Als dritten Tageszielpunkt hatte ich den Roscheider Hof bei Konz gewählt, ein Freilandmuseum, in dem wie z.B. in Bad Windsheim, wo ich vor wenigen Wochen war, rettungswürdige alte Gebäude an ihrem Stammplatz abgebaut und Stück für Stück im Museum wieder aufgebaut und auch eingerichtet werden.
So etwas hat immer einen besonderen Reiz, allerdings war mir von Anfang an klar, dass dieses Museum nicht die Dimensionen des Bad Windsheimer hat, dort gibt es über 100 Gebäude, hier 11.
Trotzdem sehenswert, denn der Hunsrück liegt ja nahe bei uns und wie herausgefunden wurde stammt ein Teil meiner Vorfahren von vor x-Generationen aus der Gegend.
Die nette Dame am Kartenschalter riet mir, zuerst nach unten zu laufen (die Museumsfläche befindet sich zum Teil auf einer Anhöhe, zum Teil an deren Abhang) und die Hunsrück-Fachwerkhäuser anzuschauen, und dann erst oben weiterzumachen. Guter Rat.
Beschauliche Häuser mit verschiedenen ehemaligen Funktionen gab es da zu sehen, ich habe mich gebremst und nicht jeden einzelnen Raum geknipst.
so schöne Obstkisten gab es früher, meine Mutter hatte mal zu Weihnachten daraus wunderbare stoffbezogene und gepolsterte Puppenbettchen inkl. Himmel und Bettwäsche gemacht, sie war ja Schneiderin und die sahen wunderhübsch aus
Schule:
In dem einen Haus wurde beim Abbau dieser Hinweis auf ein Kriegsgefangenenlager gefunden
Dann Richtung Höhenplateau, am Rosengarten vorbei, der jetzt Mitte September ein schönes Bild abgibt
Nun zu dem großen Gebäudekomplex auf der Anhöhe
In einem Durchgang wurden zwei originale alte Läden platziert, ein Hutgeschäft und das andere wohl ein Reisebüro. Hinein konnte man dort nicht und durch die Scheiben knipsen ging wegen der Spiegelungen nicht.
Und nun ins Innere des Museums, einem jahrhundertealten Vierseithof - und da schicke ich gleich vorweg: ich hatte das total unterschätzt!
Ich meinte, auf ein-zwei Räume zu treffen und fertig - aber das war ein schwerer Irrtum, am Ende wusste ich gar nicht mehr wo ich bin, zumal ich innen im Gebäude (bzw. in DEN Gebäuden war, wo keine Fenster nach draußen waren) und irgendwann komplett die Orientierung verloren hatte, ich wusste echt nicht mehr, wie ich da raus komme!
Es gab zwar diese grünen Fluchtwegschilder, aber da hingen dann Ketten, die wollte ich nicht unbedingt aufmachen, und der Weg über den Aufzug, ja, das wäre es gewesen, hätte der Aufzug nicht nach dem Knopfdrücken eine gefühlte Ewigkeit gebraucht (bedenklich!) und als sich dann die Türe öffnete, war es nur so eine geschlossene Kabine und ich sah mich schon darin die Nacht verbringen...also nochmal zurück und den Ausweg suchen.
Und hier beginnt meine "Labyrintherfahrung"
Zur Verdeutlichung, wieso ich da nicht herausfand und nicht mehr wusste, wo ich überhaupt gerade bin, habe ich mal den Plan fotografiert, und bitte beachten: zwei Etagen in so vielen miteinander verbundenen Gebäuden, keine Sicht nach draußen, und dazu teilweise noch das Dachgeschoss als Ausstellungsfläche, der Wahnsinn!
Du meine Güte! Ich krieg einen Flash...das ist ein Telex!!! Ich dachte nicht, dass ich sowas nochmal wiedersehe...
Als frischgebackene Bankkauffrau, ich war gerade mal 19 Jahre alt (dank Kurzschuljahren in den Sechzigern), war ich im Zahlungsverkehr der Auslandsabteilung, und hinter meinem Platz stand das Telex - das ist ein Gerät mit Tastatur, wie man sieht, und damit konnte man ausländische Überweisungen tätigen etc., z.B. schrieb ich dann mal an eine Bank nach Singapur, die antworteten mir zurück, dass sie gerade auf dem Balkon säßen und 2 Stunden Mittagspause machen würden....und später richtig antworten würden
Der Knaller war aber, was ich da mal angestellt hatte, und nach so vielen Jahrzehnten kräht wohl kein Hahn mehr danach:
es war sauheiß im Sommer in dieser Abteilung, man konnte keine Fenster öffnen, weil unten die laute Kaiserstraße vorbeilief, daher durften wir eigene Lüftungsgeräte mitbringen.
