Ich suche ja eigentlich immer nach Premiumwegen, die so um die 10 km lang sind, weil ich mir das noch am ehesten zutraue, früher ging mehr.
Warum ich bisher in all den Jahren, wo ich diese Wege im Saarland gehe, die "Wolfsrunde" immer gemieden habe, obwohl sie von den km her passt (10,1) , hat mehrere Gründe:
1. wer hier öfter liest, dem ist es bekannt - habe ich tierische Angst vor Wolfsbegegnungen, vor allem, seit ich eine Dokumentation mit dem Hundeprofi sah, wo berichtet wurde, wie eine einzelne Spaziergängerin einem ganzen Rudel mitten auf ihrem Weg begegnete, sie trat den Rückzug an, wurde zwar nicht angegriffen, aber das Rudel folgte ihr bis zum Waldrand, am Parkplatz erlitt sie dann einen Nervenzusammenbruch - diese Wölfe sind zwar hinter Zäunen, aber auch schon mal nach einem Sturm ausgebüxt...und ich will sie eigentlich auch gar nicht sehen müssen
2. zum anderen habe ich katastrophale Erinnerungen an ein Jahr, wo ich mich in Merzig auf einer Arbeitsstelle quälte, wie es schlimmer fast nicht hätte sein können - ich nahm dafür in Kauf, dass mein damals 11jähriger den Nachmittag alleine zuhause verbrachte, und eine weite Anfahrt von 39 km eine Strecke, das alleine wäre noch nicht so schlimm gewesen, wäre da nicht dieser Rumpelstilzchen-Chef mit seinen krassen und erschreckenden Wutanfällen (die ich "nur" miterleben musste, zum Glück immerhin nie selbst betroffen war) gewesen sowie das unfassbare Betriebsklima...aber lassen wir das
3. dann führt der Weg zum Teil (anscheinend!) durch einen weiteren "Garten ohne Grenzen - Jardins sans frontieres", nämlich den "Garten der Sinne", was zum einen Eintritt kostet (kein Problem), zum anderen aber das Geld nicht wert ist - im Vergleich mit allen anderen Gärten der Sinne hat dieser mit seinen hässlichen Metallskulpturen etwas von einem Schrottplatz, und er ist sooo öööde, ich ging noch nie deprimiert aus einem Garten oder Park, hier aber schon, sorry, aber ich find den einfach - mh - lassen wir auch das, vielleicht hab ich einfach nicht das richtige Gespür für ihn
An diesem Sonntagmorgen stieg ich ziemlich beschwingt aus dem Bett und nahm mir vor, dieser Tag wird nicht zuhause vergammelt, obwohl die eigentlich geplante Muttertagswanderung wegen Fußproblemen des "Kindes" (wieder mal) ausfällt.
Erst mal planen wohin - 2 Traumschleifchen miteinander verbinden? Maps sagt: fast 150 km Fahrstrecke hin und zurück, nee, bescheuert.
Was bleibt? Will ich nicht einen altbekannten Weg nochmal gehen, dann halt nur der Wolfsweg. Na gut.
Bis ich im Internet herumgemacht, meinen Tee gekocht, Salat gemacht, Siebensachen zusammengesucht und mich fertiggemacht habe, ist es schon Mittag.
Am Parkplatz vor dem Wolfsgehege irre ich hin und her, wo denn der Start ist?
Ich gehe da noch davon aus, dass der Wolfspark Eintritt kostet und ergo der Start ja woanders sein muss...ich finde aber nix.
Ich gehe in den kleinen Wolfs-Informationsraum und treffe dort tatsächlich auf die fast schon berühmte Betreiberin, die "Erbin" vom vor wenigen Jahren verstorbenen Werner Freund, Tatjana und sie sagt mir (warum hab ich nicht ein Selfie mit ihr gemacht?), dass der Park kostenlos ist und der Weg tatsächlich da startet.
Dann gibt sie mir noch einen Tipp für den Rückweg: den oberen Eingang habe sie wegen der Unvernunft der Hundebetreiber verschlossen, aber 3 Meter daneben könne ich am Gehege entlang einfach nach unten gehen (was sich später als Problem herausstellen soll).
Wie sagte Einstein? Die Dummheit der Menschen ist grenzenlos:
über die 12 Interpunktions- und Rechtschreibfehler sehe ich hinweg, die Frau hat ganz andere Qualitäten (aber sowas zu bemerken und mich innerlich zu krümmen ist leider in meinen Genen...)
