[Dieser Post enthält durch Links zu externen Seiten, durch Fotos und Firmen- und Produktnennungen Werbung, die ohne Auftrag, ohne Sponsoring und ohne Bezahlung erfolgt]
Halbe Etappe 11 am 5.9.2018
Halb darum, weil ich vormittags beim Arzt war, mir den Nachmittag aber mit einer weiteren Fahrt versüßen wollte, quasi als Belohnung - was auch gelang.Nachdem ich bei Etappe 10 am Ende in den Homburger Schlosshöhlen war, war die nächste Station ebenfalls im Homburger Raum, und zwar im sehr grenznahen Wörschweiler, einem kleinen Ort.
Auf einer Anhöhe thront dort die mittelalterliche Klosterruine Wörschweiler, zu der ich eine besondere Beziehung habe.
1976 (jahaaa!) habe ich mit meinem späteren Mann einen Ausflug zu einer Ausgrabung dort in der Nähe gemacht (er war sehr an römischer Geschichte interessiert und hat mich damit angesteckt), und als es schon gegen Abend ging, fiel uns ein, zu dieser nahegelegenen Klosterruine noch hochzusteigen.
Oben angekommen, alles düster und einsam und von Wald umstanden, gruselte mich etwas, die ganzen Grabplatten da und so...jedenfalls machte er sich dann einen Spaß daraus, mich noch mehr fürchten zu machen, indem er mich herumscheuchte und dumpf grölte "der Mönch geht um, der Mönch geht um!" - was uns beiden ehrlich gesagt einen Heidenspaß machte...noch heute muss ich schmunzeln, wenn ich daran denke.
Dann war ich ganze 4 Jahrzehnte nicht mehr dort, bis es mir voriges Jahr einfiel, doch mal wieder dort hinaufzusteigen.
Doch nach nur 100 Metern, als es in den Wald ging, beschlich mich ein derart ungutes Gefühl, ich kann nicht sagen, wovor ich Angst bekam, es hatte nichts mit dieser Gruselaktion zu tun, aber ich hatte das deutliche Gefühl, mir würde auf dem Weg Gefahr drohen...und so kehrte ich schleunigst um. Aber nun wollte ich es doch wirklich nochmal wissen...und diesmal war es kein Problem und ich war überrascht, wie sehr mich meine Erinnerung täuschte, zum einen ist die Anlage viel größer als ich dachte und zum anderen wusste ich nichts von dieser schönen Aussicht!
Auf der Internetseite des Fördervereins steht: "Der Klosterberg, auf dem die Ruine sich befindet, ist ein Ort mit besonderer Ausstrahlung, der man sich nur schwer entziehen kann". Das stimmt absolut.
Einzigstes Manko: da steht auch noch ein ungenutztes neueres Haus, keine Ahnung, warum das da hingesetzt wurde...muss man einfach drüber hinwegsehen und ich stelle auch kein Foto davon ein.
Man tritt aus dem Wald auf eine große Wiesenfläche, von Bäumen umstanden, rechts freier Blick in die Landschaft, und am Ende die Ruinen - das hat was, denn man ist ganz alleine hier, man kann ausschließlich zu Fuß hierher über einen Waldweg von 1500 m.
So groß war das Kloster gewesen:
1131 erbaut - 1614 abgebrannt - und warum hat es gebrannt? Kein Krieg - sondern ein Kampf gegen Ungeziefer in den umliegenden Brombeerhecken, die mittels Feuer vernichtet werden sollten, das Ende für das gesamte Kloster - ob das Ungeziefer überlebt hat, ist nicht überliefert 😎
dies war die Eingangstür zur großen Kirche mit dem Rosettenfenster obendrüber
ich bin mir ganz sicher, dass diese Grabplatten in den 70er Jahren, als ich hier quietschend herumgescheucht wurde, auf dem Boden lagen!
überall huschen Mauereidechsen herum
auf der Bank hier habe ich eine Trinkpause gemacht und hinuntergeschaut auf den Ort meines nächsten Zieles, es ist dieses große rosa Gebäude und das, was dahinter liegt.
Nun geht es locker bergab wieder durch den Wald in den Ort hinunter, und als die Sonne so schön durch die grünen Blätter scheint frage ich mich: durch wieviele graubraune Monate müssen wir wieder hindurch, bevor der nächste Frühling kommt? Der diesjährige schien mir unglaublich spät eingetroffen zu sein.
Unten im Tal dann rüber nach
Schwarzenacker
Schwarzenacker hat seinen Namen dadurch erhalten, dass Mönche vom Kloster Wörschweiler oben, die hier das Land bearbeiteten, beim Ackern und Graben immer wieder auf verkohlte Balken, Reste von Mauern und verbrannte Erde stießen.
Was die Mönche damals nicht wissen konnten:
sie standen auf den Überresten einer römischen Stadt, die bis zum Jahr 276 n. Chr. eine Fläche von etwa 20 Fußballfeldern umfasste, bis sie von Alemannen überfallen und niedergebrannt wurde.
Hier wohnten einst etwa 2000 Einwohner, die Stadt hatte überregionale Bedeutung als Handels- und Verwaltungszentrum, und bei den Ausgrabungen fand sich ein Abbild römischen Lebens der damaligen Zeit, ein- bis zweistöckige Gebäude mit ausgebauten Kellern, Straßenzüge mit überdachten (!) Gehsteigen, Abwässerkanäle, wie man sie im Mittelalter noch nicht mal hatte, Bäckereien, Fach-Arztpraxen, Kneipen und Herbergen für Durchreisende.
