Sonntag, 7. Oktober 2018

Was mich diese Woche zuerst erschütterte und mir danach den Glauben an die Menschheit wieder gab

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Es betraf gar nicht mich selbst - aber es erinnerte mich sehr tiefgehend an meine eigene Situation über einen jahrzehntelangen Zeitraum - nämlich an das Schicksal Alleinerziehender ohne familiäre Unterstützung.

Ich gehe jetzt gar nicht darauf ein, was ich mit meinen drei Kindern da selbst durchlebt habe, das würde ein Buch füllen und wird letztendlich niemanden außer mir und den Jungs interessieren, außerdem haben wir es überstanden und fertig.

Am Mittwoch den 3. Oktober, also am Feiertag, nahm ich mir einen Stapel ungelesener Tageszeitungen vor, ich hab ja ein Freiexexemplar, sonst würde ich vielleicht auch regelmäßiger lesen, wenn ich dafür zahlen müsste...

Jedenfalls überflog ich eher locker und unkonzentriert die ganzen Regionalteile und stieß auf einen Bericht, der mich direkt ins Herz traf.

Eine alleinerziehende Mutter mit zwei Kindern, eines 9, eines 12 Jahre alt,  muss dringend in Kur. Die Rentenversicherung genehmigt 5 Wochen, was schon was heißen will...

Der Haken: den Bestimmungen folgend darf sie die 9neunjährige mitnehmen, aber die 12jährige soll sie alleine zuhause lassen. Keine Kostenübernahme.

Ein 12jähriges Mädchen 5 Wochen komplett alleine zuhause? Tag und Nacht?

Und wie entspannend wäre die Kur für die Mutter, wenn sie es tatsächlich übers Herz brächte, das Mädchen zurückzulassen? Na super...

Sie hätte sie nur mitnehmen dürfen, wenn sie 2000 Euro dazuzahlt, die sie in ihrer Situation natürlich nicht gerade so irgendwo liegen hat.

Die Reporterin forscht nach: alles rechtens, die Rentenversicherung ist nicht verpflichtet, für ein 12jähriges Kind die Kosten zu übernehmen, Lücke im Recht der Rehabilitation.
Krankenkassen sind hier meist kulant und übernehmen Kosten für bis zu 14jährige, die Rentenversicherung kennt solche Kulanz nicht, klagen wäre sinnlos.

Ich gehe schlafen mit dem Gedanken, am nächsten Tag die Redakteurin anzurufen und zu fragen, wie man hier helfen könnte, ich könnte mir zumindest eine Über-Nacht-Betreuung vorstellen, weil ich ja berufstätig bin, wäre mehr nicht drin, aber man kann das Kind doch nicht auch noch nachts alleine lassen.

Aber glückliche Wendung - bereits zahllose hilfsbereite Leser haben sofort auf den Artikel reagiert, eine Ehrenamtliche vom Kinderschutzbund bot Aufnahme für die kompletten 5 Wochen in ihre Familie an, aber dann eine noch bessere Lösung:

Ein gemeinnütziger Verein aus einer saarländischen Stadt übernimmt die vollen 2000 Euro und das Mädchen kann nun mit Mutter und Schwester zusammen in Kur fahren.

Das hat mich so dermaßen gefreut und erleichtert, obwohl es fremde Leute für mich sind, das kann nur nachvollziehen, wer sich durch ähnliche Situationen lavieren musste - aber ist es nicht andererseits traurig, dass in unserem angeblich so reichen Land so etwas tatsächlich von einer Mutter und ihrem Kind verlangt wird?

4 Kommentare:

  1. wundern tut mich das verhalten der rentenkasse gar nicht.
    habe da selbst schon bizarre dinge erlebt....
    und ich denke, dass deine eigenen erlebnisse sehr wohl interessant sind - denn das ist das problem - alleinerziehende (u.a. "randgruppen") haben keine lobby und keine stimme!!
    das internet ist voll von heile-welt-mutti-blogs, wo der mann so fürstlich zu verdienen scheint, dass mama nur aus spass an der freud einen job hat und jede menge kostspieliger hobbies - von den verwöhnten gören gar nicht zu reden.
    aber die, die nicht auf rosen gebettet sind, scheinen sich dessen zu schämen - oder tun so als wäre es "normal" bis zum burnout zu schuften - um nach aussen eine (für mich eh fragwürdige) "normalität" darzustellen, die gar kein wirtschaftliches, geschweige denn gesellschaftliches fundament hat!!
    rot front!
    :-D
    xxxx

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  2. Wahnsinn! Was es alles gibt. Das ist echt unfassbar. Ich kann mich erinnern, dass meine Mutter damals mit meinem Bruder in Kur ging. Ich musste Zuhause bleiben. Mein Vater war ja da - musste allerdings Schichtdienst machen. Daher blieb ich 4 Wochen bei meinen Großeltern. Wenn man so eine funktionierende Familie (in der Nähe) hat, mag das alles noch gehen. Aber wenn man völlig allein da steht ist das echt ein Unding. Umso schöner, dass es doch noch hilfsbereite Menschen gibt :-)

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  3. das ist wirklich heftig
    und wenn sie die Kleine alleine gelassen hätte
    bekäme sie einen auf den Deckel
    wegen Kindeswohlgefährdung
    die spinnen doch ..
    aber wie schön dass es Menschen gibt die da einspringen
    liebe Grüße
    Rosi

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  4. Wirklich eine aufwühlende Geschichte. Ich finde, es sollte gerade für solche und ähnlich gelagerte Härtefälle Ausnahmeregelungen geben. Zum Glück gab es hier ein Happy-End, aber ich denke, es wird reichlich Fälle geben, wo nach dem Motto "Vorschrift ist Vorschrift" agiert wird, die aber in keiner Zeitung stehen und wo sich demnach dann auch keine helfenden Hände finden...
    Alles Liebe zum Wochenanfang, Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2018/10/eine-woche-im-ausseerland-teil-2.html

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