Montag, 6. August 2018

Urlaub zuhause Teil 1 - Reise rund um mein liebes kleines Bundesländchen

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Etappe 1 am Sonntag, 5.8.18:



Frage neulich in einem TV-Quiz: welche deutsche Landeshauptstadt liegt als einzige unmittelbar an der Grenze zu einem anderen EU-Land?



Antwort: Saarbrücken!


Und ich wohne auch noch besonders nah, nämlich Luftlinie 600 Meter, zum Start an der Grenze muss ich also nicht weit fahren.



Mein erstes Ziel liegt dann auch quasi fast um die Ecke, ca. 1,5 km entfernt:



Pestlazarett Aschbachkirche

Von hier aus kann man nach Frankreich (genauer: nach Schoeneck) fast einen Kirschkern spucken.

Der dreißigjährige Krieg und die Pest hatten das kleine Dorf Aschbach ausgerottet.




Daran erinnert gleich hinter dem Parkplatz dieses Kreuz.
Dreht man sich um, sieht man einen der 7 Weiher, die sich hier wie Perlen an einer Schnur aufreihen, nicht alle sind öffentlich zugänglich.



Die kleine Kirche wurde im 11. Jahrhundert erbaut und im 14. Jahrhundert erstmals erwähnt. 

1624 wurde sie vom Saarbrücker Fürsten den Städten Saarbrücken und St. Johann als Pestlazarett überlassen. Nach dem Ende der Pestzeit wurde sie 1635 zerstört. In ihrem Umfeld wurden bei Ausgrabungen zahlreiche Gebeine gefunden.





Heute laufen hier die Jogger vorbei auf ihrer Runde, eine kleine Bank und eine Infotafel laden zum Rasten ein, und vielleicht denkt man auch einen Augenblick an die vielen Menschen, die hier rettungslos einer schrecklichen Krankheit preisgegeben waren.


Zurück ans schon brütend heiße Auto - trotz Schatten - und die ersten Schlucke von meinem Pfefferminztee-Vorrat trinken.



Weiter geht es durch den Ort Klarenthal zu den ersten Ausläufern des 5000 Hektar großen Warndtwaldes zum


Erlebnisbergwerk Velsen


Einmal monatlich ist hier Führung, die ist praktischerweise gerade heute und ich wollte sie eigentlich mitmachen, ich gebe aber zu, dass mich satte 10 Euro Eintritt abschreckten! 



Ich weiß, dass ein privater Verein diese Erlebnisstätte betreibt und habe daher auch Verständnis für den teuren Eintritt, mir würde es aber zu sehr mein Tagesbudget schmälern und so ziehe ich 3 km westwärts weiter. 

 


 

Grossrosseln/Kleinrosseln (=Petite Rosselle)



immer schön an der Grenze entlang ist der nächste Ort Großrosseln, von französischen Petite Rosselle nur durch den Bach Rossel getrennt. Steht man auf der Brücke und  schaut nach links, sieht man Frankreich

 
und rechts Deutschland


Die Rossel hatte einst traurige Berühmtheit als "Deutschlands schmutzigster Bach" dank der Einleitungen französischer Bergwerke, Kokereien und der Chemieplattform Carling, heute sieht das schon besser aus, lange grüne Pflanzen schwingen sanft am Bachboden in der Strömung von klarem Wasser
 

gleich hinter der Brücke französische Grundbedarfsversorgung (Foto evtl. [Werbung ohne Auftrag]: (Mann, das nervt, diese offenbar notwendigen Zusätze...einfach beknackt...)


wenige Schritte weiter wollte ich eigentlich die superbunten Kuchen, Teilchen und Torten dieser [Werbung ohne Auftrag] Bäckerei zeigen (meine Kinder fanden das früher toll - soviel Farbstoffe an Lebensmitteln gibt es auf deutscher Seite nicht, was auch gut ist) - aber leider haben sie Betriebsferien
 

Über Emmersweiler steuere ich meinen nächsten Zielpunkt in 7 km Entfernung an, nämlich einen [Werbung ohne Auftrag] 



Ziegenhof in Naßweiler





Mein Navi führt mich an diesen kleinen Weg und ich denke erst, das spinnt mal wieder, aber nein, da geht es tatsächlich nach Naßweiler!



Falls jemand der Stern im Bild rechts unten auffällt...ja ich fahre nun einen Oldtimer! Wenn er mal gewaschen ist, kommt er auch mal aufs Bild!





(Anmerkung für die ganz kritischen Leser: wenn ich Fotos aus dem Auto heraus mache, stehe ich immer am Straßenrand, bin nicht am Fahren!)


Nun bin ich aber wirklich auf'm Land angekommen! Weite und Stille.