Ich hatte so ein Uralt-Heizlüfterchen von zuhause dabei, und als ich das so auf meinem Schreibtisch betrachtete sah ich, dass sich an dem Drahtgitter kleine Staubbällchen festgesetzt hatten, und sowas kribbelt mir dann in den Fingern, ich bog eine Büroklammer auf und stocherte damit in dem Gerät herum...
da machte es batsch, und die Abteilung saß im Dunkeln, die Sicherung war herausgeflogen und alle Geräte aus...ich lief mit Sicherheit knallrot an, sagte aber nix...
Problem war: dass während des Stromausfalls keine Telexe bei uns ankommen konnten und so musste an alle Partnerbanken (weltweit!) getelext werden, dass in der Zeit "von - bis" unser Gerät außer Betrieb war...oh weiah, hab ich mich geniert! Und genier mich eigentlich noch heute.
An dem Ding gab es übrigens weder eine Löschtaste noch eine Zurücktaste, und wenn man sich vertippte (es musste ja alles in Fremdsprachen sein) musste man immer drei "e" an das falsche Wort hängen, damit klar war, da kommt gleich ne Korrektur, manche Telexe sahen grauenhaft aus 😎
"Pleateee Please confirneee confirm our transactiieee transaction" usw. usw. hachja, in den 70er gab es nämlich noch laaange keine PC's!!! Kann man sich heute nicht mehr vorstellen, aber ich schweife ab
Unzählige Maschinen und Gerätschaften, und dann Ladenstraße um Ladenstraße, unfassbar, da war alles, aber auch alles vertreten was es jemals gab! Ich hab nur einen Bruchteil geknipst
ein Eisenwaren-Laden, in dem man einzelne Schrauben und Nägel kaufen konnte, hatten wir in Sulzbach bis Anfang 70er auch noch! Und alles ohne Plastik-Blisterverpackungen...
hier war der Punkt erreicht, wo ich nur noch raus wollte - und nicht raus fand, denn Fenster gab es nicht, da waren ja die Ladenstraßen oder Vitrinen davor gebaut, und so wusste ich überhaupt nicht, wo ich bin, ich rief mir dann den Aufzug, aber siehe oben...also weiterlaufen
nein! Noch ein Museumsteil. Da lass ich mich jetzt nicht mehr drauf ein, denn ich sehe Tageslicht! Schnell ins Freie!
Viele Räume hab ich nur durchlaufen, z.B. die umfassende Zinnfiguren-Abteilung, oder die hunderte von Kamin-Gußeisenplatten, alle die Kutschen und sonstigen Fahrzeuge...mir schwirrte der Kopf!
Wenn ich all das, was ich da sah als Einzelteile zusammenzählen wollte, würden da sicher Millionen (ohne Übertreibung!) an Stücken zusammenkommen, ich glaub, ich hab noch nie eine so riesige Sammlung gesehen!
Bild Nr. 5 erinnert mich an das Wohnzimmer meines Ex :-D Der hatte original so einen Sekretär (?) mit diesem alten schwarzen Telefon (was er noch benutzt hat) dort stehen. Unsere Schultische sahen schon anders aus. Aber auf diesen Holzstühlen habe sogar ich noch die Schulbank gedrückt - zumindest noch in der Grundschule. In den anderen Schulen wurden die Stühle dann auch etwas moderner ;-) Und freilaufende Hühner gab's auch.
AntwortenLöschenOh ja, diese "itegrierten Waffeleisen" findet man auch im Vogtsbauernhof im Schwarzwald. Der blau-weiße Schlitten ist ja goldig. Fehlt nur noch die Schneekönigin.
Was für eine riesige Menge an Eindrücken bei "nur" 11 Gebäuden. Das ist echt irre. Ich mag ja diese Art von Freilichtmuseen und war auch schon in dem bei Detmold (NRW). Da steht sogar ein Haus aus meinem Heimatort, in dem mein Vater als Kind ein- und ausging, weil der Nachbar dort wohnte.