Montag, 17. September 2018

Urlaub zuhause Teil 12 Part 2 - Reise um mein liebes kleines Bundesländchen


[Dieser Post enthält durch Fotos und Produkt- und Firmennennung Werbung, die ohne Auftrag, ohne Sponsoring und ohne Bezahlung erfolgt] 
und sorry, die Schriftformatierung macht wieder, was sie will...da kann ich anpassen so oft ich will..

Etappe 12 Part 2 am 9.9.2018

Europäischer Kulturpark Reinheim-Bliesbruck D/F


So hätte im 3. Jahrhundert n. Chr. eine Immobilienanzeige lauten können:


Repräsentative Villa in weitem Tal mit vielen Extras



Grundstück 70.000 qm (entspricht in der Zukunft fast 10 Fußballfeldern), komplett von umlaufender Mauer umgeben (gegen die bösen Germanen), die Mauer hat eine Länge von ca. 750 Metern


Villengebäude:

zweistöckig, freistehend, Grundfläche 80 x 62 Meter, mehr als 50 Räume, separater Bädertrakt von über 400 qm


12 Nebengebäude, zwischen den Nebengebäuden jeweils mindestens 40 Meter Abstand
die Nebengebäude sind nutzbar als Angestelltenwohnungen und/oder Werkstätten, oder auch als Lagerflächen für Naturalien aus Pachtzahlungen, Grundflächen zwischen 85 bis 260 qm

mindestens ein repräsentatives hohes Eingangstor


Wirtschaftshof, innenliegend, von 300 x 135 Metern mit diversen Nutzungsmöglichkeiten (Park, Pferdekoppel, Trainingsgelände etc.) in der Mitte des Geländes
von vorne:


 von hinten:





Teile dieser gigantischen Anlage wurden zunächst bei Ausgrabungen für Teile einer Stadt gehalten...und als ich vor Jahren zum ersten Mal hier war, auf einem Hügel knapp hinter der Villa stand und die Fläche überblickte, in der Ferne das zugehörige Tor sah (sucht das mal auf dem Foto!), und da erst begriff, das ist alles EIN  Villengelände, dachte ich "ach du Sch…. ist das groooß!"



Bedauerlicherweise fand hier über lange Zeit Kiesabbau stand, so dass sogar noch in unseren 60er Jahren komplette Zerstörungen von mehreren Gebäuden stattfanden...Banausen...

seitlicher Blick auf die Mauern des Villengebäudes, im Hintergrund das erste der Nebengebäude, das rekonstruiert wurde



angelegter Garten




in gebührendem Abstand zum Herrschaftshaus das Nebengebäude 1, das heute eine Taverne und im Obergeschoss eine Ausstellung zur Villa birgt

Blick auf den riesigen Innenhof, das 300 m entfernte Eingangstor und rechts die rekonstruierte umlaufende Mauer mit Teilen von Nebengebäuden



Fenster im Tavernengebäude, römisch verglast



im Vorraum zur Taverne ist für Kinder (und für Ewachsene, die sich ihr kindliches Gemüt bewahrt haben...) die Möglichkeit, Mosaiken nachzulegen

von der Taverne aus die in halbhoch nachgebildete rechte Begrenzungsmauer des Innenhofs, am Bildrand wieder das Eingangstor



Blick von hinter dem letzten Wirtschaftsgebäude seitlich auf das Tor 




In späteren Jahrhunderten ging die Anlage unter, teils weil sie von den Besitzern aufgegeben wurde und sich dann Handwerker darin einrichteten, sowie durch Germaneneinfälle. Und halt den Kiesabbau.


Von diesem Blick aus dem Tor auf die Anlage wendet man sich um und geht einen schmalen Pfad (man denkt erst, man wäre verkehrt...) an einem Weiher und französischen Ferienhäuschen vorbei hinüber nach Frankreich (also nach Bliesbruck), 






denn in etwa 300 Meter Fußweg entfernt liegt eine ebenfalls teilweise ausgegrabene
römische Stadt,

 die sicher zu der Villa in irgendeiner Beziehung stand.




Hier gab es - wie stets bei den badefreudigen Römern - eine große Thermenanlage, einen Markt mit Marktgebäuden, ein umfangreiches Handwerkerviertel und Handelsplätze.