Der Ziegenhof hat allerdings geschlossen (sonst hätte ich einen Käse mitgenommen), von den Ziegen sehe ich auch nichts, ich mache nur ein schüchternes Foto von außen



Nur anderthalb km von hier komme ich in der Ortsmitte an von

St. Nikolaus mit dem Weihnachtspostamt



Ja echt! Jede Post von Kindern aus der ganzen Welt, die sich an den Nikolaus richten, werden von hier aus seit 1966 ehrenamtlich und kostenlos von fleißigen Helferlein beantwortet, mittlerweile jährlich 18.000 Stück! Und das ist das Weihnachtspostamt

Und jawoll, der Nikolaus hat sogar seine eigene Postleitzahl, nämlich 66351, der Ort selber hat nämlich die 66352


Bei der Hitze heute kommt mir die Tannengirlande wie aus einer anderen Welt vor...

300 Meter entfernt steuere ich den

Nikolauser Weiher

an, wo es auch eine Gaststätte gibt, das [Werbung ohne Auftrag] Blockhaus

hier frage ich mich, ob rechts die Zufahrt ist und links die Abfahrt? Oder quetschen sich Ankommende und Wegfahrende über diesen schmalen Weg? Das wird später noch von Bedeutung sein!


Ich setze mich auf die Terrasse und trinke eine [Werbung ohne Auftrag] "Faßbrause Holunder", weil das so schön altmodisch klingt und schaue auf das supergrüne Wasser des Weihers.
Und auf der gut besetzten Terrasse mischen sich Deutsch und Französisch aufs Schönste, als ich später wegfahre, springt auch prompt ein munterer parkplatzsuchender Mann an mein Seitenfenster und ruft: "Vous parti?" Ich: "Oui, je parti!" Ob ich das jetzt richtig geschrieben habe...so gut sind meine Kenntnisse nicht mehr


Ich laufe ein Stück am Weiher entlang und frage mich, ob man rundherum kann? Nein, kann man nicht, ich gehe zurück und vorsichtshalber forsche ich ganz vorne nach, ob man denn wirklich über die Zufahrt auch wieder rausfährt? Davor gruselt mir etwas....wenn mir da einer entgegen kommt, muss ich rückwärts...huah

Aber als ich diesen Betonweg links hochsteige (nein, er führt nicht weiter, keine Abfahrt), fällt mir dieser Apfelbaum ins Auge, der seine Pracht hier schon ordentlich abgeworfen hat


Viele Äpfel sind schon längst am Faulen, manche aber auch ganz frisch, ich bringe es nicht über mich, die verkommen zu lassen, und sammele fleißig ein - und dazu gibt es demnächst noch einen Extrabeitrag!





 

Jetzt gilt es mal eine weitere Strecke zu fahren, da der spezielle Ort, zu dem ich will, und von dem ich in einer Doku erfuhr, zwar in Deutschland liegt, aber nur über Frankreich erreichbar ist, eine Enklave sozusagen.

Dem Grenzverlauf folgend durch den Warndt mit Wiesen, Feldern und Wäldern geht es 17 km lang erst durch Deutschland, 

dann komme ich in Carling an, der Ortsname hat im Saarland keinen guten Klang, denn hier steht das Chemiewerk, hier im Hintergrund auf dem zweiten Foto zu sehen, ich biege aber vorher ab



Und nun gibt's wieder die doofe Klammer, denn dies hier ist das kleine [Werbung ohne Auftrag]


Restaurant "Schmugglbud" 

- es liegt auf deutschem Boden, es führt aber keine deutsche Straße da hin - eigentlich will ich hier essen, habe mir vorher extra die Online-Speisekarte angeschaut, doch ich habe einfach überhaupt keinen Appetit...es ist zuuu warm!

Bei meinen Recherchen habe ich beim Grenzort Überherrn, und da bin ich jetzt in der Nähe, von einer "Bistaue" gelesen, einem Naturschutzgebiet, das möchte ich mir anschauen, im Navi gebe ich ein "Überherrn, Im Fuchshof 1" - 5 km von hier.

Früher stets ein Ort von leiser Bangigkeit: eines von vielen leerstehenden oder umgenutzten ehemaligen Zollhäuschen! Oft sind heute Bistros oder Pizzaservices drin. Besser so.


Am Wegrand öffnet sich diese Aussicht, ich fahre einen Feldweg hinein zum Fotografieren


und sehe, wie furchtbar trocken es auch hier ist!



Hier ist dann der Eingang zum

Naturschutzgebiet Bistaue bei Überherrn




Die kleine Bist bildet übrigens genau den Grenzverlauf


Ob das wirklich Mirabellen sind? Ich trau mich nicht...sie sehen so fremd aus, so rötlich...


