Montag, 19. Februar 2018

Rundweg "Historischer Halberg" Saarbrücken

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Zuerst das Gejammer, dann haben wir das hinter uns:

ich schrieb ja schon mal, dass ich absolut nicht winterfest bin, draußen (vor allem bei Wind), tränen meine Augen, und zwar nicht einmal, sondern permanent, ebenso fängt sofort die Nase an zu laufen...da macht Wandern keinen Spaß. Tupfen, schnupfen, tupfen, schnupfen...
Am Sonntag 18.2. dachte ich jedoch, es ist so schön sonnig, wer weiß, wann ich nochmal die Chance habe, und ich will endlich mal raus, etc.pp.

Es war 2 Grad plus, allerdings ziemlich windstill, da dachte ich, das kann ich doch mal machen - und der Rundweg hat noch keine 4 km, eigentlich ein Witz. 
Jedoch schon nach wenigen hundert Metern hatte ich das vierte Taschentuch in Gebrauch und meine Finger waren trotz Handschuhen so steif und schmerzend, dass ich kaum noch den Auslöser der Kamera drücken konnte...da der Weg aber anfangs bergab führt, hatte ich keine Lust, nochmal umzukehren und ging tapfer weiter, mit einem zweiten Paar Handschuhen über dem ersten...
Und die Haut auf den Wangen...ich hatte das Gefühl, die reißt ein...(tat sie natürlich nicht)

Wer mir entgegen kam dachte sicher, die arme Frau hat sicher große Probleme...gerötetes Gesicht, knallrote "Säufernase", heult und schnupft herum - zum Glück sprach mich keiner an 😎.

Nun aber zu dem Weg: ich hatte 13 (!) ausgedruckte Seiten aus der Wegbeschreibung mit dabei, dachte mir so romantisch, ich bleib überall stehen, lese das und versetze mich in die vergangenen 2000 Jahre, in denen auf diesem kleinen Berg (eher doch ein Hügel..) Geschichte stattfand. Es gibt 16 Wegstationen!

Dazu war mir dann natürlich nicht mehr zumute, aber immerhin hab ich doch von fast jeder Station Bilder gemacht und will kurz was berichten, der Halberg war schon zur Römerzeit besiedelt, danach von Fürsten und Grafen, und mehrere Bunker gibt es da, ich sah alleine 4 (es gibt 18!), zeugen auch von der dunklen Zeit des Landes.

Ich sag es aber noch gleich:

An einem Teil der Stationen muss man seine Fantasie bemühen - denn im Lauf der Jahrhunderte ging vieles verloren - ich kann nichts dafür, es gibt dann nur Fotos von den Infotafeln

1. Start am Parkplatz oben auf dem Halberg, in der Nähe des Saarländischen Rundfunks
Infotafel

dann erst mal bergab, wie ich schon anderweitig schrieb: alles grau und braun um diese Jahreszeit


2. 
1762 - 67 Fürstlicher Weinberg - nix mehr davon da

 3. 
ab 1. Jahrhundert n. Chr. Römische Siedlung am Fuß des Halbergs
von hier oben eh nix zu sehen, und auch nur paar Trümmer da

hier dann endlich mal was zum Gucken:

4. 
ab 1. Jahrhundert n. Chr. Mithrasheiligtum





5.
1810: der gute (bedauernswerte) Mottel
Ein Junge (oder schon junger Mann), der als 18jähriger Knecht beim Pferdetränken an der Saar unweit von hier ertrunken war, muss eine so bemerkenswert gute Seele gewesen sein, dass seine Freunde/Kollegen ihm hier ein Denkmal setzten (sowas rührt mich auch noch nach 200 Jahren...)


Dreht man sich um, schaut man schon auf Bunker Nr. 1 - alle Bunker sind Richtung Frankreich ausgerichtet


Vielleicht hundert Meter weiter Bunker Nr. 2


6.
ab 1908: Siedlung für leitende Angestellte der Halbergerhütte des Großindustriellen Stumm (der ein wahrer Krösus war, wie sich später noch zeigen wird)
exemplarisch 2 Häuser:

7.
ab 1939: Westwallbunker WH 316 - in dem ich schon mal drin war!
Der Bericht von 2015 befindet sich *hier* ruhig mal anschauen, der ist voll original eingerichtet! Leicht gruselig....

Jetzt komme ich im Wald hinter der Halbergerhütte vorbei, und was da von weitem erst wie gespenstische Hochhäuser aussah, sind aber solche - mh - Kühltürme?


8. 
ca. 1760 Schankenbrunnen
eine erst im Sommer 2016  wieder freigelegte (auch ein Langzeitarbeitslosenprojekt wie die Freilegung der Drachenzähne, ich habe darüber geschrieben) Kaskadenbrunnenanlage, die komplett zugewachsen war, die Beckenränder wurden wieder aufgemauert, Wasser fließt, ist aber sehr veralgt momentan - lässt vergangene Pracht erahnen



 direkt darunter eins meiner Traumhäuschen als Altersruhesitz, das kleine Pförtnerhaus (mit Teich!) - direkt links davon sieht man zwei dicke Torpfosten, denn:

"Das Pförtnerhaus entstand etwa um 1882. Nachdem Carl Ferdinand Stumm den Halberg erworben hatte (1877), wurde das ganze Gelände eingezäunt. Wer Einlass begehrte, musste eines der mit Pförtnerhäusern ausgestatteten Tore benutzen."




