach rächen...usw. usw.

Damals war ich - heute kaum fassbar für mich - Vollzeit berufstätig, alleinstehend, ohne jede familiäre Unterstützung, jedes Kind in einer anderen Schule/Betreuung, dünn wie ne Zaunlatte, immer auf Turbo, und trotzdem immer den Jungs voll zugewandt, jedes kleine Kümmernis ernst nehmend und mit dem Satz meiner Mutter im Ohr "die armen Kinder, da haben sie schon sowieso Probleme (Scheidung) und dann sollen sie auch noch im Haushalt arbeiten, das habt ihr nie gemusst" - und so habe ich alles, wirklich alles alleine gemacht, nun ja, sie mussten helfen, Einkäufe aus- und wegzuräumen, das war es dann aber auch schon.

Und mein damaliger (gut bezahlter) Arbeitsplatz (Geldmangel gab es damals immerhin keinen) war auch eine verantwortungsvolle, leitende Position in einem Industriebetrieb in meinem studierten Beruf als Diplom-Betriebswirtin, voller ständiger neuer Anforderungen, schwieriges Betriebsklima….und anstrengend und belastend.

Nun ja, ich komme mal auf den Punkt: wegen dieser vielen kleinen Unterbrechungen im Tagesablauf, wobei ich mich immer bemühte (meist erfolgreich) mit den Kindern Geduld zu haben, führten zu einer eigenproduzierten Idee, mir eine Liste in den Flur zu hängen mit "Dingen, die ich in 5 Minuten erledigen kann", damit diese Zeit nicht ungenutzt blieb, das konnte ich mir organisatorisch eigentlich nicht erlauben, so einen Müßiggang.

Was da drauf stand, weiß ich heute nicht mehr so genau, wahrscheinlich sowas wie:

Müllbeutel rausziehen und verknoten und für später bereitstellen, neuen Beutel rein
Handfeger nehmen und ein paar Treppenstufen ins Obergeschoss fegen
In den Kühlschrank spähen, ob da was lange Abgelaufenes drinsteht
Von den Topfpflanzen abgefallene Blätter aufsammeln und weg
usw. usw.

Das ging über Jahre so...wundert es irgend jemanden, dass ich am Ende dieses Jahrzehnts einen massiven Nervenzusammenbruch hatte, der zu einem halbjährigen Krankenhausaufenthalt führte?

Ich blieb allerdings nur 14 Tage stationär, weil ich die Kinder nicht länger in anderer Betreuung lassen wollte, und war dann in einer Tagesklinik, von Oktober bis zum März des Folgejahres. Noch heute bin ich der Krankenkasse und der AWO dankbar für die Unterstützung, die mir damals zuteil wurde, man stellte uns eine Art Tagesfrau, für den Haushalt und die Kinder.

Ich rappelte mich nochmal auf, wechselte den Arbeitgeber, schon immer ein Stehauf-Frauchen machte ich dort sogar nochmals Karriere...mit Mitte/Ende 40 fast ein Kunststück.
Heute dagegen ist mein Leben gänzlich anders, sehr viel weniger Geld, aber auch sehr viel weniger Stress, die Jungs erwachsen und ich bin zufrieden und gelassen, so wie es ist ist es gut.

Ein Beitrag ohne Fotos? Mag ich nicht...da ich keine aus dieser Zeit habe, dann halt zwei meiner Scrapbooking-Layouts aus 2003 und 2005 (sehr blumig, war mal Mode), 2003 glaubte ich sogar an neues privates Glück, 2005 (ich glaube, man sieht es...) ging diese Hoffnung dann schon wieder zur Neige. Heute bin ich 100%iger freiwilliger Für-immer-Single.






6 Kommentare:

  1. Du siehst auf den Bildern aus, wie ein anderer Mensch. Und wenn dein Leben heute so anders läuft als damals und du völlig zufrieden bist, dann bist du wohl auch eine etwas andere als damals :-)

    Manchmal könnte ich so eine Liste mit 5 Minuten Erledigungen auch gebrauchen. Dabei habe ich nichtmal Kinder. Trotzdem hat der Tag manchmal 12 Stunden zu wenig. Allerdings habe ich mir angewöhnt, daheim einen Perfektionismus walten zu lassen. Wenn was nicht ordentlich ist, dann bleibt das so. Manchmal so lange, dass ich nach Wochen einen Großputztag einlegen muss - aber dann ist das halt so :-D

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  2. Das sollte natürlich KEINEN Perfektionismus heißen :-D

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  3. das hatte ich mir so gedacht! Aber man kann ja - aus gutem Grund - nicht korrigieren

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  4. erst heut mal muße in ruhe zu kommentieren:
    immer wieder höre/lese ich solche geschichten.
    und oft kommt dann nichtmal eine entspannte, gereifte und zufriedene frau "hinten raus" - so wie bei dir. etliche "enden" in schweren krankheiten oder tiefen depressionen.....
    hast du deiner mutter eigentlich mal die meinung gegeigt für ihren fiesen spruch?? und abgesehen davon bin ich der festen meinung dass kinder ihren beitrag zum haushalt leisten müssen - schon damit sie was lernen. und ich glaube auch nicht dass kinder glücklicher sind mit einer rosaroten wattewolkenkindheit für den preis einer völlig abgekämpften mutter. ausserdem gibt man ihnen ein schlechtes beispiel - sie werden zu devoten weibchen oder fiesen chefs, wenn sie nicht schon als kind lernen wie kameradschaft & teamwork geht. die leistungsorientierte schule vermittelt sowas ja auch nicht.
    erschütternd finde ich, dass solche selbstausbeuterischen frauenbilder immernoch durch die medien geistern als "gutes beispiel"! und vor allem nicht etwa von männern propagiert werden - nein - es sind die weiber selber, die sich gegenseitig in ihren opferrollen bestärken! und natürlich das immer schön an die kinder weitergeben....
    und nein - ich habe keine kinder. aber deswegen viel muße gehabt mir die ganze chose "von draussen" anzugucken und die sache zu analysieren. ausserdem spüre ich es am eignen leib - die mutter vom BW war eine ganz fürsorgliche - und der mann hat einfach 2 linke hände im haushalt, sieht nie den dreck und kann ganz schlecht organisieren - wenn er nicht so´n lieber kerl wäre.... ;-D
    xxxxxx

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  5. hallo Beate - erstmal danke für deinen intensiven Kommentar - meine mutter starb schon, bevor ich diesen zusammenbruch hatte - aber auch wenn nicht, weiß ich nicht, ob ich mich gegen ihre Haltung in diesem Punkt hätte wehren können, heute vielleicht ja, damals ziemlich sicher nicht...sogar mein Vater rief mich damals (im Krankenhausgarten) zur Vernunft auf, da meine Mutter halt "Nur-Hausfrau" war, und dass ich ihrem Vorbild nicht folgen könne, wenn ich auch noch arbeiten gehe, und meine beiden Eltern hatten ja schließlich gewollt, dass ich studieren kann etc. und es "mal besser habe". Nur wie man das dann alles miteinander vereinbaren kann, dafür gab es halt keine "Anleitung". Zum Glück sind meine Jungs nicht fies geworden - zumindest ist mir derartiges noch nicht zu Ohren gekommen.

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  6. ;-DDD
    das war ja auch nur als zuspitzung gemeint um zu verdeutlichen.... und so nett wie du bist - der appel fällt nu ma nich weit vom stamm!!
    xxx

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