Gleich am Anfang stehen eine Taverne sowie eine echte "Tretmühle" mit angegliederter Bäckerei, wo bei Veranstaltungen auch wirklich Leute in dem Rad wie die Hamster laufen und Brot gebacken wird (sah ich vor ein paar Jahren, Kinder schlugen sich fast darum, in das Rad zu kommen)







Reste der Stadt sind mit Schutzdächern versehen, in manche Keller kann man hinabsteigen





ein weiteres Stück entfernt sind die Thermen, und da hier im französischen Teil des Geländes kein Personal ist, erhält man beim Ticketkauf im deutschen Teil eine Code für diese Tür:


so kann man sich die umfangreiche Thermenanlage vorstellen:



Direkt an die Thermen angelehnt, man kann sich das wohl wie eine heutige Shopping-Mall vorstellen, hatten Händler ihre Läden, Baden & Shoppen, sozusagen.


Die Thermenanlage ist von einem wirklich schönen modernen Gebäude überdacht, über die einzelnen Bereiche ragen Stege wie kleine Aussichtskanzeln:







Aber die
Kelten 

waren vorher da in dieser Ebene!

Was die Römer sicherlich nicht wussten: sie bauten ihre Pracht teilweise quasi auf einen Friedhof...denn hier fanden sich bei Ausgrabungen mehrere eisenzeitliche Grabanlagen, eine davon mitten in dem Riesenhof, die andere direkt unter der Villa... das wäre heute Stoff für einen Gruselfilm.

Gleich neben der Villa befinden sich drei monumentale Kelten-Grabhügel, sehr steil (ich wagte mich nicht hinauf, wer weiß, ob ich wieder heil runterkäme mit meinen komischen Gräten, nach etwa 5 Metern gab ich bedenkenvoll auf und kehrte um) und in einen kann man hinuntersteigen, wo praktisch im Keller das sogenannte Fürstinnengrab von circa 370 v. Chr. nachempfunden ist.





wie durch einen Schneckenhausgang geht es hinab in das nachgebildete Grab



Das Grab der keltischen Fürstin war mit wundervollem Goldschmuck und goldenem Geschirr bestückt, wenn man sich das anschaut kann man kaum glauben, dass dies vor ca. 2400 Jahren angefertigt wurde! 





dieses Tier von oben auf der großen Kanne ist draußen in groß nachgebildet


Außerdem sind draußen hinter der römischen Umfassungsmauer auch ein paar keltische Gebäude nachgebaut:


ein Erdkeller:



Hier noch eine Übersicht über das komplette große Ausgrabungsgelände, man läuft insgesamt ca. 6 km um alles zu sehen:





Quellen:
- die Infotafeln aus den Ausgrabungsgeländen
- die Informationen aus der Ausstellung im oberen Stockwerk der "Taverne"
- das Buch "Die Villa von Reinheim" von Andreas Stinsky, Nünnerich-Asmus Verlag


4 Kommentare:

  1. Wow! Einfach nur Wow! Was für eine Fülle an Informationen, tollen Bildern und überhaupt - ich liebe doch diese geschichtsträchtigen Orte :-D Das würde mir auch gefallen! Und das die Römer auf einem Keltenfriedhof siedelten ist echt Stoff für eine Gruselgeschichte :-D

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  2. grandios!
    was für ein platz! erst die kelten, dann die römer. und beide habens richtig krachen lassen - scheint eine inspirierende gegend zu sein. von so einem grossen latifundium kann man sicher heute noch was lernen - wie landwirtschaft geht z.b.. und der schmuck der fürstin ist wunderschön!
    wieder eine sehr lehrreiche etappe - danke für die vielen fotos - ist als wär man dabei gewesen :-D
    xxxx

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  3. stimmt, nach eingehender Besichtigung bn ich sprachlos still mir wäre wahrscheinlich - die Spucke im Hals stecken gebliegen wäre ich nicht nur virtuell sondern in echt dabeigewesen...WOUWWW...entfährt mir Bewunderung.
    Welch ein grandioses Schauspieltheater für den Blick.
    Die verstanden es "bauen zu lassen" die armen sklaven die ihre Haut dafür hergeben mussten, all ihre Muskelkraft und Stärke, mei Nerve....unvorstellbar!
    wahnsinnsbilder einer Epoche, nein gleich von meheren übereinander gestapelt und der Schmuc der Königin grandios wertvoll und schön.
    ein herzliches Danke für diesen wunderschönen Rundgang bei dir..
    herzlich Angelface

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  4. wow
    das scheint damals eine sehr rührige römische Gegend gewesen zu sein
    prachtvoll die Villa
    wir haben hier eine Villa Rustica mitten im Wald
    aber das war eher ein Landhaus
    du muss imenser Reichtum geherrscht haben
    sehr schöne Bilder
    LG
    Rosi

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