Dies der Versuch, die Grätschlucht zu knipsen, über die dann im späteren Verlauf ein Steg führt
und dann beginnt für mich das Dilemma, wegen dem ich abends fast nicht mehr auftreten kann, so weh tun meine ungeübten Füße: der Weg führt immer so hundertmeterweise hoch, runter, hoch, runter, es nimmt einfach kein Ende - wenn ich denke, ab jetzt muss ich aber gleich oben sein, geht es wieder lange bergab, um anschließend wieder bergauf zu gehen, für mich ein echtes Problem
aber schön urwaldig ist es hier
nach vielleicht 3 km mit diesem Auf und Ab komme ich dann doch auf die Höhe, wo man einen weiten Blick hat - leider stehen immer wieder Strommasten optisch im Weg
auf dem Plateau dann die Apfelplantage, von hier u.a. kommt der Viez, ein ziemlich strammer Apfelwein, der seinen Namen offenbar noch von den Römern hat, denn die haben ihn als "Vize-Wein" bezeichnet, weil er nicht aus Trauben gekeltert wird
der dritte trockene Sommer hintereinander hat allerdings auch hier zu traurigen Resultaten geführt: im unteren Teil der Plantage kein einziger Apfel, auch nicht am Boden, und die der Sonne am meisten ausgesetzten Bäume haben noch nicht mal Blätter! Stehen nackt, kahl und vertrocknet da
erst ganz am Ende des Weges gibt es dann einiges Fallobst, ein paar noch gute Äpfel heb ich auf und schleppe sie mit, ich kann sie da einfach nicht verrotten lassen, die holt doch keiner mehr
hier schaut man bis (rechts im Bild) nach Luxemburg!
Und nun nehme ich ALLES zurück, was ich oben über den Garten der Sinne geäußert habe! Der Garten ist ja wie verwandelt! Von einer Beton-, Kies- und Metallkunststeppe hat er sich zu einem Paradies gewandelt!
Gleich zu Anfang bin ich schon froh, in den Eintritt investiert zu haben, zumal ich hier - noch ganz ungewohnt - einen Seniorenrabatt bekomme, irgendwie witzig für mich, ich fühl mich nicht als Seniorin, Senioren sind für mich 80 und aufsteigend
der Wassergarten, okay, der könnte hübscher sein, aber immerhin plätschert es nett
da kann man drin übernachten, mit Sternenblick
die Metallkunst ist noch da, aber nicht mehr vorherrschend, diese eine nur mal stellvertretend
so: das hier ist genau das, was mich hier immer so abschreckte, denn so sah es vorher weitgehend überall aus, nackter Boden, moderne Kunst, laaangweilig
Schuhe und Socken aus, Trink- und Esspause im Klanggarten
das gab es früher so auch nicht: eine Art kleine Farm mit einer Bienenblumenwiese, einem Gemüsegarten, Teich und hübschen Häuschen
direkt links vom Garten (in den man übrigens nicht rein muss, man kann auch einfach dran vorbeigehen) führt der Weg praktisch in die entgegengesetzte Richtung, an Schrebergärten vorbei
und durch mehrere tunnelartige baumbestandene Wege, sehr angenehm, da sehr sonnig
ups, damit hatte ich nun nicht gerechnet … und diese Schilder tauchen über einige hundert Meter immer wieder auf, da bleib ich mal schön mitten auf dem Weg
auch hier wie fast überall im Saarland: ein 2.-Weltkriegsbunker
es geht auf 17.30 Uhr zu, ich hab mich in dem Garten viel zu lange aufgehalten und nicht bedacht, dass sich im September die Sonne doch früher dem Horizont nähert, und in dem Waldstück ist es schon recht duster und ich hab immer noch fast 4 km...ich schreib mal ne Nachricht an die Söhne vorsichtshalber, und leider geht es auch hier immer wieder bergauf, bergab, menno
endlich komme ich an dieses obere Tor, von dem die Tatjana sprach, und da hängt auch ein handgeschriebenes Schild vonwegen "3 Meter links geht es weiter" - aber: 3 Meter links ist ein weiteres verschlossenes Tor, und was meint sie mit links??? Denn da müsste man etwa 15 Meter links gehen, da führt ein Fußpfad am Gehege entlang, aber es gibt auch noch ein offizielles Schild, das weist aber in die entgegengesetzte Richtung
ich fluche und entscheide mich dann letztendlich doch lieber für den offiziellen Weg in der Hoffnung: bitte nicht wieder bergauf-bergab - zumal ich jetzt - für meine Begriffe - fast renne, um aus dem Wald herauszukommen, bevor es noch dusterer wird
und natürlich geht es wieder berghoch, und danach wieder langgezogen bergrunter, ich hab das Gefühl, in meinen Füßen splittert was...von daher war das hier kein reines Vergnügen für mich
restlos fertig bin ich dann, als ich in der Wegbeschreibung zuhause beim Bilderhochladen lese, der Weg habe "eine geringe Distanz", geringe Distanz! Geringe Distanz ist für mich 1 Kilometer, nicht 10! Vielleicht sollte ich das Wandern doch sein lassen...