Und direkt dahinter kommt - leider in Baugerüsten und Planen:

9. 
1881 Die Stummsche Kirche  
Der Großindustrielle hatte sich hier seine eigene Kirche gebaut, natürlich auch für die Bevölkerung, aber trotzdem irgendwie Wahnsinn...sein Wappen prangt am Portal, heute weiden davor diese goldigen Minipferde, die ich sehr enttäuscht habe, hatte nichts dabei







gleich um die Ecke Bunker Nr. 4

10. Halbergweiher
nur noch ein Schatten seiner selbst, stellt man sich vor, dass hier früher das Fürstenvolk Kahnpartien veranstaltete und Schlittschuh gelaufen wurde...

11.
Barockzeit: Hirschwiese - auch hier ist Fantasie erforderlich, früher graste hier das fürstliche Wild, übrig blieb nur der beeindruckende Mammutbaum:



12.
19. Jhd. Privatfriedhof der Familie Stumm (einer von zweien)



13.
19. Jhd: nur noch ein Trümmerfeld - Wasserspiel, Kaskaden die über Felsbrocken sprangen, und Storchenweiher (der zugeschüttet wurde für die Straße)

lohnt das Foto nicht...
  jetzt diese Treppe hoch und dann...



gibt es was zum Grinsen (find ich), ein Baudenkmal der besonderen Art - der taaaadaaaaaaa




Buspilz! Steht unter Denkmalschutz! 😊😊😊


14.
1966/67



 16.
 1877 Und jetzt...Das nette Einfamilienhäuschen des Hüttenbesitzers Herrn Stumm auf dem Halberg, samt Ökonomiegebäuden, Pförtnerhäusern, Portal...






 17.
Grabmal Fürst Heinrich

Nr. 18, die langweiligen 60iger Jahre Bauten des Saarländischen Rundfunks hatte ich keine Lust zu knipsen, bloß dies hier, das auch unter Denkmalschutz steht (und das ich hässlich finde)










Montag, 22. Januar 2018

Ein Wochenende in Bayrisch Franken....

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....ist für uns mehr gewesen als nur ein kleiner Mini-Urlaub, sondern es war ein Eintauchen in die Vergangenheit.

Ab Ende der 80er Jahre haben wir nämlich hier fast jedes Jahr einen Urlaub verbracht, und selbst als eins meiner Kinder schon groß war, zog es ihn auch alleine immer wieder hierher, meinen letzten runden Geburtstag haben wir hier gefeiert usw. usw.

Nur im Schnee, da haben wir das Örtchen, in dem wir immer wohnten, noch nicht gesehen.

Es ging schon frühzeitig los mit Schneelandschaften, wie wir sie hier im Saarland nahe Saarbrücken kaum jemals zu sehen bekommen. Einfach mal aus dem Auto heraus fotografiert, ich musste ja nicht selbst fahren.



Am Samstagabend, nachdem wir in der Alten Post im schönen Nachbarörtchen Leutershausen prima gegessen hatten, sah es dann so aus, irgendwie wie Weihnachten:







Und beim Heimkommen an der Ferienwohnung auch so:

In diesem schönen alten Bauernhaus im winzigen Ort Binzwangen hatten wir gewohnt, hier gibt es keine Straßennamen, sondern die Häuser sind einfach durchnumeriert, eben weil es so wenige sind:





 Am Sonntagmorgen (nachdem ich unglaubliche 9 Stunden geschlafen hatte! Was sagt mir das? Zuhause schaffe ich 6) dann wollten wir uns einen Spaziergang durch das vertraute Örtchen gönnen, das artete allerdings zu einer ziemlichen Strapaze aus und war nur mit Willenskraft zu bewältigen. 

Es wäre noch nicht mal so schlimm kalt gewesen, aber es wehte ein fürchterlicher Eis-Wind, mir liefen die Tränen nur so übers Gesicht (mit ein Grund, warum ich im Winter nicht wandern kann, ich verflüssige mich dann förmlich) und es wurden Witze über mich gemacht 😎. 
Aber den anderen ging es auch nicht besser, wir haben alle gelitten. Hier ist halt viel freies ebenes Land, der Wind wird durch nichts aufgehalten, es blies wie Hölle. Hier ein paar Impressionen:





Noch einen Abstecher zu ein paar Tieren des Ferienbauernhofs:



Dann fuhren wir Richtung Heimat, nicht ohne einen Abstecher nach Rothenburg ob der Tauber, wo aber fast alles geschlossen war, sogar das Weihnachtsgeschäft von Käthe Wohlfahrt (ganzjährig Weihnachtsartikel auf mehreren verwinkelten Etagen in einem oder mehreren - da blickt man nicht ganz durch vor lauter Übergängen und Treppchen - alten Häusern und ein Anziehungspunkt für die zahlreichen japanischen Touristen) war zu.

Der Januar ist aber wohl der denkbar schlechteste Reisezeitpunkt im Jahr, ich habe es noch nie so leer erlebt - es gibt hier unfassbar viel zu sehen, eine komplette Wehrmauer rund um die historische Innenstadt, über die man rundum laufen kann, 40 Türme und 700 denkmalgeschützte Gebäude, ein unfassbar schönes Stadtbild.
Unglaublich aber wahr: es ist zwar Unesco-Welterbe, aber nur für den Jakobsweg, der hier durchführt, nicht für die Stadt, da fällt man doch vom Glauben ab...






Das hier sind die "Schneebälle", sie sehen so lecker aus, waren für mich aber wie schon vor Jahren eine Enttäuschung: außen ja noch ganz lecker (ich nahm "Zimtzucker"), aber innen einfach eine geschmacklose Mehlpampe...das war das definitiv letzte Mal


 



Die Heimfahrt traten wir dann durch schneebedeckte Weiten unter blauem Himmel an und eines ist klar: wir bleiben Bayrisch Franken für immer treu!
(Auch wenn es hier zu meiner Verwunderung keinerlei Premiumwanderwege gibt...)