Heute war ich wie schon gestern "mutig" zu einer geführten Wanderung, was in diesem Falle auch sinnvoll war, denn ich bin keine Orchideenkennerin, und die Tour war auch prima, da gab es nichts zu meckern.
Start war um 13.30 Uhr und am Startpunkt zurück waren wir um 17 Uhr, wieviel km das waren, weiß ich nicht.
Es war schwül, es war heiß, bei den Aufstiegen hatte man das Gefühl, egal wie man einatmete, einfach nicht genug Sauerstoff in die Lunge zu bekommen.
Aber immer noch besser als Regen, nicht wahr!
Ich war rechtzeitig abgefahren, in die entgegengesetzte Richtung nach Frankreich wie gestern, eigentlich nur 28 km, aber dann gab es bei Habkirchen eine Riesenumleitung! Ich kam so eine Viertelstunde zu spät und hechtete der ca. 20köpfigen Gruppe hinterher, die gerade losgegangen war.
Der Bliesgau ist eine wundervolle saarländische Wiesen-Wald-Hügellandschaft, auch Toskana des Saarlands genannt und ein sogenanntes Biosphärenreservat.
Zuständig ist für das Gebiet ist auch hier der orginelle Naturwacht-Ranger Herr Keßler, mit dem ich mal 2 unterhaltsame Führungen mitgemacht hatte, eine naturkundliche und eine Biberwanderung.
Die Führung heute hat er aber nicht gemacht, das war jemand von Geographie ohne Grenzen, auch sehr gut und ich habe so viel gesehen und gelernt, davon kann ich nur einen Abriss geben.
Eigentlich sollte man alleine gar nicht in dieses Orchideengebiet, und Führungen müssen angemeldet werden, wenn man sich aber anständig benimmt, wird es kein Problem geben. Aber wir sehen später doch einen Haufen Idioten...aber dazu komme ich noch.
Erster Halt war an einer sog. Fettwiese, so ein Boden ist nichts für Orchideen, sie brauchen Magerwiesen, aber das hohe Gras der Fettwiesen ist auch wichtig für Bodenbrüter und viele Insekten.
Man zeigt uns die wie graue Haare in den Büschen hängenden Gewebe der Gespinstmotten, innendrin bewegen sich munter die lebenden Würmchen! Ist mir noch niemals aufgefallen...eine Teilnehmerin fragt, ob das den Pflanzen schadet: nein, tut es nicht!
Dann kommen wir an den Zugang zum Orchideengebiet mit einigen Schautafeln, wir hören, dass es jetzt für die angezeigten Schmetterlinge noch zu früh ist, ihre Zeit ist mehr der Juli, dann könne man hier hunderte "Schachbretter" auf den Wiesen sehen. Ich merke mir das mal...
Viele dunkellila Wiesenblumen sehen wir, aber das ist noch keine Orchidee, sondern der Wiesensalbei, er wird uns zusammen mit Margeriten den ganzen Weg begleiten.
Die erste Orchidee, die wir von weitem sehen, wir wollen ja nicht in der Wiese herumtrampeln, ist allerdings ein Orchideenhybrid, d.h. da haben sich zwei Orchideenarten vermischt - und der Orchideenkenner lässt sie links liegen 😎
Dann die erste echte Orchidee, eine Pyramiden-Orchidee!
Und kurz darauf die zweite, wir sprechen aus, die ist ja verblüht, aber nein, die ist so! Wenn man genauer schaut: ja, sie steht in voller Blüte und heißt Bocks-Riemenzunge. Alles knipst.
Zum Teil ist es so grellhell, dass ich auf meinem Display überhaupt nicht erkennen kann, ob meine Fotos was geworden sind! Und manche sind auch nix, leider.
Wir haben etwas Höhe gutgemacht und blicken auf Herbitzheim und darüber der "alte Kirchheimer Hof", der einen Besuch wert wäre, wie ich erfahre. Kommt auch auf meine Liste.
Wir biegen nach links ab, es geht einen Hang entlang, der mit auffälligen Steinmauern durchsetzt ist, zwischendrin immer wieder kleine Treppenaufgänge: ein ehemaliger Weinberg! Die Lage ideal, volle Sonne, Kalkstein, aber die Reblaus hat hier um 1900 alles vernichtet.