Erstmal eine richtig tolle Wanderung, die du da beschreibst. Der Weg klingt super und die Bilder sehen klasse aus :-) Und dann geht der Weg auch noch durch bzw. an einem Wolfspark entlang. Das finde ich klasse und wundere mich einmal mehr, woher deine Angst vor Wölfen nur kommen kann. Von dem Park habe ich allerdings noch nie gehört (zumindest nicht bewusst). So ein ähnliches Schild konnten wir letztes Jahr auch am Woflsgehege im Tierpark am Edersee lesen. Und am Wochenende am Mundenhof beobachten, wie so manche Hundebesitzer ihre Tiere die Tiere des Tierparks "angiften" ließen :-/ Ich mag Hunde, aber so mancher Mensch ist nicht zum Führen eines Hundes geeignet.
AntwortenLöschenDas du den Wanderort mit schlechten Erinnerungen an die Arbeit verknüpfst ist blöd, aber das kenne ich auch. Für mich ist es innerlich immer ein Graus, am Wochenende zu meiner "Schwiegermutter" zu fahren, da sie in der Nachbarschaft zum Arbeitsplatz wohnt. Da will ich am Wochendende nun wirklich nichts mit zu tun haben und am liebsten auch nicht in die Nähe kommen ;-)
Das viele Auf und Ab am Anfang hätte mich wohl auch angekäst. Das hat löst bei mir irgendwelche psychischen Sachen aus, denn ich hab keine Lust irgendwo rauf zu latschen, nur um dann festzustellen, dass es nur doch wieder bergab geht, um dann "alles wieder erneut hoch zu latschen". So fit, als das mir das Spaß machen würde, bin ich dann auch nicht :-D
Das der Garten der Sinne dich so positiv überrascht und umgestimmt hat, finde ich klasse. Wenn ich einen Ort enttäuschend fand, gehe ich da meist auch nicht wieder hin. Vor allem dann nicht, wenn er auch noch Eintritt kostet. Aber wenn du sagst, er hätte früher so ziemlich überall wie auf Bild 33 ausgesehen, kann ich das voll und ganz nachvollziehen und bin umso erstaunter, was für eine tolle Gartenanlage du uns stattdesse hier zeigst. Dieses Übernachtungs-Dings find ich total toll! Auf sowas hätte ich auch mal Lust :-)
Ist die Wolfsskulptur so riesig, wie sie auf dem Bild aussieht? Die gefällt mir. Über die "geringe Distanz" muss ich schmunzeln. Wir sind ja am Wochenende auch einen Premiumweg gewandert (Bericht steht immer noch aus!) und der hatte "nur" 8 km, die es aber teilweise ganz schön in sich hatten. Ich war am Ende so platt, als wären wir deutlich weiter gewandert. Und da war ich ebenfalls am Fluchen, als es auf den letzten 3 km (man konnte den Parkplatz von oben schon sehen), nochmal rauf ging, statt runter (grrr). Bei relativ flachen Wegen sind 10 km tatsächlich eine geringe Distanz, aber nicht, wenn es ordentlich hoch und runter geht.
Wir sind uns sowas von einig! Und da bin ich ja erleichtert, dass selbst du als Wanderprofi (von meiner Warte aus) das nicht als gering empfindest, wenn es so ein auf und ab ist. Der Holzwolf stand auf einer Art Podest, daher konnte ich ihn von unten her knipsen, Größe geschätzt 1,50 Meter, also schon ganz ordentlich - und ich freu mich sehr über den schön langen Kommentar!
Löschen1,5 m? Wow, das ist schon ordentlich, aber auf dem Bild wirkt er tatsächlich deutlich größer :-D Guter Winkel ;-) Ich hab mir zwischenzeitlich das Höhenprofil von deiner Wanderung mal hier angeschaut:
Löschenhttps://www.urlaub.saarland/Media/Touren/Traumschleife-Wolfsweg
Das ist echt nicht von schlechten Eltern. Auch wenn es nur wenige Höhenmeter jeweils sind, aber so ein ständiges Auf und Ab zehrt schon an den Kräften, finde ich.