Ich streune eine Zeitlang durch dieses feuchte Auengebiet



Aber dann! Dann hab ich echt ein Eis verdient! Ich stelle mir in einem Eiscafé in Überherrn eines ganz nach meinem Geschmack zusammen, mein absolutes Lieblingseis: einen Tartuffo-Becher mit nur halber Portion Sahne, und als Basis-Eis ausschließlich After-Eight-Eis - wie ich das liebe!


Ganz berauscht vom schieren Genuss lasse ich dann auf dem Papierspender im Waschraum meinen Autoschlüssel liegen und muss nochmal zurück...
Das Ende von Teil 1 naht, ich fahre zum 
Europadenkmal Berus
 hübsch hässlich, würde ich sagen, 60er Jahre halt, immerhin von Adenauer eingeweiht und tolle Sicht!

 Nur einen Katzensprung entfernt die kleine 
Orannakapelle Berus

ich hoffe auf Kühle im Alterraum, leider nein, auch hier warm
 mein Interesse an allem lässt so langsam wegen der lähmenden Hitze nach, ich will mich nur noch nachhause schaffen, da sehe ich vom Weg zur Orannakapelle dieses fantastische Gebäude auf einer Anhöhe, umstanden von riesigen Funkmasten, da muss ich doch noch hin, das beflügelt mich!
Es ist der 
Sender Europa 1 Berus


stärkster Rundfunksender auf dem Territorium Deutschlands und eine der größten Rundfunksendeanlagen der Erde


leider vollständig umzäunt, immerhin komme ich nahe genug und schieße durch den Zaun ein paar Fotos von dieser spektakulären Halle und einem der Masten


Menno, macht das mal zugänglich, das wäre doch ein außergewöhnliches Erlebnis, hier mal besichtigen zu können! Eine Spannbetonkonstruktion ohne Stützpfeiler und unter Denkmalschutz stehend - ich denke, ich werde mal die Gemeinde Überherrn anschreiben!
Weil die Anlage auf Muschelkalk steht, entschied man sich für eine Muschelform für das Dach, und zwar eine aufgeklappte Jakobsmuschel, leider ist damit auch eine traurige Geschichte verbunden: der erste Architekt beging Selbstmord, als dies während der Bauarbeiten einstürzte, der arme Mensch, ich werde immer sentimental, wenn ich von solchen Schicksalen lese (je älter ich werde, desto schlimmer).



Für den historischen Ortskern von Berus habe ich leider keinen Schmackes mehr heute…und fahre nun heim – über 7 Stunden war ich unterwegs! Und habe vieles erstmals gesehen, obwohl ich schon so lange hier lebe – ich bin gespannt, wie es auf den weiteren Etappen sein wird.



Und von den aufgerafften Äpfeln werde ich noch berichten.

Reisestand nach 1. Etappe:












4 Kommentare:

  1. ach so - du fährst immer heim abends! und ich dachte du kampierst am ende der tagesetappe...... so richtig als roadtrip mit vergessen welcher tag is & so..... ;-D
    beeindruckend wieviel man auf dem platten land an einem tag sehen kann an interessanten sachen!
    frisches baguette käm mir grade recht jetzt! :-DDDD
    xxxxx

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  2. Jo ich fahr abends immer heim und sehe das als großen Vorteil, kein Kofferpacken, kein Quartiersuchen, kein Auswärts-Essen organisieren, ich glaub, das ist langsam altersbedingt, ich bin am liebsten daheim! Oh je! :-) Ob ich morgen fahre, weiß ich noch nicht, heute war hier ja der heißeste Tag überhaupt angekündigt, morgen soll es Gewitter geben, mal sehen, ich hab ja noch viiieeel Zeit (und werde mich am Ende sicher wundern, dass plötzlich doch September ist...)

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  3. Da hattest du ja eine gelungene erste Etappe - trotz der Hitze. Irre, was für tolle Sachen man direkt vor der Haustür hat und sie doch noch nie gesehen hat. Ich kenne das ja auch :-D Das Eis hätte ich übrigens auch so gegessen :-D Ich hab mich allerdings mit 3 Kugeln im Becher begnügt, weil es später noch Kuchen gab :-D Ich freu mich jetzt schon auf deine nächste Etappe!

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  4. sehr viel entdeckt am ersten Tag ;)
    das Saarland kenne ich kaum .. obwohl wir da manchmal durchgefahren sind..
    wir hatten eine Bekannte deren Schwester direkt hinter der Grenze wohnt..
    wenn sie die besuchte fuhren wir manchmal hin
    den Nahmen habe ich vergessen
    ja.. es gibt auch rote Mirabellen.. da hast du dir etwas köstliches entgehen lassen ;)
    tolle Aufnahmen
    LG
    Rosi

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