Es wurde ein kleiner Teil der Gebäude rekonstruiert, was einen Eindruck vom damaligen Leben in dieser Stadt vermitteln kann.
da war eine der Bäckereien:
saubere Lösung für Abwässer, in mittelalterlichen Städten hatten wir das so nicht...
für Fans definierter Muskeln ;-)
eine Kneipe, gegenüber ist eine Garküche, aber da war mir die Einrichtung zu modern (halt für heutige Veranstaltungen gemacht)
auch bei Regen trockenen Fußes einkaufen gehen
Schönwetterküche
und das ist das "Haus des Augenarztes" mit "vornehm wohnlicher Ausstattung", was man aus den Funden feststellen konnte
es war ein stattliches Anwesen, wiederaufgebaut wurde nur der Empfangsraum
man fand sogar den Rezeptstempel (!) des Augenarztes, der Sextus Ajacius Launus hieß
faszinierend die Hypokaustenheizung, wohl Vorläufer unserer heutigen Fußbodenheizung: unter dem Steinboden befand sich ein Hohlraum, der von außen befeuert wurde und so schön die Füße und den ganzen Raum wärmte
während die von dort aufsteigende warme Luft durch in den Wänden versteckte Tonröhren geleitet wurde, so dass die Räume auch von den Seiten her gewärmt wurden, sehr modern! Hier ist ein Detail davon freigelegt
Im Hypokaustum des Augenarzthauses fand sich das Skelett dieses armen Hündchens, das sich da wohl hin verkrochen hatte und durch die Gase starb
die Originalpflasterung auf dem Weg zum "Säulenkellerhaus"
das Säulenkellerhaus, das wahrscheinlich Versammlungszwecken diente, der Keller wurde fast so vorgefunden, wie er nun rekonstruiert ist
auch da wurde schon mit Fachwerk gearbeitet
so war die Auffindesituation in den 60er Jahren, heute so:
Bevor man jedoch die Ausgrabungen betritt, kauft man sich sein Ticket im sogenannten Edelhaus, das ist dieses rosa Gebäude, das von oben zu sehen war und an das sich ein Barockgarten anschließt und das ein Museum enthält
Ans Ende dieser Etappe ist Blieskastel zu setzen, das zu besuchen ich mir aber spare, da ich letztes Jahr im Oktober erst dort war - wäre ja doch etwas unsinnig, meine ich, hier der Link zum letztjährigen Beitrag und eine Fotocollage.
An der Grenze entlang sind es bis Saarbrücken zurück immer noch gute 50 km - es gibt also noch, je nachdem, was ich da grenznah ausgraben kann, geschätzt 2-3 Etappen zu fahren. Die nächste wohl am Sonntag.
Die Karte aktualisiere ich morgen bei Tageslicht.
Oh, wie schön! Das finde ich auch total interessant. So kurz nach dem Römerfest jetzt sowas zu sehen. Wenn die Römer dort aufmarschiert wären, wäre das sicher nochmal cooler gewesen :-D Das muss ich mir merken und vielleicht kann ich es mir irgendwann auch mal persönlich ansehen :-)
AntwortenLöschenUnd die Klosterruine ganz vom Anfang ist auch faszinierend. Im Nachbarort Denzlingen gibt es auch so eine versteckte Ruine - aber "nur" von einer alten Kirche ;-)
Und Blieskastel ist immer noch schön. Ich hab gehört, da kann man auch ganz toll wandern :-)
fantastisch!
AntwortenLöschenwundert mich nicht dass du "was gefühlt" hast bei dem kloster - man hat die ja nicht beliebig in die landschaft gebaut sondern mit vorliebe kraftplätze der natur besetzt - also plätze der naturreligion, die die leute vorher da betrieben haben........hatte das mal in einer der ältesten kirchen in venedig - unglaubliche energie.
die römer haben ja sehr elegant gewohnt! die wussten wie man es sich bequem macht. dass das dann alles wieder vergessen wurde ist umso erstaunlicher......
xxxx
Nicky: es gibt da auch Römerfeste mit "lebenden" Römern und Gladiatorenkämpfen etc. ich hab es bisher nur immer verpasst...Beate: ja das glaub ich auch, dass es solche Orte gibt, und dieser Bergrücken (oder Hügelrücken..) - vor den Mönchen hatten schon Kelten und nach ihnen die Römer hier Kultstätten, die werden gewusst haben warum
AntwortenLöschenGleich zwei Brandgeschichten in dieser Gegend! Die erste mit der Brombeerungezieferausrottung spricht ja irgendwie für die menschliche Dummheit, die bis heute anhält - jetzt rottet die Menschheit Ungeziefer eben mit Gift aus und vergiften sich damit selbst. Ein ähnliches Gefühl wie das, das dich umdrehen ließ, hatte ich mal bei einem alten Haus... Da ergriff ich auch sicherheitshalber die Flucht - ich glaube, meine Ur-Instinkte sind noch recht gut ausgeprägt. Und enorm faszinierend die alte Siedlung - wirklich unfassbar, wie weit die Römer damals schon entwickelt waren und welchen Rückschlag es dann gab in der Menschheitsgeschichte...
AntwortenLöschenHerzliche Rostrosengrüße, Traude
https://rostrose.blogspot.com/2018/09/1-gugelhupf-3-spatsommer-outfits-1.html
PS: Das Gugelhupfrezept ist online ;-)
ah danke liebe Rostrose, zum einen für den Kommentar, zum anderen für den Hinweis zum Eierlikörkracher! Kommt gleich in meine Rezeptfavoriten und ich schreib mir einen Einkaufszettel fürs Wochenende!
AntwortenLöschendas alte Kloster ist sicher ein Kraftort
AntwortenLöschenleider durch Dummheit zerstört
die Römersiedlung ist toll wieder aufgebaut
liebe Grüße
Rosi