Wir streben aus der Hitze dem Wald zu und atmen auf. Und lernen, dass es auch Wald-Orchideenarten gibt, aber eine davon sehen wir erst später.
Wir machen einen Abstecher in Richtung eines Hochmoores, dem "Kalkquellsumpf".
Zuvor kommen wir an einer Bank mit diesem Kurbelding vorbei, wo man sich von verschiedenen Tierarten die Stimmen vorspielen lassen kann, man muss nur ordentlich kurbeln, jetzt weiß ich auch, wie sich ein Grünspecht anhört: lachend!
Wir finden eine weitere Orchidee: eine Hummelragwurz
Dann kommt das Hochmoor, das ein staunasser Quellensumpf ist, und wir sind geschockt: obwohl das von einem massiven Holzgeländer eingezäunt ist, trampeln dort "Naturliebhaber" herum - unglaublich! Sowas sollte 10.000 Euro Strafe kosten...und vielleicht ein paar Schläge auf den Hinterkopf..
Wir schauen böse, aber sie lassen sich nicht beeindrucken.
Wir schauen uns Wollgras - das man früher aus Armut auch zum Stopfen von Kissen verwendete - aus einigen Metern Entfernung an, direkt hinter dem Geländer wächst Kuckuckslichtnelke, eine Wiesenblume, keine Orchidee.
Im weiteren Wegverlauf treffen wir auf mehrere Purpurorchideen,
sowie auf eine unscheinbare Orchidee, die aber gleich zwei auffällige Namen trägt: "Ohnhorn", im Volksmund auch "Hängender Mensch" genannt, weil die Blüte von ganz nah betrachtet tatsächlich wie ein Mensch mit langen, herunterhängenden Armen aussieht.
Und mein Foto ging leider völlig daneben, bloß verwischtes Grün, darum ein "Orchidee Hängender Mensch"
Dann folgt am nächsten Waldrand wieder eine sehr unauffällige Orchidee, die wir alle nicht gesehen hätten, wären wir nicht darauf hingewiesen worden, und selbst dann musste man genau schauen: Das Zweiblatt, eine grüne Orchidee.
Nach einem kleinen hochwillkommenen schattigen Waldstück geht es wieder über offene Wiesen durch die Schwüle, und auch bergauf, oben Rast der Gruppe an einer Bank mit schönem Blick, ein Rotmilan fliegt über uns hinweg, ich erwische kein Foto von ihm.
Aber dafür die Orchidee "Bienenragwurz", mein Foto *räusper*
Dafür dann aber, nach Abstieg und an einem Waldrand: Die Orchidee des Jahres 2017! Das "Kleine Waldvögelein", gleich in mehrfacher Ausfertigung links und rechts des Weges. Mein Foto leider schwach..
Von dieser Bank aus, die mich lockt zu einigen einsamen Minuten, sind es etwa 2 km bis zum Wegende, wie ich erfahre
ich erkundigte mich danach und gebe Bescheid, dass ich zurückbleibe, weil ich eigentlich noch ein wenig für mich sein will in der Natur und gehe den Rest des Weges dann für mich.
Das hat insgesamt richtig Spaß gemacht! Nur weniger schwül hätte es sein dürfen.
Das ist ja geil! Wir waren am Sonntag ja auch auf Orchideen-Tour. Leider nicht geführt. Ich glaube, wenn ich mir deine Bilder so angucke, hätten wir auch viel mehr sehen können, wenn wir einen Fachmenschen dabeigehabt hätten. Wir haben wohl vieles nicht gesehen, weil wir nicht wussten, dass es eine Orchidee ist :-( Das ist eine tolle Tour gewesen und entschädigt dann wohl etwas für die "vergeigte" neulich :-D Kommt wohl immer drauf an, wer sowas organisiert.
AntwortenLöschenMein Orchideen-Beitrag kommt leider erst heute Abend...ich hänge mit dem Geburtstagsgeschenk für nächsten Samstag hinterher und musste am Wochenende da reichlich ranklotzen ;-)
Wie schön- im Bliesgau-Veranstaltungskalender werden Orchideen-Führungen sowohl um Gersheim als auch in Gräfinthal angeboten...Man müsste viel mehr Zeit haben, um alles zu sehen, was einen interessiert. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben...
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